10.000 Euro anlegen: In sechs Schritten zur optimalen Strategie

  • Schritt 1 – Notgroschen aufbauen: Legen Sie zuerst eine flüssige Reserve in Höhe von drei Netto-Monatsgehältern als Tagesgeld an.
  • Schritt 2 – Anlagestrategie wählen: Ein gutes Portfolio besteht aus einem Sicherheits- und einem Renditebaustein. Gewichten Sie die beiden Bausteine entsprechend Ihrer persönlichen Risikobereitschaft.
  • Schritt 3 – Festgeld anlegen: Verteilen Sie den Festgeldanteil Ihres Portfolios auf zwei abwechselnd auslaufende 2-jährige Festgeldanlagen.
  • Schritt 4 – Index auswählen: Entscheiden Sie sich für einen oder mehrere Indizes, in die Sie investieren wollen, um den Renditebaustein zu bestücken. Besonders breit gestreut ist der MSCI World.
  • Schritt 5 – ETF kaufen: Eröffnen Sie ein kostenloses Online-Depot und kaufen Sie einen ETF, der den ausgewählten Index abbildet.
  • Schritt 6 – Portfolio kontrollieren: Prüfen Sie einmal im Jahr, ob Sicherheits- und Renditebaustein noch richtig gewichtet sind.

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Ratgeber / Finanzen

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Für eine gute Geldanlage müssen Sie kein Finanzprofi sein. Wenn Sie beispielsweise 10.000 Euro anlegen möchten, gelangen Sie mit einem einfachen Fahrplan Schritt für Schritt ans Ziel. Wir geben wichtige Tipps für die Geldanlage und verraten Ihnen drei simple Anlagestrategien, die Sie einfach und bequem selbst umsetzen können.

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Schuldenvermeidung ist die beste Geldanlage

Die beste Geldanlage ist die Vermeidung von Schulden. Denn auf Ihre Verbindlichkeiten zahlen Sie grundsätzlich höhere Zinsen, als Sie für sichere Spareinlagen erhalten. Deshalb sollten Sie auch unvorhergesehene Ausgaben wie eine Reparatur an Haus oder Auto zahlen können, ohne ins Minus zu rutschen.

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Schlau mit V – ob sicherheitsbetont oder renditeorientiert: Mit den Geldanlagetipps der Tarifexperten von Verivox kann jeder schnell und unkompliziert eine solide Anlagestrategie entwickeln, die optimal zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Schritt 1: Notgroschen anlegen

In einem ersten Schritt sollten Sie also einen Notgroschen zurücklegen. Diese Reserve muss jederzeit flüssig sein. Deshalb ist der Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto am besten aufgehoben. Auf Tagesgeld haben Sie jederzeit Zugriff und es wirft – anders als Guthaben auf den meisten Girokonten – wenigstens geringe Zinsen ab. Tagesgeld-Einlagen sind EU-weit durch die gesetzliche Einlagensicherung bis mindestens 100.000 Euro geschützt. Es ist also eine sehr sichere Geldanlage.

Tagesgeld zum Top-Zins: Aktuelle Neukunden- und Aktionsangebote

Wichtig ist der Anbietervergleich. Wegen des angespannten Zinsumfelds zahlen vor allem viele Filialbanken kaum noch Zinsen aufs Tagesgeld. Top-Banken gewähren immerhin einen Zinssatz von 0,8 Prozent (Stand: August 2019). Würden Sie die vollen 10.000 Euro anlegen, brächte das immerhin 80 Euro Zinsen im Jahr. Das wäre allerdings übertrieben. Weil andere Anlageformen noch mehr Zinsen bringen, sollten Sie nicht zu viel Geld auf dem Tagesgeldkonto parken – ein Notgroschen in Höhe von etwa drei Netto-Monatsgehältern ist ausreichend.

