Oettinger: "Privatisierung des Stromnetzes war keine gute Idee"

08.11.2010 | 10:12

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Frankfurt/Main - EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat die Struktur der europäischen Stromnetze kritisiert. "Das Beste wäre, wir hätten einen einzigen Eigentümer für die gesamte Energieinfrastruktur in der Union", sagte Oettinger gegenüber der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe).

Die Privatisierung des deutschen Stromnetztes bezeichnete er als Fehler. "Aus heutiger Sicht weiß ich nicht, ob das Unbundling der Netze eine gute Idee war, die uns in Deutschland vier verschiedene Netz-Eigentümer beschert hat. Ich glaube, dass in Frankreich oder Spanien, wo die nationale Energieinfrastruktur in der Hand eines einzigen Unternehmens ist, bessere Voraussetzungen existieren, um öffentliche Interessen beim notwendigen Ausbau zu berücksichtigen", sagte Oettinger.

Der EU-Kommissar sagte, in den kommenden Jahren seien zahlreiche Investitionen nötig, um das europäische Stromnetz für erneuerbare Energien auszubauen. "Auf dem Elektrizitätssektor müssen wir Leitungen zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten bauen - etwa von Spanien nach Frankreich und von dort nach Deutschland", sagte Oettinger.

Im Moment sei es unmöglich, Strom aus dem Elsass über die Grenze nach Baden-Württemberg zu leiten. "Unter diesen Bedingungen nützt uns der Strom, den wir in Nordafrika aus Sonnenenergie erzeugen, genauso wenig wie der, den die Windmühlen in der Nordsee liefern", sagte er. "Wir können beides nicht in die Metropolregionen bringen."