Zinsen aktuell: EZB und Zinsen – vorsichtige Zeichen der Entspannung

26.10.2017 | 08:30

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird das Volumen ihrer Anleihekäufe ab Januar 2018 um die Hälfte auf nur noch 30 Milliarden Euro reduzieren – ein zaghafter Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Aber erst, wenn das Anleihekaufprogramm endet, werde auch der Leitzins steigen – so hat es Mario Draghi wiederholt erklärt. Damit ist aber wohl erst gegen Ende 2019 zu rechnen.

Kommentar von Christoph Jennen, Geschäftsführer der Verivox GmbH

„Vom Ende der Niedrigzinsphase kann auch nach dem heutigen Zinsentscheid der EZB nicht die Rede sein. Der durchschnittliche Zins beim Tagesgeld liegt mit 0,05 Prozent nur unwesentlich über seinem Allzeit-Tief. Einen spürbaren Anstieg erwarte ich mittelfristig nicht.

Langfristig rechnen die Märkte mit steigenden Zinsen

Doch auf lange Sicht führt an steigenden Zinsen kein Weg vorbei. Der Markt gibt erste Signale in dieser Richtung. Das zeigt ein Blick auf die Zinsentwicklung bei 10-jährigen Festgeldern. Seit einem Jahr steigt der Durchschnittszins hier wieder – von 0,53 Prozent im November 2016 auf heute 0,67 Prozent. Verivox hat dafür die Konditionen von 385 Banken und Sparkassen ausgewertet. Der Anstieg bewegt sich zwar auf niedrigem Niveau, aber er erwies sich in den letzten Monaten als robust.

Eine ähnliche Zinsentwicklung ist bei Baukrediten zu beobachten: Innerhalb eines Jahres sind die durchschnittlichen Effektivzinsen für Baukredite von 1,66 Prozent auf 1,98 Prozent gestiegen. Das zeigen die Zahlen der Bundesbank vom August 2017 für Baufinanzierungen mit über 10 Jahren Laufzeit.

Das Jammertal niedriger Zinsen ist noch nicht durchschritten

Es ist noch ein weiter Weg, bis Tagesgeld- und kurzfristige Festgeldanlagen wieder einträgliche Zinsen bringen. Aktuell wiegen selbst die besten 2-jährigen Festgeld-Angebote mit 1,51 Prozent Zinsen die Inflation (1,8 Prozent) nicht auf. Doch immerhin mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Zinsflaute endlich ist."