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Vier Grundregeln der Geldanlage

Regel 1: Mehr Rendite gibt es nur gegen mehr Risiko

Auf lange Sicht versprechen Aktien eine deutlich höhere Rendite als Tagesgeld- und Festgeld-Anlagen. Dafür sind letztere durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Aktien unterliegen Kursschwankungen, sodass im ungünstigsten Fall Verluste drohen. Ein solides Portfolio besteht aus einem Sicherheits- und einem Renditebaustein.

Regel 2: Langer Atem reduziert Verlustrisiken

Wegen der Kursschwankungen besteht bei Investitionen in Aktien das Risiko von Kursverlusten. Geld verlieren Sie aber nur dann, wenn Sie Ihre Aktien zu einem niedrigeren Kurs verkaufen, als Sie sie gekauft haben. Rückblickend konnten die Aktienmärkte auch schwerste Einbrüche stets wieder aufholen. Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts zeigen: Anleger, die für mindestens 15 Jahre in die Standard-Werte des DAX investiert haben, mussten noch nie Verluste hinnehmen – unabhängig davon, ob der Einstieg bei hohen oder niedrigen Kursen erfolgte. Entscheidend ist also ein langer Anlagehorizont, um Kursverluste gegebenenfalls aussitzen zu können.

Regel 3: Durch breite Streuung sinkt das Risiko

Setzen Sie nie alles auf eine Karte. Achten Sie darauf, Ihre Investments auf mehrere Anlageklassen zu verteilen – zum Beispiel auf sicherere Sparanlagen und renditestärkere Anlagen wie Aktien. Mit Aktienfonds oder börsengehandelten Indexfonds – sogenannten ETFs – streuen Sie Ihre Geldanlage auch noch einmal innerhalb der Anlageklasse Aktien über eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen.

Regel 4: Günstige Anlagen verbessern die Rendite

Alle eingesparten Kosten wirken sich positiv auf Ihre Rendite aus. Tagesgeld und Festgeld verursachen in der Regel gar keine Kosten und sind deshalb die erste Wahl für den Sicherheitsbaustein Ihres Portfolios.

Bei Aktienfonds sind Jahresgebühren von 2 Prozent des Kurswerts keine Ausnahme. Ein ETF kommt mit einem Bruchteil dieser Kosten aus. Diese Fonds bilden große Indizes wie den MSCI World oder den DAX eins zu eins nach, streuen Ihr Kapital also ebenso breit wie ein aktiv gemanagter Aktienfonds. Nur wenige klassische Fonds schneiden langfristig besser ab als ihr Vergleichsindex. Investments in einen ETF haben also eine mindestens ebenso gute Renditeerwartung bei deutlich geringeren Kosten. Ein ETF ist deshalb der ideale Fonds für den Renditebaustein Ihres Portfolios.

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Schritt 2: Wählen Sie Ihre Anlagestrategie

Jeder Anleger muss selbst entscheiden, wie viel Risiko er in Kauf nehmen kann und will – ob er sein Portfolio also eher sicherheits- oder eher renditeorientiert zusammenstellt. Beamte mit einem sehr sicheren Einkommen können bei der Geldanlage beispielsweise mehr Risiko tragen, als ein Freiberufler, der die zukünftige Auftragslage nicht abschätzen kann. Auch der Anlagehorizont ist entscheidend. Je länger Sie das Geld anlegen, desto größer darf der Renditebaustein sein.

Abhängig von Ihrem persönlichen Risikoprofil wählen Sie dann eine Anlagestrategie und stellen sich Ihr Portfolio zusammen. Bei der ausgewogenen Anlagestrategie sind der Sicherheits- und der Renditebaustein des Portfolios gleich gewichtet. Sicherheitsorientierte Anleger entscheiden sich für ein Portfolio mit einem größeren Tagesgeld- und Festgeld-Anteil. Umgekehrt beinhaltet das Portfolio von renditeorientierten Anlegern einen höheren Anteil an Aktien beziehungsweise ETFs.

