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Glasfaser in Europa: Deutschland hinkt bei Nutzung noch hinterher

18.01.2022 | 11:56

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

In Deutschland haben rund 3 Prozent der Einwohner einen reinen Glasfaseranschluss – in Schweden sind es mehr als 30 Prozent. Hohe Werte finden sich auch in Spanien und Portugal. Verivox hat die Glasfaser-Nutzungsquoten für 15 europäische Länder verglichen.

Schweden an der Spitze, Deutschland abgeschlagen auf Platz 12

In Schweden nutzt rein statistisch jeder dritte Einwohner einen Glasfaseranschluss bis ins Haus oder Gebäude (FTTH bzw. FTTB). In Spanien hat jeder vierte Einwohner Glasfaser-Internet. Auf den weiteren Plätzen folgen Portugal, Finnland und Luxemburg. Deutschland belegt den 12. Platz.

"Staaten wie Schweden und Frankreich haben schon vor vielen Jahren Milliarden in den Netzausbau investiert und stufen die Versorgung mit schnellem Internet ausdrücklich als Teil der Grundversorgung ein", sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. "Spitzenreiter Schweden setzt sehr erfolgreich auf das Modell des offenen Netzzugangs, wodurch schon früh ein hohes Wettbewerbsniveau erreicht wurde."

Estland punktet mit höchster Aktivierungsquote

In Ländern mit zuvor unzureichendem Festnetz war der Ausbaudruck am größten. Das gilt zum Beispiel für Frankreich, aber auch für das Baltikum. Beispiel Estland: Dort haben immerhin 15 Prozent der Einwohner einen Glasfaseranschluss, also fünfmal so viele wie in Deutschland. Zudem werden in Estland – anders als in Deutschland – fast alle verfügbaren Glasfaseranschlüsse auch tatsächlich gebucht. Estland hat europaweit eine digitale Vorreiterrolle, doch hier ist der Hintergrund in erster Linie die bauliche Infrastruktur: In ehemals sozialistischen Ländern gibt es viele große Wohnblöcke, wo auf einen Schlag sehr viele Haushalte vergleichsweise kostengünstig angeschlossen werden können.

"Gleiches könnte auch für Wohnblöcke in ostdeutschen Großstädten gelten, denn auch dort musste das Telefonnetz neu aufgebaut werden", sagt Theumer. "Tatsächlich wurde schon direkt nach der Wende mit Glasfaser gearbeitet, doch die damaligen Vermittlungsstellen waren noch nicht breitbandtauglich. Eine Nachrüstung war zu vertretbaren Kosten erst mit der VDSL-Technik möglich."

Deutschland: Fokus lag lange auf DSL und Kabel

In Deutschland werden aktuell (laut Schätzung des Anbieterverbands VATM) nur 33 Prozent aller verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich aktiviert. Der Hauptgrund: Das Preis-Leistungs-Verhältnis von DSL- und Kabelzugängen wird vielfach noch als ausreichend gesehen – zumindest in städtischen Regionen.

"In Deutschland wurde sehr lange auf Vectoring und die aufgerüsteten Kabelnetze gesetzt", sagt Theumer. "Das über viele Jahre gut funktionierende Kupfernetz erwies sich rückwirkend als Bürde, weil es Investitionen in neue Technologien weniger dringlich erscheinen ließ. In Schweden hingegen kündigt der ehemalige Monopolist bereits an, Teile des Kupfernetzes abzuschalten."

Kosten für Glasfaseranschluss: Deutschland fast so teuer wie Schweden

Besonders günstig sind Glasfaseranschlüsse in Spanien. Dortige Provider bieten Glasfaser-Internet mit 1 Gigabit (GB) Maximalspeed schon ab rund 50 Euro im Monat an, oft sogar mit inkludiertem Mobilfunkpaket. In Schweden unterscheiden sich die Tarife nach Wohnort, Gebäudeart und Kundenwunsch. Je nach Anschlussadresse ist mit monatlichen Kosten von rund 100 Euro für Glasfaser-Gigabitspeed zu rechnen. In der Schweiz sind 10 Gigabit ab umgerechnet 75 Euro monatlich zu haben. Deutsche Netzbetreiber verlangen für 1 GB via Glasfaser im Regelfall zwischen 70 und 90 Euro im Monat, bisweilen deutlich mehr.

Methodik

Verivox hat im Oktober 2021 bei 15 europäischen Regulierungsbehörden (bzw. für den Telekommunikationsmarkt zuständigen Behörden) in Kerneuropa den Stand des Glasfaserausbaus im jeweiligen Land erfragt. Erfasst wurde sowohl die Zahl der verfügbaren Anschlüsse als auch die Zahl der aktiven Nutzer. Daraus errechnet sich die Aktivierungsquote (Take-up-Rate) für die Techniken FTTH und FTTB. Dieser Prozentsatz wurde in Bezug zur Einwohnerzahl gesetzt.