Deutsche Sparer erlitten 2019 über 30 Milliarden Euro Wertverlust

17.01.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

In der anhaltenden Niedrigzinsphase werfen klassische Sparprodukte kaum noch Erträge ab. Die Zinsen liegen meist deutlich unterhalb der Inflationsrate. Gemessen an der Kaufkraft verlieren die Ersparnisse dadurch immer mehr an Wert. Laut einer Analyse der comdirect Bank mussten deutsche Sparer allein 2019 einen Wertverlust von über 30 Milliarden Euro hinnehmen.

Allein 6,6 Milliarden Euro Wertverlust im letzten Quartal

Durch Inflation und Niedrigzinsen mussten die Sparer in Deutschland auch 2019 milliarden­schwere Einbußen bei ihren Ersparnissen hinnehmen. Der Wertverlust betrug in den vergangenen zwölf Monaten 30,3 Milliarden Euro – das sind 365 Euro pro Bundesbürger. Allein im vierten Quartal belief sich der Verlust auf 6,6 Milliarden Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der quartalsweise erscheinende Realzins-Radar, der von der comdirect Bank zusammen mit Barkow Consulting ermittelt wird.

So wird der Realzins berechnet

Der Grund sind Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate. 2019 lagen die Zinssätze für Tagesgeld, Festgeld, Girokonten und Spareinlagen bei durchschnittlich 0,15 Prozent. Die Inflationsrate betrug im Jahresdurchschnitt 1,45 Prozent. Daraus ergibt sich ein Realzins von minus 1,29 Prozent. Der Realzins ist der tatsächliche Zins nach Abzug der Inflation – also der Zins, den die Sparer unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes erzielen.

„Die Ersparnisse verlieren infolge der Inflation schneller an Wert, als sie sich durch die Zinsen vermehren“, sagt Frauke Hegemann, Vorstandsvorsitzende von comdirect. „Die Sparer haben am Ende also etwas mehr auf dem Konto, können sich dafür aber weniger leisten als vorher.“ Die Kombination aus Niedrigzins und Inflation führe zu einem schleichenden Wertverlust der Ersparnisse.

Über 134 Milliarden Euro Wertverlust in 10 Jahren

Besonders drastisch zeigt sich der Wertverlust in der langfristigen Betrachtung. Seit Ende 2010 haben die deutschen Sparer durch Niedrigzins und Inflation bereits 134,6 Milliarden Euro verloren – das sind 1.638 Euro pro Bundesbürger. Dennoch setzen die Deutschen weiterhin auf niedrig verzinste Geldeinlagen. In den letzten 12 Monaten stieg deren Volumen um 121 Milliarden Euro an.

„Rein rechnerisch wurde mehr als jeder dritte Euro, den die Deutschen in Tages- und Festgeld, Spareinlagen und auf Girokonten angelegt haben, von der Inflation aufgezehrt. Es ist daher dringend an der Zeit, das eigene Sparverhalten zu überdenken und stärker auf Wertpapiere für den langfristigen Vermögensaufbau zu setzen“, sagt Frauke Hegemann. Wertpapiersparpläne ab 25 Euro monatlich und digitale Vermögensverwaltungen (Robo-Advisor) böten hierfür gute Einstiege.