Wie Sie die 10.000 Euro anlegen

Wichtig: Egal für welche Strategie Sie sich entscheiden, sollten Sie zuerst den gesamten Notgroschen anlegen. Ein Beispiel: Sie verdienen monatlich 2.000 Euro netto. Wenn Sie noch keinen Notgroschen gebildet haben, legen Sie zuerst 6.000 Euro (drei Monatsgehälter) als Tagesgeld an – unabhängig von Ihrer Anlagestrategie.

Wie Sie den Rest der 10.000 Euro anlegen, hängt von Ihrem Risikoprofil ab. Wenn Sie eine renditeorientierte oder eine ausgewogene Anlagestrategie verfolgen, fließen die verbleibenden 4.000 Euro komplett in den Renditebaustein Ihres Portfolios. Schließlich ist der anvisierte Aktien-/ETF-Anteil noch nicht erreicht. Sicherheitsorientierte Anleger kaufen für 2.500 Euro ETFs. Die restlichen 1.500 Euro werden als Festgeld angelegt.

Schritt 3: Den Festgeld-Anteil richtig anlegen

Ebenso wie Tagesgeld ist Festgeld durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, bringt aber etwas höhere Zinsen. Allerdings können Sie während der Laufzeit nicht über Ihre Festgeld-Anlage verfügen. Obwohl Festgeld mit langer Laufzeit höhere Zinsen bringt, sollten Sie sich nicht allzu lange binden. Aktuell ist das Zinsniveau sehr niedrig. Es wäre schade, wenn Sie über Jahre nicht an Ihr Geld kämen, falls die Zinsen in Zukunft wieder steigen sollten.

Mehr zum Thema: Zinsentwicklung und Zinsprognose für Spar- und Kreditzinsen

Am besten verteilen Sie den Festgeld-Anteil Ihres Portfolios gleichmäßig auf zwei abwechselnd auslaufende Anlagen mit je 2 Jahren Laufzeit, so dass in jedem Jahr eine davon fällig wird. So können Sie gegebenenfalls von steigenden Zinsen profitieren, wenn Sie das Geld wieder anlegen.

Beim Festgeld sind die Zinsunterschiede übrigens ebenso groß wie beim Tagesgeld. Auch hier lohnt sich deshalb der Vergleich unterschiedlicher Angebote. Aktuell bringt 2-jähriges Festgeld im Schnitt nur 0,26 Prozent Zinsen (Stand: August 2019). Die besten Angebote offerieren einen Zinssatz von 1,65 Prozent. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro wären das jährlich rund 140 Euro Unterschied bei den Zinseinkünften. Bei 1.500 Euro wirken sich die Zinsen noch nicht ganz so stark aus. Aber im Laufe der Zeit wächst auch Ihr Vermögen und mit ihm der Festgeld-Anteil Ihres Portfolios. Am besten machen Sie es sich von Beginn an zur Gewohnheit, Ihr Geld optimal anzulegen.

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Schritt 4: Index für ETF auswählen

Nun müssen Sie noch den Renditebaustein Ihres Portfolios bestücken – wegen der geringeren Kosten am besten mit ETFs. Wenn Sie nur in einen Fonds anlegen wollen, empfiehlt sich ein ETF auf den MSCI World. Denn dieser Index umfasst über 1.600 Unternehmen aus 23 Industriestaaten der Welt. Mit einem Investment in den MSCI World ist Ihr Kapital also automatisch extrem breit über alle Branchen und viele Regionen der Welt gestreut.

Allerdings ist der amerikanische Markt im MSCI World deutlich überrepräsentiert. Rund 60 Prozent der enthaltenen Werte sind US-Aktien. Wer lieber in die europäischen Märkte investieren will, kauft am besten einen ETF, der den Stoxx Europe 600 abbildet. Darin sind die 600 größten Unternehmen Europas gelistet. Als deutsche Indizes kämen der DAX oder der MSCI Germany infrage. Allerdings sind in diesen Indizes deutlich weniger Aktien enthalten als im MSCI World. Das Kapital wird also über weniger Finanztitel gestreut.

