Solarstrom-Überschuss im Sommer - wohin damit?

München - An Sommertagen mit viel Sonne und Wind übernehmen die Erneuerbaren Energien einen Großteil der Stromversorgung in Deutschland. Doch die Schwankungen kosten. Weil das Stromnetz noch überfordert ist, fallen Milliarden-Kosten für die Gegenmaßnahmen an. Die Zeche zahlen die Kunden. Für mehr Stabilität im Netz sollen neue Lösungen zum Speichern und Teilen des Sonnenstroms sorgen.

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Bild: Solaranlagen - Sonnenstrom Bild: ©Adam Smigielski/iStock.com / Text: dpa

Zuletzt zeigten sich die Probleme im vergangenen Sommer: Während der wochenlangen Hitzewelle erzeugten Photovoltaik-Anlagen im Norden Sonnenstrom in Hülle und Fülle, so dass konventionelle Kraftwerke ihre Leistung teils drastisch herunterfahren mussten, um das Netz zu stabilisieren. Für die Entschädigung an die Betreiber kommen die Verbraucher über die Netzentgelte ihrer Stromrechnung auf. Gut eine Milliarde Euro kostete das Engpass-Management im vergangenen Jahr.

Dieses Jahr ist es noch vergleichsweise ruhig

Zwar brachte der relativ verregnete und windarme Frühling in diesem Jahr bisher noch keine vergleichbaren Belastungen - aber die Sommermonate Juli und August und ein möglicherweise stürmischer Herbst kommen ja erst noch, wie Volker Kamm vom Netzbetreiber 50Hertz zu bedenken gibt.

Größter Stressfaktor sind die fehlenden Gleichstrom-Autobahnen von Nord nach Süd. Ihr Ausbau dürfte sich mit der Entscheidung der Bundesregierung, Erdkabeln den Vorrang vor Überlandleitungen zu geben, noch um Jahre hinauszögern. Deshalb fehlen Kapazitäten, um den Ökostrom nach Süden zu transportieren - auch wenn das bestehende Netz bereits an einigen Stellen verstärkt und ausgebaut wird. Zugleich muss Deutschland beim Ausbau der erneuerbaren Energien Gas geben, wenn die Klimaschutz-Ziele erreicht werden sollen. Damit könnten sich allerdings die Kosten für Notmaßnahmen in den kommenden Jahren noch erhöhen.

Stromspeicher gewinnen an Bedeutung

Um Ökostrom-Überfluss einerseits und Dellen in wind- und sonnenarmen Zeiten andererseits besser abzufedern, werden Speicher immer wichtiger. Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht von einer "unverzichtbaren Größe" für ein Gelingen der Energiewende. Es gibt Speicher in allen Varianten - vom Batteriespeicher für die Solaranlage auf dem Privathaus bis hin zum modularen Speichersystem, das als Stromabnehmer und -erzeuger dienen kann.

Auch das Teilen von selbsterzeugtem Strom, der für die Verbraucher oft nur noch halb so teuer ist wie der Strom aus dem Netz, könnte mehr und mehr Freunde finden. Möglich wird das beispielsweise über eine Plattform der Firma sonnen GmbH aus Wildpoldsried im Allgäu, bei dem erst kürzlich der US-Industriekonzern General Electric eingestiegen war. Die Nachfrage nach Speicherlösungen dürfte in den kommenden Jahren kräftig steigen, erwartet der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie. Alleine auf privaten Hausdächern sind derzeit etwa 1,5 Millionen Photovoltaik-Anlagen installiert - erst rund 40 000 von ihnen verfügen über Solarspeicher.

Wasserkraft dient ebenfalls als Speicher

Im größeren Stil fungieren auch Wasserspeicherkraftwerke als Puffer. 50Hertz beispielsweise plant zusammen mit dem schwedischen Netzbetreiber Svenska kraftnät ein Seekabel, über das das Stromnetz in Nordostdeutschland mit den schwedischen Speicherseen verbunden werden soll. Bei hohem Windstromaufkommen kann günstiger Windstrom nach Schweden geliefert und dort Stromerzeugung aus Wasserkraft eingespart werden. Umgekehrt kann dieser indirekt gespeicherte Wasserkraftstrom bei Flaute aus skandinavischen Speicherbecken zurück nach Deutschland fließen. Davon wollen beide Seiten profitieren.

Auch Elektroautos könnten in diesem Zusammenspiel bald eine größere Rolle spielen. Denn wenn die Kaufprämie von 3000 bis 4000 Euro greift und die Fahrzeuge im Alltag ankommen sollten, werden auch sie zum großen, dezentralen Speicher. Aufgeladen bei Sonne oder Wind können sie entweder schlicht zum Autofahren genutzt werden - oder den Strom wieder ins Netz einspeisen, wenn er gebraucht wird.

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