In Deutschland fallen jährlich etwa 50 Millionen Zahnfüllungen an. Das Füllmaterial, das die gesetzlichen Krankenkassen zu 100 Prozent bezahlen, ist Amalgam. Ein Material, das Kontroversen zwischen Befürwortern und Gegnern auslöst.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Amalgam: Definition
  3. Nebenwirkungen
  4. Ist eine Amalgam-Vergiftung möglich?
  5. Amalgam-Allergie
  6. Amalgam oder Kunststoff: Vorteile und Nachteile der Füllungen
  7. Amalgam entfernen
  8. Verwandte Themen
  9. Weiterführende Links
  10. Zahnzusatzversicherung - Vergleich der Zahnversicherungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Amalgam für Zahnfüllungen besteht aus einer Legierung von Quecksilber (50 Prozent) mit Kupfer, Silber und Zinn.
  • Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen als Regelleistung bei Zahnsanierungen von Backenzähnen nur die Kosten für Amalgam-Füllungen zu 100 Prozent.
  • Von wissenschaftlicher Seite kann zurzeit kein eindeutiger Beweis dafür vorgelegt werden, dass es tatsächlich zu Amalgam-Vergiftungen kommen kann.
  • Amalgamfüllungen sollten nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen entfernt werden.

Amalgam: Definition

Amalgam: von altgriechisch "malakos" = ‚weich‘ sowie arabisch "al-malḡam" = ‚weich machende Paste‘. Chemisch ist Amalgam eine Legierung mit Quecksilber. In einer Ausweitung des Begriffs werden nicht umzukehrende Stoffmischungen als Amalgam bezeichnet, vorzugsweise Metalllegierungen.

Viele Metalle lösen sich in Quecksilber, daher gibt es eine Vielzahl an Amalgamen. In der Alchemie wurde Quecksilber bei Versuchen, Gold zu erzeugen, verwendet. In alchemistischen Textüberlieferungen ist das mittellateinische Wort "amalgama" ab dem 13. Jahrhundert nachgewiesen.

Amalgam: Zusammensetzung

Amalgam für Zahnfüllungen besteht aus einer Legierung von Quecksilber mit Kupfer, Silber und Zinn. Dabei wird das Legierungspulver, das größtenteils aus den drei feinvermahlenen Metallen besteht, zu gleichen Teilen mit elementarem Quecksilber gemischt. Die fertige Amalgam-Mischung besteht also zu 50 Prozent aus Quecksilber.

Amalgam Nebenwirkungen

Bereits seit über einhundert Jahren wird Amalgam in der Zahnmedizin eingesetzt, es ist damit das am längsten verwendete Zahnfüllungsmaterial. Wegen seines hohen Quecksilber-Anteils wird eine kontroverse Diskussion darüber geführt, ob Amalgam auch in Zukunft einen Platz in der Zahnmedizin haben soll.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ist Quecksilber ein für den Menschen giftiges Schwermetall, das in hoher Dosis tödlich ist. Die Frage bleibt jedoch, ob von Amalgam-Füllungen ein akutes Risiko ausgeht. Sicher ist, dass beim Einsetzen von Zahnfüllungen oder deren Austausch Quecksilber aus Amalgam freigesetzt wird. Auch beim Zähneknirschen, beim Essen oder Kaugummikauen entsteht ein gewisser Abrieb, der in den Körper gelangt. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum können konkrete Nebenwirkungen für Amalgam bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Als mögliche Nebenwirkungen werden diskutiert:

  • Nervenschädigungen
  • chronische Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Depressionen
  • Erhöhung des Krebsrisikos
  • Auslösen von Multipler Sklerose

Ist eine Amalgam-Vergiftung möglich?

So unheimlich es erscheint, sich die Zähne mit einem Material füllen zu lassen, das zur Hälfte aus hochgiftigem Quecksilber besteht, kann von wissenschaftlicher Seite zurzeit kein eindeutiger Beweis dafür vorgelegt werden, dass es tatsächlich zu Amalgam-Vergiftungen kommt.

Doch wenn von Amalgam keine Gefahr ausgeht, wieso hat die EU eine Regelung erlassen, nach der bei Schwangeren und Kindern seit dem 1. Juli 2018 kein Amalgam mehr verwendet werden darf? Amalgam-Befürworter gehen davon aus, dass es nicht um die gesundheitlichen Risiken von Amalgam im Mund geht, sondern darum, eine Quecksilbernutzung einzuschränken. Denn Quecksilber kann bei seiner Verarbeitung, durch Entsorgung und bei Einäscherungen in Krematorien in die Umwelt gelangen – und von hieraus in die Nahrung.