Wer auf eine ökologisch und ethisch nachhaltige Geldanlage Wert legt, kann beispielsweise ETFs auf den MSCI World Socially Responsible Index (weltweite Streuung) oder den Dow Jones Europe Sustainability Screened Index (europaweite Streuung) ins Portfolio nehmen.

Schritt 5: ETFs kaufen

Ob Sie in nur einen oder in mehrere ETFs investieren möchten, bleibt ganz Ihnen überlassen. Wenn Sie eine verhältnismäßig geringe Summe wie 10.000 Euro anlegen wollen, kann es sinnvoll sein, sich zunächst auf nur einen sehr breit gestreuten Index zu konzentrieren – zum Beispiel den MSCI World.

Um einen ETF zu kaufen, benötigen Sie zuerst ein Wertpapierdepot. Filialbanken verlangen dafür in der Regel eine jährliche Gebühr. Ein reines Onlinedepot ist hingegen meist kostenlos. Bekannte Anbieter sind zum Beispiel die Onvista Bank, Flatex, Comdirect, Maxblue und die Consorsbank. Beim Handel mit ETFs wird kein Ausgabeaufschlag fällig und die Ordergebühren sind gering.

Zum Ratgeber: Depotübertrag – in drei Schritten zum Depotwechsel?

Sie können nach Fonds entweder mit ihrem Namen oder nach ihrer ISIN-Nummer (internationale Wertpapierkennnummer) suchen. Eine kurze Liste empfehlenswerter ETFs auf den MSCI World sowie den europäischen Markt haben wir für Sie zusammengestellt:

ETFs auf den MSCI World ISIN
Amundi MSCI WORLD Ucits ETF EUR FR0010756098
ComStage MSCI World TRN UCITS ETF LU0392494562
db x-trackers MSCI World Index UCITS ETF 1C LU0274208692
iShares Core MSCI World UCITS ETF IE00B4L5Y983

ETFs auf den Stoxx Europe 600 ISIN
Amundi ETF Stoxx Europe 600 FR0010791004
ComStage Stoxx Europe 600 NR UCITS ETF LU0378434582
db x-trackers Stoxx Europe 600 UCITS ETF (DR) 1C LU0328475792
iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (DE) DE0002635307

Schritt 6: Einmal im Jahr das Portfolio nachjustieren

Ist Ihr Portfolio erst einmal zusammengestellt, müssen Sie nicht mehr viel Zeit darauf verwenden. Einmal im Jahr sollten Sie prüfen, ob der Sicherheits- und der Renditebaustein noch richtig gewichtet sind. Ein guter Zeitpunkt dafür ist der Termin, an dem Ihre Festgeldanlage ausläuft. Dann können Sie das Portfolio gegebenenfalls nachjustieren.

Wenn der Kurswert Ihrer ETFs deutlich unter den Anteil fällt, der Ihrer Anlagestrategie entspricht, kaufen Sie nach. Umgekehrt können Sie einige ETF-Anteile verkaufen und den Erlös ins Festgeld umschichten, falls der Renditebaustein übergewichtet ist.

Bleiben Sie Ihrer Strategie treu

Wichtig ist, dass Sie Ihrer Anlagestrategie auch dann treu bleiben, wenn der Renditebaustein einmal ins Minus rutschen sollte. Schon viele Anleger haben Geld dadurch verloren, dass sie ausgerechnet in Krisenzeiten ihre Wertpapiere verkauft und Kursverluste realisiert haben.

Anpassungen an Ihrer Strategie sind nur dann nötig, wenn Sie auf ein bestimmtes Ziel hin sparen und Ihr Geld zu einem bestimmten Termin benötigen – zum Beispiel als Eigenkapital für eine Baufinanzierung. Dann sollten Sie einige Jahre vorher damit beginnen, den ETF-Anteil in Ihrem Portfolio zugunsten sicherer Anlagen nach und nach zurückzufahren. Dadurch sichern Sie Ihre Ersparnisse frühzeitig gegen Kurschwankungen ab, die bei ETFs immer möglich sind.

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