Umfrage: Deutliche Mehrheit findet Niedrigzinspolitik falsch

14.02.2020

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Seit Jahren schon sind die Zinsen im Keller. Daran gibt es gerade in Deutschland immer wieder viel Kritik. In der repräsentativen Gothaer Anlegerstudie hielten sechs von zehn Befragten die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank für falsch. Die Studie zeigt auch, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit viele Anleger zwar wichtig sind, bei ihren tatsächlichen Investments aber oft noch keine ausschlaggebende Rolle spielen. Die wichtigsten Faktoren für die Auswahl der Anlageform sind Sicherheit und Flexibilität.

So viele Kritiker der EZB-Geldpolitik wie noch nie

Die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Gothaer Asset Management wurde im Januar 2020 durchgeführt. Das aktuelle Meinungsbild zur anhaltenden Niedrig- beziehungsweise Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) fällt deutlich negativer aus als noch im Vorjahr: Nur noch 29 Prozent der Befragten halten die Leitzinspolitik der EZB für richtig. Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent hält sie dagegen für nicht richtig.

Das ist der höchste Wert, der in der nun bereits zum elften Mal durchgeführten Studie je erhoben wurde. Die schärfsten Kritiker befinden sich in der Altersgruppe der über 60-Jährigen. Dort halten 66 Prozent die Niedrigzinspolitik für falsch. Eine starke Meinungsänderung ist zudem in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen zu verzeichnen. Waren 2019 noch 47 Prozent von der Niedrigzinspolitik überzeugt, sank die Zustimmung 2020 um 17 Prozentpunkte auf 30 Prozent.

„In Zeiten von Negativzinsen ist es nicht verwunderlich, dass die Zinspolitik der EZB immer stärker an Rückhalt in der Bevölkerung verliert“, findet Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management. Schließlich träfen die Folgen vor allem auch die Kleinanleger, die um ihre Altersvorsorge bangen.

Investments in nachhaltige Fonds sind noch die Ausnahme

Das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz ist bei den Bundesbürgern ausgeprägt. Auf die Frage, welche Facette von Nachhaltigkeit – Umwelt- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder verantwortungsvolle Unternehmensführung – ihnen am wichtigsten sei, nannten 44 Prozent der Befragten den Umwelt- und Klimaschutz. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 68 Prozent, gefolgt von den 45- bis 59-Jährigen, wo 42 Prozent dieser Aspekt am wichtigsten ist.

53 Prozent der Befragten sind nach eigenen Angaben sogar bereit, in eine nachhaltige Geldanlage zu investieren, auch wenn sie gleichzeitig eine geringere Rendite erhalten würden. Besonders ausgeprägt ist diese Einstellung bei den 18- bis 29-Jährigen (60 Prozent). Tatsächlich haben derzeit jedoch erst 6 Prozent der deutschen Bürger nachhaltige Fonds im Depot.

Sparbuch immer noch die meist genutzte Anlageform

Das wichtigste Anliegen der Befragten bei der Geldanlage ist weiterhin die Sicherheit mit 52 Prozent. Allerdings ist dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte (2019: 57 Prozent) gesunken. Flexibilität in der Anlage spielt für 31 Prozent die wichtigste Rolle (2019: 29 Prozent). Eine hohe Rendite hat nach wie vor nur für eine kleine Minderheit von 10 Prozent die größte Bedeutung (2019: 9 Prozent).

Das hohe Sicherheitsbedürfnis bildet sich auch in den Anlageformen ab, in die tatsächlich investiert wird. An erster Stelle liegt nach wie vor das Sparbuch mit aktuell 48 Prozent. Aber auch Lebensversicherungen erfreuen sich mit 30 Prozent (2019: 29 Prozent) weiterhin großer Beliebtheit, Fonds bleiben mit 24 Prozent (2019: 26 Prozent) relativ konstant. Ein deutlicher Rückgang ist bei der Anlage in Immobilien zu verzeichnen: 2019 betrachteten 36 Prozent der Befragten Immobilien als bevorzugte Anlageform, 2020 sind es nur noch 32 Prozent.