Kastration/Sterilisierung: Zahlt hier die Tierversicherung?

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Während für Katzen teilweise sogar Kastrationspflicht besteht, scheiden sich bei Hunden die Geister. Einige Hundebesitzer erachten die Kastration beziehungsweise Sterilisierung als notwendig, andere lehnen sie entschieden ab. Natürlich entstehen Kosten im Zusammenhang mit einer Kastration oder Sterilisierung. Doch zahlt hier die Tierversicherung oder muss der Halter die Rechnung selbst begleichen? Die Antwort erhalten Sie im nachfolgenden Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Kastration/Sterilisierung verhindert, dass Ihr Haustier ungewollt Nachwuchs zeugt beziehungsweise bekommt.
  • Während der Tierarzt bei einer Kastration die Geschlechtsorgane komplett entfernt, durchtrennt er bei einer Sterilisierung lediglich die Samen- beziehungsweise Eileiter des Tieres.
  • Da sich der Eingriff bei weiblichen Tieren wesentlich komplizierter gestaltet, sind die Kosten mit bis zu 140 Euro für eine Katze beziehungsweise 400 Euro für eine Hündin deutlich höher als bei Katern (bis 90 Euro) und Rüden (bis 200 Euro).
  • In den meisten Fällen ist eine Kostenübernahme durch die Tierversicherung nur möglich, wenn es sich um eine medizinisch notwendige Operation handelt.

Wann ist eine Kastration sinnvoll?

Eine Kastration bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Diese sind im Folgenden aufgeführt.

Vorteile einer Kastration

Der offensichtlichste Vorteil der Kastration eines Hundes oder einer Katze besteht darin, dass sich durch den Eingriff ungewollter Nachwuchs verhindern lässt. Außerdem senkt eine Kastration das Risiko für einige Krankheiten. Kastrierte Katzen bekommen beispielsweise seltener Brustkrebs. Bei Hunden beugt eine Kastration unter anderem Hodenkrebs (Rüden) und einer Vereiterung der Gebärmutter (Hündinnen) vor.

Darüber hinaus führt eine Kastration zu einer Verhaltensänderung des Tieres. Katzen streunen weniger durch die Gegend, kämpfen seltener mit anderen Artgenossen und markieren nicht mehr so oft ihr Revier. Der letztgenannte Punkt ist insbesondere für Halter einer Wohnungskatze ein großer Vorteil. Zusätzlich miauen die Tiere nicht ständig, während sie rollig sind. Hunderüden sind oft weniger aggressiv, stellen das Bespringen von läufigen Hündinnen ein und markieren nicht mehr so häufig ihr Gebiet. Kastrierte Hündinnen sollen sich laut Erfahrungsberichten leichter erziehen lassen.

Nachteile einer Kastration

Eine Kastration bringt aber auch einige Nachteile mit sich. Zum einen handelt es sich um einen schwerwiegenden Eingriff, der eine umfangreiche Nachpflege erfordert. Zu anderen entfernt der Tierarzt bei einer solchen Operation sämtliche Sexualorgane, wodurch er gleichzeitig die Ausschüttung bestimmter Hormone unterbindet. Dies hat auch Auswirkungen auf das Immunsystem. Nach der Kastration gelangen Pilze, Parasiten und andere Krankheitserreger leichter in den Körper des Tieres. Außerdem neigen kastrierte Vierbeiner eher zu Übergewicht.

Kastration und Sterilisierung: Das sind die Unterschiede

Manche Tierhalter verwenden die Begriffe „Kastration“ und „Sterilisierung“ als Synonyme. Es handelt sich jedoch um zwei unterschiedliche Operationen. Bei einer Sterilisierung durchtrennt der Arzt nämlich lediglich die Eileiter beziehungsweise die Samenleiter, die Sexualorgane verbleiben im Körper. Infolgedessen verfügt der Hund beziehungsweise die Katze über einen normalen Hormonhaushalt.

Allerdings hat auch eine Sterilisierung Nachteile. Da der Sexualtrieb erhalten bleibt, besteht das Risiko, dass sich das Tier mit einer Geschlechtskrankheit – bei Katzen beispielsweise Katzen-AIDS (FIV) – ansteckt. Bei Hündinnen höheren Alters kann eine Sterilisierung zu verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen wie Gebärmuttervereiterung oder Gebärmutterkrebs führen.

Methoden der Kastration

Es gibt zwei unterschiedliche Kastrationsverfahren. Bei der „klassischen“ Variante entfernt der Arzt die Hoden beziehungsweise Gebärmutter und Eileiter. Bei männlichen Tieren dauert der Eingriff nur wenige Minuten. Bei weiblichen Tieren muss der Arzt jedoch die Bauchdecke öffnen, wodurch sich die Operation komplizierter gestaltet.

Die Alternative besteht darin, einen sogenannten Kastrationschip zu verwenden. Allerdings eignet sich diese Variante nur für Rüden und Kater. Bei der chemischen Version der Kastration platziert der Tierarzt einen Chip unter der Haut des Vierbeiners (meist zwischen den Schulterblättern). Das Implantat gibt kontinuierlich geringe Mengen des Wirkstoffes Deslorelin ab, der dafür sorgt, dass das Tier zeugungsunfähig ist. Der Wirkstoff Deslorelin ist allerdings nur für Rüden zugelassen. Je nach Ausführung wirkt der Kastrationschip sechs bis zwölf Monate lang.

Auch wenn es möglich ist, den Vierbeiner im Anschluss erneut zu chippen, sollten Halter dieses Verfahren eher als Testlauf für eine klassische Kastration betrachten. Schließlich bedingt der Chip eine permanente Änderung der Hormonproduktion, was auf Dauer zu Problemen führen kann.

Die Kosten einer Kastration oder Sterilisierung

Welche Kosten die Kastration beziehungsweise Sterilisierung Ihres Haustieres nach sich zieht, hängt einerseits davon ab, ob es sich um einen Hund oder um eine Katze handelt. Andererseits hat das Geschlecht des Vierbeiners einen großen Einfluss auf die Höhe der Rechnung. Für Rüden ist mit Kosten zwischen 100 und 200 Euro zu rechnen, für Hündinnen aufgrund der aufwendigeren Operation mit bis zu 400 Euro. Tendenziell gilt: Je größer das Tier, desto höher die Rechnung. Falls Sie einen Kater besitzen, sollten Sie mit 80 bis 90 Euro rechnen und bei einer Katze mit etwa 140 Euro. Die Kosten für eine Sterilisierung fallen ähnlich aus.

Zahlt die Tierversicherung für den Eingriff?

Ob die Krankenversicherung Ihres Haustieres die Kosten der Operation ganz oder zumindest teilweise übernimmt, hängt vom gewählten Tarif ab. Die meisten Versicherungsgesellschaften bezahlen eine Kastration oder Sterilisierung nur, wenn der Eingriff medizinisch (also beispielsweise aus gynäkologischen Gründen oder aufgrund eines Tumors) erforderlich ist. Hunde- und Katzenhalter bekommen in einem solchen Fall die Kosten meist komplett erstattet. Besteht keine medizinische Notwendigkeit, lehnen die meisten Versicherer eine Kostenübernahme ab. Es gibt jedoch auch Anbieter, die zumindest einen Zuschuss leisten.