Was zahlt die Hausratversicherung bei Einbruch und Diebstahl?

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Der Bewohner einer Wohnung kommt nach Hause und macht eine unschöne Entdeckung – Diebe waren zugange und haben Wertsachen entwendet. Sein Gedanke ist, dass die Hausratversicherung bei Diebstahl bezahlt. Was viele Versicherungsnehmer nicht wissen: Für einen Schadensersatzanspruch gibt es bestimmte Voraussetzungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einbruchdiebstahl und Raub setzen immer Gewaltanwendung oder Androhung voraus.
  • Diebstahl nach Einschleichen durch ein offenes Fenster ist nicht versichert.
  • Die Gefahrenerhöhung durch Gerüste am Haus wird von den Versicherern unterschiedlich eingeschätzt.
  • Unvorsichtige Angaben in sozialen Netzwerken locken Täter an.

Gewaltanwendung immer Voraussetzung für Versicherungsleistung

Ein Diebstahlschaden wird nur ersetzt, wenn dieser mit Gewaltanwendung einhergeht. Einige Versicherer schließen allerdings auch Trickdiebstahl mit ein.

Die Klausel für das versicherte Risiko lautet „Einbruchdiebstahl“. Ein Einbruch setzt ein gewaltsames Eindringen in die Räumlichkeiten voraus, beispielsweise durch Aufhebeln des Fensters oder Aufbrechen des Türschlosses. Damit grenzen die Versicherer ganz deutlich das sogenannte „Einschleichen“ ab.

Dieser Tatbestand liegt vor, wenn der Täter durch ein offenes Fenster oder eine unverschlossene Tür in die Wohnung eindringen konnte. Den Versicherungsnehmer trifft in diesem Fall ganz klar eine sehr grobe Fahrlässigkeit, die keine Leistung mehr vorsieht. Im Zweifelsfall wird der Versicherer einen Gutachter schicken, der Fenster und Türen auf Einbruchspuren überprüfen wird, um festzustellen, ob es sich um Einschleichen oder doch um einen Einbruch handelt.

Versicherungsschutz besteht allerdings auch, wenn der Täter mit dem regulären Wohnungsschlüssel Zutritt zur Wohnung erhält, auch wenn es sich dabei um keinen Wohnungseinbruch handelt. Dieser Sachverhalt kann vorliegen, wenn er den Schlüssel durch Raub an sich brachte. Raub im strafrechtlichen Sinn setzt, wie Einbruch, Gewalt voraus. Die Gewalt oder die Gewaltandrohung richtet sich allerdings direkt gegen das Opfer selbst.

Was ist alles versichert?

Ist der Versicherungsfall gegeben, geht es nicht nur um den Schadensersatz für die gestohlenen Gegenstände. Oftmals ist dieser Verlust geringer als der Schaden, der durch die Einbrecher an Tür oder Einrichtungsgegenständen verursacht wird. Frust über zu wenig Beute wird gerne in Vandalismus umgekehrt. Zerschlagene Bilder oder Weinflaschen sind die Folge.

Die Hausratversicherung übernimmt im Fall eines Einbruchdiebstahls auch alle Kosten, die in Zusammenhang mit dem Einbruch entstehen. Dazu zählen der Austausch des Schlosses, gegebenenfalls der ganzen Tür und die Beseitigung von Vandalismusschäden. Kann die Tür nicht unverzüglich provisorisch geschlossen werden, übernimmt sie auch die Kosten für einen Wachdienst.

Wie sieht es mit geliehenen Sachen bei Diebstahl aus?

Der Schutz der Hausratversicherung im Rahmen der Diebstahlversicherung erstreckt sich auf alle beweglichen Sachen, die sich zum Eintritt des Schadensfalls an der versicherten Adresse befinden. Dazu zählen auch geliehene Sachen, beispielsweise die X-Box vom Nachbarn oder die Digitalkamera von Freunden. Es gibt allerdings eine Beschränkung. Die gestohlenen geliehenen Sachen müssen sich in der Wohnung des Versicherungsnehmers befinden. Die Außenversicherung greift in diesem Fall nicht.

Außengerüste, Anrufbeantworter und andere Gefahrenerhöhungen

Eine Frage im Antrag für eine Hausratversicherung lautet, sofern es sich um eine Wohnung handelt, in welchem Stockwerk sich die Wohnung befindet. Eine Erdgeschosswohnung ist deutlich einbruchgefährdeter als eine Wohnung im dritten Stock. Dieser Sachverhalt kann sich aber schnell relativieren, wenn ein Gerüst aufgestellt wird.

Bezüglich eines Außengerüstes scheiden sich inzwischen die Geister der Versicherer. Einige Gesellschaften verlangen eine unverzügliche Mitteilung, ab wann und für wie lange das Gerüst steht. Andere verlangen diese nur, wenn das Gerüst über einen bestimmten Zeitraum hinaus steht. Es gibt aber auch Versicherer, die ganz darauf verzichten.

Problemfall Urlaub

Einige Versicherer sehen die Nachricht, dass der Bewohner in Urlaub ist, tatsächlich als Risikoerhöhung. Der Passus „Ihren Versicherungsschutz können Sie außerdem verlieren, wenn Sie auf den Anrufbeantworter die Nachricht hinterlassen, dass Sie im Urlaub sind“ findet sich in den Bedingungen eines bekanntermaßen recht konservativen Versicherers, ist aber zum Glück nicht allgemeingültig.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält dennoch an seiner eisernen Regel „Erzähle erst nach dem Urlaub von deinem Urlaub“ als Einbruchschutz im Urlaub fest. Soziale Netzwerke sind ein echter Risikofaktor geworden. Einbruchsopfer müssen sich grobe Fahrlässigkeit unter bestimmten Sachverhalten vorwerfen lassen:

  • Angabe der Adresse in den persönlichen Einstellungen.
  • Profil für jeden sichtbar.
  • Fotos vom Boardingpass.
  • Angabe von An- und Abwesenheit in öffentlichen Postings.

Urlaubsbilder: ja. Details zu wann und wo: nein. Am besten sollte man den Zugriff nur auf den engen Freundeskreis beschränken.

Anders verhält es sich jedoch, wenn ein Ersatzschlüssel außerhalb im Garten aufbewahrt wird, ein besonders bei Einfamilienhäusern immer noch weitverbreitetes Vorgehen. Dass der Versicherungsnehmer in diesem Fall keinen Anspruch auf eine Leistung hat, versteht sich fast von selbst. Die „Verstecke“ sind in der Regel geradezu plump gewählt und für einen erfahrenen Einbrecher leicht zu identifizieren.