Verbraucher-Atlas: Strompreise in Europa

Strompreise in der EU

2019 lag der durchschnittliche Strompreis für Privatkunden in der Europäischen Union bei 21,66 Cent je Kilowattstunde. Das hat die europäische Statistikbehörde Eurostat ermittelt. Doch die Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedsstaaten sind groß. So werden in Dänemark mit 29,24 Cent europaweit die höchsten Strompreise fällig, gefolgt von Deutschland (28,73 Cent) und Belgien (28,6 Cent).

Der Strom in den teuersten EU-Ländern kostet damit mehr als dreimal so viel wie im günstigsten Mitgliedsstaat Bulgarien. Hier zahlen Stromkunden durchschnittlich 9,58 Cent für jede verbrauchte Kilowattstunde. Auch in anderen osteuropäischen Ländern ist Strom verhältnismäßig günstig. In Litauen, Ungarn, Kroatien, Rumänien, Estland, Malta und Polen liegt der Kilowattstundenpreis jeweils unter 15 Cent.

Wo in der EU ist Strom am teuersten?

Deutsche müssen mit die höchste Kaufkraft aufwenden

In jedem Land ist der Euro unterschiedlich viel wert. Wie stark die finanzielle Belastung durch die Stromkosten ausfällt, zeigt daher der sogenannte Kaufkraftstandard (KKS) – eine fiktive Währungseinheit, die die unterschiedlichen nationalen Preisniveaus ausgleicht. Mit einem KKS können in jedem Land der EU theoretisch gleich viele Waren und Dienstleistungen eingekauft werden.

Auch bei dieser Betrachtungsweise sind die deutschen Stromverbraucher mit 1.071 KKS füreinen Jahresbedarf von 4.000 kWh mit am stärksten belastet. Nur in Rumänien (1112 KSK) muss noch mehr Kaufkraft aufgewendet werden. Den günstigsten Strom gemäß Kaufkraftstandard beziehen die Finnen (576 KKS) vor den Luxemburgern (584 KKS) und den Maltesern (618 KKS).

Strompreise in der EU nach Kaufkraft

Strompreise im Fünf-Jahres-Vergleich

In den fünf Jahren zwischen 2013 und 2018 sind die Strompreise in Europa um durchschnittlich 4 Prozent gestiegen. Den größten Preissprung mussten die Einwohner Belgiens hinnehmen. Hier verteuerte sich Strom zwischen 2013 und 2018 um knapp ein Drittel. Bulgarien verzeichnet mit rund 14 Prozent den zweitstärksten Strompreisanstieg innerhalb der EU, gefolgt von Frankreich mit etwa 13 Prozent. In Deutschland mussten Stromkunden laut den Daten von Eurostat knapp 3 Prozent mehr für die gleiche Menge Strom bezahlen.

In Malta konnten sich Verbraucher hingegen über den größten Preisrückgang freuen (–23 Prozent). Auch in Litauen (-21 Prozent), Ungarn (-16 Prozent) und der Slowakei (-13 Prozent) wurde Strom auf Fünf-Jahressicht deutlich günstiger.

Hohe Steuern treiben deutschen Strompreis

Der Strompreis in Deutschland setzt sich im Wesentlichen aus folgenden drei Kostenblöcken zusammen:

  • Steuern und Umlagen
  • Netzentgelte
  • Beschaffung, Marge und Vertrieb

Den mit Abstand größten Posten bilden Steuern, Umlagen und Abgaben mit insgesamt rund 53 Prozent. Darin enthalten sind die Stromsteuer, die Konzessionsabgaben an die Kommunen sowie die Abgaben, die sich aus dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), der Offshore-Haftungsumlage, der §19-NEV-Umlage und der Umlage für abschaltbare Lasten ergeben. Zusätzlich werden die Mehrwertsteuer hinzugerechnet.

Die Abgabenlast auf Strom ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Lag sie 2009 lag diese noch bei 39 Prozent, waren es 2012 schon 46 Prozent. Im Jahr 2013 stieg der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen erstmals über die 50-Prozent-Marke.

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Stand der Daten: Ende 2018