Erwerbsminderungsrente: Definition und Regelung

Erwerbsminderung bedeutet, dass man dauerhaft nicht mehr oder nur eingeschränkt einer Arbeit nachgehen kann. Dies kann durch eine Krankheit, eine Behinderung oder einen Unfall ausgelöst werden. Damit der Lebensunterhalt in solch einem Fall trotzdem gesichert werden kann, gibt es die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer seiner Arbeit nicht mehr oder nur eingeschränkt nachgehen kann, fällt in die Erwerbsminderungsrente.
  • Diese wird durch die gesetzliche Rentenversicherung gesteuert.
  • Wer mehr als sechs Stunden am Tag arbeiten kann, gilt nicht als erwerbsunfähig.

Erwerbsminderungsrente: je nach Alter unterschiedliche Regelungen

Die Regelungen für die Erwerbsminderungsrente hängen in erster Linie vom Alter der Versicherten ab. Vor 1961 geborene Personen erhalten die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Diese wurde jedoch im Jahr 2000 abgeschafft und durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt. Für alle Personen, die nach dem 2. Januar 1961 geboren sind, gelten die Regeln für die Erwerbsminderungsrente.

Voraussetzungen für den Erhalt der Erwerbsminderungsrente

Um Anspruch auf Erwerbsminderungsrenten zu haben, dürfen Versicherte die Rentenaltersgrenze noch nicht erreicht haben und Ihre Erwerbsfähigkeit kann nicht mehr wiederhergestellt werden. Sollten sie mehr als sechs Stunden am Tag arbeiten können, so gelten sie nicht als Erwerbsunfähig. Zu den Versicherungsrechtlichen Bedingungen zählt außerdem noch die Einhaltung der Wartezeit. Sie müssen seit mindestens fünf Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sein und mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge bezahlt haben.

Wie wird die Erwerbsminderung anerkannt?

Dazu muss ein Antrag gestellt werden und zusätzlich ärztliche Gutachten beziehungsweise ärztliche Unterlagen vorliegen. Sie erhalten dann einen Bescheid über die Auszahlung der Erwerbsminderungsrente, sobald der Antrag genehmigt wurde.

Volle und teilweise Erwerbsminderung: Unterschiede

Bei nach 1961 Geborenen unterscheidet die Rentenversicherung zwischen voller und teilweiser Erwerbsminderung.

Volle Erwerbsminderung

Die volle Erwerbsminderung tritt ein, so bald eine Person auf unabsehbare Zeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Somit ist der Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt verwehrt. Behindertenwerkstätten oder ähnliche Einrichtungen zählen nicht zum allgemeinen Arbeitsmarkt.

Teilweise Erwerbsminderung

Um teilweise Erwerbsminderung handelt es sich, sollten Personen mehr als drei Stunden aber weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können. Sie erhalten dann Anspruch auf die Hälfte der vollen Erwerbsminderungsrente und diese soll dann in Kombination mit einer Teilzeittätigkeit Ihren Lebensunterhalt sichern. Da viele Versicherte es jedoch sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt haben eine solche Stelle zu bekommen, erhalten sie im Fall der Arbeitslosigkeit ebenfalls die volle Rente.

Mögliche Arbeit unabhängig von früherem Beruf

Bei der Überprüfung, ob der Versicherte noch am Arbeitsmarkt tätig sein kann, ist der vorherige Beruf unerheblich. Das bedeutet, dass auch ein Akademiker auf eine niedere Tätigkeit verwiesen werden kann. Ist er imstande eine solche Tätigkeit für 3-6 Stunden zu erledigen, bekommt er nur die halbe Erwerbsminderungsrente.

Wie hoch ist die Auszahlung und wie bekomme ich sie?

Frühestens sechs Monate nach Eintritt der Erwerbsminderung wird die volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente bezahlt, zuvor erhalten Versicherungsnehmer sechs Wochen lang Entgeltfortzahlung und im Anschluss daran Krankengeld. Die Höhe der Auszahlung ist abhängig von ihrem bisherigen Einkommen, ihren bisherigen Versicherungsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie ihrem Wohnort, also ob sie in den alten oder in den neuen Bundesländern wohnen. Dies bedeutet, dass es keinen allgemeinen Auszahlungsbetrag gibt, sondern für jeden Betroffenen individuell ein Betrag errechnet werden muss.

Erwerbsminderungsrente bei einem Minijob

Zusätzliche Verdienste neben der Erwerbsminderungsrente sind grundsätzliche erlaubt. Dabei gilt, wie bei vielen anderen Versicherungen, die Minijobgrenze von 450 Euro. Gehen die Verdienste darüber hinaus, können die Rentenversicherungsträger die Zahlungen vermindern oder ganz einstellen.

Wie lange gibt es die Erwerbsminderungsrente?

Die Erwerbsminderungsrente wird für maximal drei Jahre bezahlt, allerdings sind Folgeanträge möglich. Wenn das gesetzliche Rentenalter erreicht wird, erlischt automatisch der Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente und der Versicherte erhält die Altersrente. Bisher galt bei den Rentenbezügen eine Zurechnungszeit von etwas mehr als 62 Jahren. Das bedeutet, dass bei der Berechnung der Rente davon ausgegangen wird, dass der Versicherte bis zum 62. Lebensjahr in die Rentenversicherung eingezahlt hat. So müssen dank der Zurechnungszeit auch Personen, die aufgrund ihrer Erwerbsminderung keine Einzahlungen leisten konnten, nicht mit stark verminderten Renten rechnen.

Ab 2019 gilt neue Zurechnungszeit

Für Neurentner gibt es seit Anfang 2019 eine wichtige Anpassung. Die Zurechnungszeit für die Erwerbsminderungsrente ist gesetzlich verlängert worden. Sie endet nun nach 65 Jahren und acht Monaten und nicht wie bisher nach 62 Jahren und drei Monaten. In den kommenden Jahren soll die Zurechnungszeit schrittweise weiter auf das übliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren angepasst werden.