Mit dem Hund zum Tierarzt: Vorbereitung und Tipps

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Menschen gehen nicht gerne zum Arzt, warum sollte ein Hund zum Tierarzt wollen? Wer die Situation im Wartezimmer schon einmal erlebt hat, kennt die ängstliche Nervosität der Vierbeiner. Ein Freudentag wird der Tierarztbesuch nie werden, aber als Halter kann man im Vorfeld einen Teil der Angst nehmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Welpen lassen sich spielerisch auf Tierarztbesuche vorbereiten.
  • Bestimmte Untersuchungsroutinen können zu Hause als Bestandteil des Spiels eingebaut werden.
  • Besuche in der Praxis ohne Behandlung erleichtern dem Hund das Eingewöhnen an das dortige Umfeld.
  • Bei schweren Fällen von Antipathie gegenüber dem Tierarzt helfen leichte Sedativa.

Welpen an Untersuchungsrituale gewöhnen

Welpen lieben es, gekrault zu werden. Eine tierärztliche Untersuchung geht mit bestimmten Abläufen einher, beispielsweise Ohruntersuchung oder der Blick in den Fang. Man kann den Hund spielerisch daran gewöhnen, dass es nichts Schlimmes ist, wenn das Ohr untersucht wird oder beim Spielen auch einmal der Fang mit den Händen geöffnet wird. Das Durchbürsten des Fells mit einem Flohkamm wird kaum ein Welpe als unangenehm empfinden.

Eingewöhnung auch beim Tierarzt

Der erste Tierarztbesuch steht meist kurz nach der Übernahme des Hundes an. Die Durchführung der Endphase einer Wurmkur liegt meist beim neuen Besitzer. Aus dem Auto heraus und hinein in das volle Wartezimmer bedeutet für den Hund Stress. Hilfreicher ist es, wenn der Weg an der Tierarztpraxis vorbei bereits Bestandteil des ersten Gassigehens wird. Hunde sind Gewohnheitstiere. Sind sie im Vorfeld des ersten Arztbesuches schon mehrmals an der Praxis vorbeigelaufen, ist zumindest das Umfeld nichts Neues für sie. Besteht die Möglichkeit, einige Male vor dem eigentlichen Behandlungstermin kurz in das Wartezimmer zu gehen, baut dies ebenfalls eine zumindest minimale Vertrautheit auf. Der Hund gewöhnt sich schneller daran, dass er Unmengen fremder Gerüche ausgesetzt ist und lernt, diese nicht einzeln „hinterfragen“ zu müssen.

Wer die Vorbereitung auf den ersten Arztbesuch perfektionieren möchte, übt mit seinem Hund, auf einem Tisch zu stehen oder zu sitzen.

Grundsätzlich gilt es am Ende jeder Übung, den Hund zu belohnen. Vor der Praxis beim Spaziergang stehen zu bleiben und dem Tier eine Belohnung zu geben, baut bereits die erste positive Konnotation mit dem Gebäude auf. Man kann das Tier auch belohnen, wenn es ruhig auf einem Tisch steht.

Nicht alle Hunde sind begeistert, wenn ein Mensch eine ihrer Pfoten anfasst und hochhebt. Hier gelingt die Gewöhnung allerdings recht schnell. Die meisten Hundehalter trocknen ihre Tiere nach einem Regenspaziergang ab. Dabei lernen die Hunde sehr schnell, dass das Heben der Pfote kein dramatisches Erlebnis ist.

Fieber messen – nicht ganz so einfach

Eine der kritischsten Situationen ist das Fiebermessen. Dies geschieht bei Hunden grundsätzlich rektal. Wer hier im Vorfeld für eine stressfreie Untersuchung sorgen möchte, benötigt schon zu Hause viel Geduld.

Zunächst einmal ist ein eigenes Thermometer für den Hund die erste Voraussetzung. Das Thermometer sollte an der Spitze mit Vaseline eingeschmiert werden. Am besten macht man die „Fieberübung“ zu zweit. Eine Person versucht, den Hund abzulenken und zu beruhigen, die andere übernimmt das Fiebermessen. Diese Übung muss vermutlich am häufigsten durchgeführt werden, um dem Vierbeiner die Ängste zu nehmen.

Im Extremfall helfen nur Beruhigungsmittel

Wer einen Hund von einem vorhergehenden Halter übernimmt, muss damit rechnen, dass dem Umgang mit Tierarztbesuchen in der Vergangenheit wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Jaulen oder Winseln gehörten halt dazu. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Mitleid mit dem Hund nicht sinnvoll ist. Der Hund versteht das Mitleid, fühlt sich bestätigt und steigert seine Ängste noch mehr. In dem Fall, dass das Verhalten beim Tierarzt als dazugehörendes Übel eingestuft wurde, hat der neue Halter noch eine echte Aufgabe vor sich. Das Tier ist bereits darauf konditioniert, im Wartezimmer nervös zu sein und vor Behandlungen Angst zu haben.

Die Verunsicherung kann so weit gehen, dass der Hund auf keinerlei Zureden mehr reagiert und schon vor der Arztpraxis nur noch flüchten möchte. Das erfolglose Fluchtverhalten steigert die Nervosität noch mehr. Tritt extremes Fluchtverhalten ein, empfiehlt es sich, auf Beruhigungsmittel zurückzugreifen.

Es müssen keine Medikamente sein, die gleich zu einer Ohnmacht führen. Tierärzte können den Besitzern leichte Sedativa für eine Verabreichung im Vorfeld geben.