Das Tenderverfahren beschreibt zum einen den Weg der Refinanzierung der Kreditinstitute bei der Europäischen Zentralbank, zum anderen ein Zuteilungsverfahren bei der Emission von Wertpapieren. Für Wertpapieremissionen gilt, dass sowohl Anleihen als auch Aktien über das Tenderverfahren am Markt platziert werden können. Die Deutsche Bundesbank setzt diesen Weg bei einer Emission von Bundeswertpapieren ein, die bekannteste Tenderemission bei Aktien war der Börsengang von Google.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Das Tenderverfahren bei der Wertpapieremission
  3. Das Tenderverfahren als Refinanzierungsinstrument
  4. Das Tenderverfahren in der Offenmarktpolitik der EZB
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Jetzt Depots vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Tenderverfahren bei einer Neuemission gleicht einer Auktion.
  • Die Europäische Zentralbank nutzt das Tenderverfahren, um Kreditinstituten die Möglichkeit einzuräumen, sich kurzfristig mit Liquidität zu versorgen.
  • Dabei kommt entweder das Zinstenderverfahren oder das Mengentenderverfahren zum Einsatz.

Das Tenderverfahren bei der Wertpapieremission

Das Tenderverfahren bei einer Neuemission gleicht einer Auktion. Das mit der Emission beauftragte Institut gibt lediglich einen Mindestkurs vor, zu dem ein Wertpapier platziert werden soll. Kaufinteressenten, in der ersten Phase Banken, geben dann ihr Gebot ab, zu dem sie Anteile der Emission übernehmen wollen. Erst nach der Zuteilung, welche vom Höchstbietenden absteigend an den am wenigsten Bietenden erfolgt, werden die Papiere dann nach einer erneuten Kursbildung im Markt platziert, das heißt, Anlegern zugänglich gemacht.

In den USA wird das Tenderverfahren von Aktiengesellschaften auch genutzt, um Aktien wieder zurückzukaufen, so beispielsweise vom Internetunternehmen AOL im Jahr 2012.

Das Tenderverfahren als Refinanzierungsinstrument

Die Europäische Zentralbank nutzt das Tenderverfahren, um Kreditinstituten die Möglichkeit einzuräumen, sich kurzfristig mit Liquidität zu versorgen. Dabei stehen zwei Alternativen zur Auswahl.

Der Zinstender

Kommt das Zinstenderverfahren zum Einsatz, geben die Kreditinstitute vor, zu welchem Zinssatz sie sich refinanzieren möchten. Damit wird der Zins vom Markt geregelt, die Europäische Zentralbank kann in diesem Zusammenhang kein geldpolitisches Signal setzen.

Der Mengentender

Im Zuge des Mengentenderverfahrens gibt die EZB den Zinssatz vor, die Kreditinstitute entscheiden, welches Volumen refinanziert werden soll. Das Mengentenderverfahren eignet sich dazu, geldpolitisch zu intervenieren.

Das Tenderverfahren in der Offenmarktpolitik der EZB

Bei der Offenmarktpolitik handelt es sich um das wichtigste Steuerungsinstrument der Europäischen Zentralbank, um Banken mit liquiden Mitteln zu versorgen. Grundlage dafür sind kurz- bis mittelfristige Kredite, die mit entsprechenden Sicherheiten, Wertpapieren, unterlegt sind. Diese Refinanzierungsgeschäfte, auch als Haupttender bezeichnet, sind klassische Verpfändungsgeschäfte. Längerfristige Refinanzierungen fallen unter den Begriff des Basistenders.

Vorgehensweise

Die Vorgehensweise im Tendergeschäft der EZB berücksichtigt auch die Dauer, die eine Ausschreibung mit anschließender Liquiditätszuteilung in Anspruch nimmt. Der Standardtender benötigt dafür rund 24 Stunden. Im Schnelltenderverfahren vergeht zwischen Ausschreibung und Bereitstellung der Liquidität ein Zeitraum von ein bis zwei Stunden. Diese Vorgehensweise wird in der Regel nicht allen Banken zur Verfügung gestellt, sondern erfolgt fallweise nur mit einigen wenigen Kreditinstituten.

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