Bei Negativzinsen hört die Treue auf

04.08.2020 | 09:15

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Deutscher Sparer mussten in den letzten Jahren manche Kröte schlucken. Die historische Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat auch die Sparzinsen für private Anleger immer tiefer in den Keller gedrückt. Doch an einem Punkt hört für Viele die Leidensfähigkeit auf, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag von J.P. Morgan Asset Management zeigt: Wenn die eigene Bank Negativzinsen einführt, würden 60 Prozent ihr den Rücken kehren.

Sechs von zehn Bankkunden würden wechseln

Für die Umfrage wurden 2.000 Menschen gefragt, wie sie reagieren würden, wenn ihre Bank Negativzinsen einführt. Nachdem viele Bankkunden Nullzinsen bereits seit Monaten oder gar Jahren erdulden, wären Negativzinsen für sechs von zehn Befragten der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie würden die Bank wechseln.

Dazu rät auch Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH: „Null- und Negativzinsen sind auch im aktuellen Marktumfeld kein Naturgesetz. Top-Anbieter beim Tagesgeld etwa zahlen aktuell 0,5 Prozent Zinsen und wer sein Geld für zwei Jahre fest anlegen kann, erhält bis zu 1,4 Prozent.“

Immer häufiger trifft es auch durchschnittliche Sparer

Trotzdem zeigen sich in der Umfrage nicht alle Kunden wechselwillig. Wenn das eigene Geldinstitut Negativzinsen einführt, würde gut jeder Vierte (27 Prozent) seine Ersparnisse auf verschiedene Banken aufteilen, um so unter den Freibetragsgrenzen für die Strafzinsen zu bleiben. Fast ein weiteres Viertel der Deutschen würde die Strafzinsen einfach hinnehmen und gar nicht aktiv werden.

Lange Zeit erhoben Banken Negativzinsen nur auf sehr Guthaben ab 100.000 Euro und mehr. Doch diese Grenze wird mittlerweile immer häufiger unterschritten. Wie eine Verivox-Auswertung von rund 800 Banken zeigt, gewähren schon 24 Institute deutlich weniger als 100.000 Euro Freibetrag – drei davon erheben Negativzinsen schon ab dem ersten Euro. Insgesamt verlangen schon 118 Banken ein sogenanntes „Verwahrentgelt“ von ihren Privatkunden.

Übersicht: Diese Banken verlangen Negativzinsen

Negativzinsen können nicht einseitig eingeführt werden

Allerdings gelten Negativzinsen zunächst einmal nur für Neukunden. „Will eine Bank auch ihre Bestandskunden mit Negativzinsen belasten, muss sie das mit ihnen individuell vereinbaren“, betont Oliver Maier. Im Einzelfall kann dafür schon ein individuelles Preisanpassungsschreiben an die betroffenen Kunden ausreichen. Die einseitige Änderung des Preisaushangs genügt aber nicht.

Auf lange Sicht lohnt sich der Aktienmarkt

Neben dem Wechsel zu einer Bank, die immer noch positive Zinsen zahlt, sollten langfristig orientierte Anleger auch Alternativen an der Börse ins Auge fassen. „Wer über einen langen Zeitraum von mindestens 15 Jahren in einen breit gestreuten Aktienindex wie den MSCI World investiert hat, war noch nie im Minus und durfte sich im Schnitt über mehr als 7 Prozent Rendite im Jahr freuen“, sagt Oliver Maier.