Amalgam-Allergie

Anders als Amalgam-Vergiftungen sind Amalgam-Allergien wissenschaftlich nachgewiesen und werden von den Krankenkassen anerkannt, sie sind aber äußerst selten. Die ausgelöste Reaktion des Immunsystems auf Amalgam besteht in Beeinträchtigungen der Mundschleimhaut. Eine Amalgam-Allergie kann sich beispielsweise durch Brennen und wunde Stellen im Mund äußern, gefolgt von chronischer Entzündung, Weißfärbung und Erosionen. Bestätigt sich der Verdacht auf Amalgam-Allergie, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Amalgamsanierung von Füllungen.

Amalgam oder Kunststoff: Vorteile und Nachteile der Füllungen

Amalgam: ist ein preiswertes, leicht zu verarbeitendes, sehr stabiles Material, das sich bei der Verarbeitung ausdehnt, dadurch auch in die kleinsten Fugen eindringt und die Füllung sehr dicht abschließt. Den Belastungen beim Kauen hält es sehr gut stand. Allerdings ist umstritten, ob Amalgam-Füllungen wegen des 50-prozentigen Gehalts des Schwermetalls Quecksilber gesundheitliche Risiken in sich bergen oder nicht. Darüber hinaus sind die silbrigen Füllungen optisch nicht besonders ansprechend und deutlich als Zahnersatz zu erkennen. Amalgam-Füllungen sind etwa acht Jahre haltbar.

Kunststoff: Reine Kunststoff-Füllungen können gut an die Zahnfarbe angepasst werden, neigen aber dazu, sich mit der Zeit zu verfärben und relativ schnell abzunutzen. Weil sie nicht sehr dicht abschließen, besteht die Gefahr, dass sich mit der Zeit am Füllungsrand Karies bildet. Dieses Risiko kann durch eine aufwendigere Verarbeitung in mehreren Schritten aufgefangen werden, dadurch wird das Verfahren aber auch teurer. Kunststoff-Füllungen halten circa drei bis fünf Jahre.

Komposite aus etwa 80 Prozent Keramik-Pulver und 20 Prozent Kunststoff sind sehr stabil, verfärben sich nicht leicht und ähneln im Aussehen stark natürlichem Zahnmaterial. Komposite-Füllungen müssen ebenso wie reine Kunststofffüllungen in mehreren Schichten aufgetragen werden, weshalb die Kosten hier höher liegen als bei Amalgam. Füllungen mit Kunststoff-Keramik-Mischungen halten mindestens acht Jahre.

Welche Zahnfüllungen werden von der Krankenkasse übernommen?

Für die gesetzlichen Krankenkassen sind die günstigen Amalgamfüllungen die Regelleistung bei Zahnsanierungen, die zu 100 Prozent übernommen werden. Die teureren Kunststoff- oder Komposite-Füllungen werden nur im Bereich der Frontzähne von der Kasse bezahlt.

Für den hinteren Backenzahnbereich übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherer Nicht-Amalgam-Füllungen nur bei Schwangeren und Kindern unter 18 Jahren sowie bei Amalgam-Allergie oder schwerer Niereninsuffizienz. Die Amalgamsanierung intakter Füllungen übernimmt die Krankenkasse nur bei der seltenen Amalgam-Allergie.

Amalgam entfernen beziehungsweise ausleiten

Laut einer Expertenkommission des Berliner Robert Koch-Instituts sollten Amalgamfüllungen nur unter speziellen Vorsichtsmaßnahmen entfernt werden, weil dabei Quecksilber freigesetzt werden kann. Dazu zählen Nebel- und Speichelsauger und eine Wasserspraykühlung, die verhindert, dass sich das Amalgam beim Bohren erhitzt. Am besten sollte der Zahnarzt das Amalgam möglichst ohne Bohren entfernen und die Abfälle vorschriftsmäßig entsorgen. Andere Experten fordern sogar Schutzmasken für Zahnarzt, Helfer und Patienten. Schwangere oder stillende Frauen sollten auf eine Entfernung von Amalgamfüllungen verzichten.

Bei einer vorbereitenden Ausleitungstherapie werden dem Patienten hochdosierte Vitamine, Vitalstoffe und Spurenelemente zur Unterstützung injiziert.

Schon gewusst...?

Kassenpatienten, die aus optischen Gründen oder weil sie dem Quecksilber in der Amalgamfüllung nicht trauen, zum Beispiel alternativ Komposite-Füllungen bevorzugen, müssen diese entweder selbst bezahlen oder über eine Zahnzusatzversicherung absichern. Diese übernimmt Komposite-Füllungen oder Inlays zu 100 Prozent und das für günstige Monatsbeiträge. Mehr dazu...

Zahnzusatzversicherung - Vergleich der Zahnversicherungen

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