Ratenkauf mit Klarna und Paypal: 86 Prozent höhere Zinskosten als bei einem Bankkredit
Stand: 22.11.2023
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Wer beim Einkaufen zur "Black Week" die bequeme Ratenkauf-Option großer Zahlungsdienste wie Paypal oder Klarna nutzt, muss dafür tief in die Tasche greifen. Nur wenige Klicks braucht es, um Einkäufe über die Zahlungsdienstleister zu finanzieren. Die Ratenkredite von Klarna sind aber um 86 Prozent und die von Paypal um 51 Prozent teurer als ein herkömmlicher Bankkredit. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox.
Klarna-Finanzierung verteuert die Sofagarnitur um knapp 700 Euro
Ein von Verivox durchgeführter Testeinkauf ergab, dass Klarna mit 13,60 Prozent die höchsten Zinsen für eine Ratenfinanzierung mit einer Laufzeit von zwei Jahren verlangt. Bei einem Notebook im Wert von 2.236 Euro summieren sich die Zinskosten bei diesen Bedingungen auf insgesamt 309 Euro. Für die Finanzierung einer Sofagarnitur zum Kaufpreis von 4.999 Euro fallen insgesamt sogar 690 Euro Zinsen an. Paypal bietet mit 10,99 Prozent etwas günstigere Zinsen, was zu Zinskosten von 251 Euro beim Notebook-Kauf führt. Bei den Wohnzimmermöbeln verteuert sich der Einkauf durch die Finanzierungskosten um 561 Euro.
"Mit wenigen Klicks lassen sich eigene Konsumwünsche direkt von der Couch aus per Raten bezahlen. Das ist zwar einfach und bequem, aber unterm Strich teuer. Wer die benötigte Summe mit einem herkömmlichen Ratenkredit finanziert, zahlt deutlich weniger Zinsen", rät Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.
Ratenkredite bis zu 46 Prozent günstiger
Wer im Oktober über Verivox einen Ratenkredit abgeschlossen hat, zahlt dafür im Mittel 7,19 Prozent Zinsen. Auf diese Weise fallen nur insgesamt 166 Euro Zinsen für die Finanzierung des Notebooks an. Das entspricht einer Ersparnis von einem Drittel (34 Prozent) im Vergleich zur Finanzierung über Paypal. Die Gesamtkosten der Zinsen lassen sich gegenüber Klarna sogar um etwa 50 Prozent (46,3 Prozent) reduzieren.
Klarna und Paypal beliebt bei geringen Einkaufsbeträge
Knapp ein Viertel der Befragten nutzen Buy-now-pay-later-Angebote von Klarna oder Paypal und finanzieren ihren Konsum auf Pump. Die Hürden der Anbieter sind hierfür sehr gering. Dabei ist die Bezahlweise vor allem für kleinere Einkäufe beliebt. Acht von zehn Kundinnen und Kunden der Zahlungsdienstleister finanzieren Beträge von 1.000 Euro oder weniger. Die Schufa schreibt dazu in ihrem aktuellem Risiko- und Kreditkompass, dass rund 42 Prozent aller neu abgeschlossenen Ratenkredite mittlerweile Kleinkredite unter 1.000 Euro sind. Besonders junge Menschen bezahlen bequem per Mausklick und schließen damit Kleinstkredite ab. Fast jeder Dritte (32 Prozent) im Alter von 18 bis 39 Jahren bezahlt Einkäufe über Buy-now-pay-later-Spezialisten. Viele parallellaufende Finanzierungen erhöhen allerdings die laufenden Kosten. Konsumenten können dabei schnell den Überblick über die eigenen Finanzen verlieren. Bereits eine misslungene Abbuchung führt zu einem negativen Schufa-Eintrag.
"Viele Konsumenten sind sich nicht bewusst, dass auch Kleinstfinanzierungen über Zahlungsdienstleister wie Klarna und Paypal grundsätzlich einen Kredit darstellen und in der Schufa vermerkt werden", sagt Oliver Maier. "Viele Banken schätzen Kreditinteressierte mit mehreren monatlichen Ratenabbuchungen als weniger kreditwürdig ein. Dadurch haben es Betroffene umso schwerer, bei einem späteren Finanzierungswunsch noch einen Kredit zu erhalten."
Klarna- und Paypal-Kunden kaufen besonders oft auf Pump
Gut ein Fünftel der Kunden von Paypal und Klarna hat bereits sechs Mal oder öfter die Ratenfinanzierung des Anbieters genutzt. Jeder Zehnte hat dies sogar häufiger als zehn Mal getan.
"Bei mehreren gleichzeitig laufenden Finanzierungen ist es ratsam, diese in einem einzigen günstigen Ratenkredit zu bündeln. Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer sparen auf diese Weise Zinsen und behalten gleichzeitig ihre Ausgaben besser im Blick", empfiehlt Oliver Maier.
Methodik
Für die Analyse hat Verivox die angebotenen Finanzierungskonditionen von Klarna und Paypal für zwei Muster-Ratenkäufe mit 24 Monaten Laufzeit recherchiert. Von beiden Zahlungsdiensten wurden die Finanzierungskonditionen für dieselben Produkte erhoben (abgerufen am 08.11.2023). Für die Berechnung wurden Ratenfinanzierungen mit fester Laufzeit und gleichbleibenden Monatsraten gegenübergestellt. Neben dem Ratenkauf, für den Zinsen anfallen, bietet Klarna auch zinsfreie Buy-now-pay-later-Finanzierungen an, die nach Angaben des Anbieters wesentlich häufiger in Anspruch genommen werden.
In die Auswertung flossen sämtliche Ratenkredite ein, die im Oktober 2023 über Verivox abgeschlossen wurden. Ausgewertet wurde der sogenannte Median-Zinssatz. Er ist repräsentativ für Kreditnehmer mit durchschnittlicher Bonität. Die Hälfte aller Verivox-Kundinnen und -Kunden hat ihren Kredit zu diesem Zinssatz oder günstiger abgeschlossen. Alle angegebenen Euro-Beträge sind auf einen ganzen Euro gerundet.
Für die Umfrage im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact im August 2023 insgesamt 1.008 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren online befragt. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.
Gefragt wurde: 1) Haben Sie selbst schon einmal eine oder mehrere der folgenden Ratenfinanzierungen genutzt? Bitte beachten Sie: Es geht bei dieser Frage nur um Konsumfinanzierungen (z.B. von Autos, Möbeln, Reisen oder Kleidung) und nicht um Immobilienkredite. 2) Denken Sie einmal an Ihre BNPL-Finanzierung: Wie hoch war der finanzierte Geldbetrag? 3) Wie oft haben Sie insgesamt eine BNPL-Finanzierung in Anspruch genommen?