Umschuldungen in Deutschland: Im Norden häufig, im Süden hoch

02.05.2019 | 17:24

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Das Dauer-Zinstief kennt nicht nur Verlierer. Für Kreditnehmer eröffnen sich durch die niedrigen Zinsen lukrative Sparpotenziale. Bei einer durchschnittlichen Umschuldung können Verbraucher rund 1.900 Euro sparen. Die Verivox-Analyse zeigt: In den südlichen Bundesländern wie dem Saarland, Bayern oder Baden-Württemberg ist der Finanzbedarf pro Umschuldung besonders hoch, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein beantragen die Verbraucher besonders häufig Umschuldungsdarlehen.

Saarländer wollen die höchsten Summen umschulden

Nirgendwo beantragen Verbraucher so hohe Umschuldungskredite wie im Saarland. Mit durchschnittlich 26.769 Euro ist der Kreditbedarf pro Umschuldung hier am höchsten. Das geht aus einer Analyse sämtlicher Umschuldungskredite hervor, die 2018 über Verivox beantragt wurden.

Überdurchschnittlich hoch sind die beantragten Umschuldungen auch in Sachsen-Anhalt (26.178 Euro), Bayern (26.154 Euro) und Baden-Württemberg (25.795 Euro). Im bundesweiten Durchschnitt lag der Kreditbedarf für Umschuldungen bei 24.441 Euro. Mit deutlich niedrigeren Beträgen kamen die Kreditnehmer in Sachsen (22.469 Euro), Bremen (23.138 Euro) und Berlin (23.282 Euro) aus.

Höhe der Einkünfte: Ein Faktor bei der Kreditaufnahme

Das höhere Durchschnittseinkommen im Süden schlägt sich auch in der Kreditstatistik nieder. „Verbraucher mit hohen Einkommen finanzieren ihre Konsumwünsche seltener über einen Kredit“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Wenn aber doch, dann können sie sich wegen ihrer guten Bonität vergleichsweise hohe Summen leihen.“

Niedersachsen und Schleswig-Holsteiner wollen am häufigsten umschulden

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl werden in Bayern 14 Prozent seltener Umschuldungskredite beantragt als im Bundesdurchschnitt (Indexwert 100). Noch seltener machen nur Hamburger (Indexwert 82) und Sachsen (83) von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Am häufigsten wollen Kreditnehmer in Niedersachsen und Schleswig-Holstein bestehende Darlehen umschulden – jeweils 14 Prozent häufiger als der Bundesdurchschnitt. Auch die Verbraucher in Nordrhein-Westfalen (Indexwert 113) und Rheinland-Pfalz (112) nutzen diese Möglichkeit besonders häufig.

Mit der Kreditablösung fast 1.900 Euro sparen

„Im anhaltenden Zinstief ist die vorzeitige Ablösung laufender Kreditpflichten mit einem Darlehen zum aktuellen Marktzins fast immer eine kluge Entscheidung“, sagt Oliver Maier. „In unserer Beratungspraxis stellen wir fest, dass sich die Umschuldung in fast allen Fällen für den Kreditnehmer auszahlt.“

„Zwar darf die alte Bank in einigen Fällen bei einer vorzeitigen Rückzahlung des Darlehens eine Entschädigung für ihre entgangenen Zinseinnahmen verlangen. Die Höhe der sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung ist aber gesetzlich gedeckelt“, erklärt Maier. „Im ungünstigsten Fall erhält die Bank 1 Prozent der noch ausstehenden Kreditschuld.“ Viele Kreditverträge erlauben kostenlose Sondertilgungen in beliebiger Höhe. Dann müssen Kreditnehmer für die vorzeitige Rückzahlung überhaupt keine Entschädigung zahlen.

Wie groß das Sparpotenzial einer typischen Umschuldung ist, verdeutlicht eine einfache Beispielrechnung: Laut Bundesbank mussten Verbraucher im April 2016 für einen Kredit mit mehr als 5 Jahren Laufzeit im Schnitt 7,16 Prozent Zinsen zahlen. Heute – drei Jahre später – gibt es einen Umschuldungskredit in durchschnittlicher Höhe (24.441 Euro) bei den günstigsten Banken zu einem Zwei-Drittel-Zins von 2,92 Prozent. Zwei Drittel aller Kunden der Bank erhalten diesen oder einen noch günstigeren Zins. Selbst wenn die alte Bank die höchstmögliche Vorfälligkeitsentschädigung verlangen darf, würden Kreditnehmer mit der Umschuldung immer noch 1.874 Euro sparen.

Methodik

In die Auswertung flossen alle Ratenkredite mit dem Verwendungszweck „Umschuldung/Kreditablösung“ ein, die 2018 über Verivox beantragt wurden. Für die Berechnung der Häufigkeit wurde die Anzahl der Kreditanfragen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl des jeweiligen Bundeslandes gesetzt. Daraus ergibt sich ein Index, in dem der Wert 100 für den Bundesdurchschnitt steht.