Der Zinstender ist eines von zwei Versteigerungsverfahren, die bei offenmarktpolitischen Transaktionen zwischen Zentral- und Geschäftsbanken zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt steht der Ankauf oder Verkauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken im Rahmen eines Auktionsverfahrens. Dazu nennen die Geschäftsbanken nicht nur das gewünschte Volumen, sondern bieten auch einen Zinssatz an, den sie einzugehen bereit sind.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Hintergrund: Bedeutung von Offenmarktgeschäften für die Geldpolitik
  3. Bei welchen Offenmarktgeschäften kommt der Zinstender zum Einsatz?
  4. So funktionieren Tendergeschäfte mit Zinstender
  5. Zuteilung beim Zinstender-Verfahren
  6. Verwandte Themen
  7. Weiterführende Links
  8. Jetzt Depots vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Primär findet das Tenderverfahren im Eurosystem Anwendung, wenn Zentralbanken einzelnen Finanzinstituten Geld zum Erhalt ihrer Liquidität zur Verfügung stellen.
  • Eine Alternative zum Zinstender bietet der Mengentender. Bei diesem Verfahren nennen Banken nur den gewünschten Umfang – der Zinssatz steht fest.
  • Bei Geschäften mit Zinstender erfolgt die Zuteilung im Eurosystem nach dem amerikanischen Verfahren. Das heißt, die Banken erhalten ihr Geld jeweils zu dem Zinssatz, den sie geboten haben.

Hintergrund: Bedeutung von Offenmarktgeschäften für die Geldpolitik

Die Banken des Eurosystems haben einen stetigen Bedarf an Zentralbankgeld. Ausgehend von den Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgen die nationalen Zentralbanken für die Liquidität der jeweiligen Geschäftsbanken. Zudem sind die Banken dazu verpflichtet, immer eine Mindestreserve an Zentralbankgeld vorzuhalten. Diese beträgt derzeit ein Prozent der reservepflichtigen Verbindlichkeiten, zu denen beispielsweise Kundeneinlagen, Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen zählen. Auf diese Weise nimmt das Eurosystem indirekt Einfluss auf die Geschäftsbanken, die von den Zentralbanken abhängig sind. Die Kontrolle über die Leitzinsen sowie die Mindestreserve stellt ein geldpolitisches Instrument dar.

Um das benötigte Geld von den Zentralbanken zu erhalten, können Geschäftsbanken verschiedene Wege einschlagen. Außerhalb von Krisenzeiten sind Offenmarktgeschäfte die Quelle von Zentralbankgeld. Die Banken können bei ihrer Zentralbank einen Kredit aufnehmen oder ihr Wertpapiere verkaufen. Die Geschäfte unterscheiden sich nach Laufzeit, Rhythmus und Verfahren. Folgende Arten von Offenmarktgeschäften gibt es:

  • Hauptfinanzierungsgeschäfte
  • längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
  • Feinsteuerungsoperationen
  • strukturelle Operationen

Bei welchen Offenmarktgeschäften kommt der Zinstender zum Einsatz?

Tendergeschäfte sind nichts Anderes als Versteigerungen. Alle Offenmarktgeschäfte lassen sich per Tender-Verfahren ausführen. Feinsteuerungsoperationen oder strukturelle Operationen können die Banken auch in Form bilateraler Geschäfte vornehmen. Der Zinstender ist eine mögliche Verfahrensweise für Tendergeschäfte, bei der die Banken einander bezüglich der Höhe des Zinssatzes überbieten.

Die zweite gängige Verfahrensweise ist der Mengentender. Hier steht der Zins schon fest, sodass die Banken lediglich die Menge des benötigten Zentralbankgeldes angeben müssen.

So funktionieren Tendergeschäfte mit Zinstender

Bei Tendergeschäften mit Zinstender gibt das Eurosystem in den meisten Fällen vor der Auktion an, wie viel Zentralbankgeld es zu welchem Mindestbietungssatz insgesamt zur Verfügung stellt. Mit der Vorgabe eines Mindestzinses, den die EZB verlangt, setzt sie gleichzeitig geldpolitische Signale. Um berücksichtigt zu werden, müssen die Banken also mindestens den von der Zentralbank vorgegebenen Zins bieten. Je höhere Zinssätze sie wählen, desto größer ist ihre Chance, an der Ausschüttung beteiligt zu werden. Das Gebot erfolgt im Geheimen, sodass die Banken nicht wissen, wie viel ihre Konkurrenten bieten.

Zuteilung beim Zinstender-Verfahren

Im Rahmen des Zinstender-Verfahrens muss die Zentralbank nicht auf einen Zinssatz zugreifen, sondern kann die Tranchen entsprechend der seitens der Banken aufgerufenen Zinssätze auf- und damit zuteilen. Sie bedient zuerst die Banken, die den höchsten Zinssatz geboten haben. Sind deren Tranchen erfüllt, kommen die Banken mit dem nächsthöchsten Zinssatz zum Zug. Das geht so weiter, bis das gesamte Zuteilungsvolumen aufgeteilt ist. Banken mit den niedrigsten der berücksichtigten Zinssätze kann die Zentralbank möglicherweise nur noch anteilig berücksichtigen.

Die Zuteilung bei Geschäften mit Zinstender kann entweder nach dem holländischen Verfahren oder nach dem amerikanischen Verfahren erfolgen. Beim holländischen Verfahren erhalten Geschäftsbanken ihr Zentralbankgeld zu einem einheitlichen Zinssatz; dabei wird dennoch die Bank, die den höchsten Zins bietet, zuerst berücksichtigt. Beim amerikanischen Verfahren erhalten die Banken ihr Geld jeweils zu dem Zinssatz, den sie geboten haben. Dieses Verfahren findet auch im Eurosystem Anwendung.

Nachdem zuvor der Zinstender mit Mindestbietungssatz und begrenztem Zuteilungsvolumen der Regelfall bei Offenmarktgeschäften im Eurosystem gewesen war, ging die EZB in der Folge der Finanz- und Bankenkrise wieder zum Mengentender über.

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