Eigenes Auto oder Mietwagen – was rechnet sich?

13.02.2017 | 17:48

Heidelberg. Angebote für Carsharing nehmen zu. Während sich für Familien das eigene Auto auch aus Kostengründen weiterhin lohnt, fahren Singles oft günstiger ohne eigenes Auto. Denn eine Untersuchung der Tarifexperten von Verivox zeigt: Mit einer Kombination aus Mietwagen, öffentlichem Nahverkehr, Carsharing und Rad sinken die Kosten teilweise erheblich.

Das eigene Auto – für Familien sinnvoll, Singles mieten besser

Modellfall 1 ist eine Berliner Familie mit 2 Kindern. Die Eltern nutzen den Familien- und den Zweitwagen (4 und 8 Jahre alt) für den täglichen Weg zur Arbeit, für Ausflüge und Erledigungen und im Urlaub. Im Jahr summieren sich die Kosten auf gut 6.586 Euro. Besonders stark fällt der Wertverlust der beiden Autos mit 2.726 Euro ins Gewicht. Steigt die Familie stattdessen auf Mietwagen, den öffentlichen Nahverkehr und Carsharing um, zahlt sie jährlich rund 6.370 Euro. Zwar gehen Sprit- und Werkstattkosten stark zurück, die Mietwagenkosten summieren sich hingegen auf über 3.000 Euro. Am Ende sind die eigenen Autos nur um 216 Euro teurer – bei höherem Komfort.

Modellfall 2 ist ein Single in Berlin: Setzt er auf Mietwagen, ÖPNV, Carsharing, den Fernbus und fährt obendrein gelegentlich mit dem Rad, kostet ihn das im Jahr rund 2.548 Euro. Bestreitet er all seine Fahrten mit einem eigenen Auto (4 Jahre), klettern die jährlichen Ausgaben auf 3.831 Euro. Würde er als Autobesitzer statt des Gebrauchten einen Neuwagen fahren, wachsen die Kosten sogar auf 4.681 Euro. Neuwagen benötigen zwar weniger Wartung, dafür ist der Wertverlust besonders hoch.

Ein Faktor sorgt für den großen Unterschied zum Auto. Der Single verzichtet im Modellfall bei einigen Wochenendausflügen auf den Mietwagen und fährt stattdessen mit dem günstigeren Fernbus. Das kann er deutlich leichter als eine 4-köpfige Familie.

„In Großstädten ist die Kombination aus Mietwagen, öffentlichem Nahverkehr, Carsharing und dem Rad oft eine Alternative“, sagt Christian Schiele, Leiter des Bereiches Auto bei Verivox. „Kritisch wird es überall, wo die Verbindungen im ÖPNV schlecht sind. Wer beispielsweise die Tochter regelmäßig zum Reitunterricht über Land fährt, kommt nicht ohne Auto aus.“

Wer flexibles Car-Sharing (ohne feste Abholstationen) in Großstädten und Ballungszentren nutzen kann, dem fällt der Abschied vom eigenen Auto ebenfalls leichter. In vielen Zentren kommen hohe Kosten fürs Parken mit dem eigenen Auto als Ärgernis für Autofahrer hinzu oder das Problem, überhaupt keinen Parkplatz zu finden.

Unterschiede zwischen Großstadt und Land

In Metropolen spielt das eigene Auto deshalb eine geringere Rolle. Laut Kraftfahrtbundesamt hat in Berlin nur jeder Dritte ein Auto, im Bundesdurchschnitt sind es fast 50 Prozent. In Brandenburg sind zum Beispiel mit rund 1,37 Millionen Autos 200.000 mehr zu gelassen als in Berlin. Zugleich hat Brandenburg rund eine Millionen Einwohner weniger als die Bundeshauptstadt.

Methodik

Die jährlichen Kosten für die Familie mit dem eigenen Auto setzen sich aus einem vier Jahre alten VW Touran 2.0 TDI und einem acht Jahre alten Opel Astra-H CC 1.4 zusammen. Beim Single ist es ein vier Jahre alter Skoda Octavia 2.0 TDI. Für alle drei Fahrzeuge wurden Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer, Benzin und Werkstattkosten berechnet. Der Wertverlust wurde nach 5 Jahren Haltedauer ermittelt und auf ein Jahr heruntergerechnet. Für einen Teil der Berechnungen wurden Daten des ADAC genutzt.