Deutsche surfen mehr als doppelt so schnell wie vor drei Jahren

20.12.2019

Text: Verivox

Heidelberg. In Deutschland surfen Internetkunden heute mehr als doppelt so schnell wie 2016. Die Tempolücke zwischen Stadt und Land hat sich seither jedoch nicht geschlossen – in der Mehrzahl der Bundesländer ist sie sogar gewachsen. Das zeigt die aktuelle Breitband-Studie von Verivox.

Highspeed-Gürtel im Südwesten

Die schnellsten Surfer wohnen im deutschen Südwesten: Mannheimer und Stuttgarter buchten 2019 im Schnitt über 140 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Hohe Geschwindigkeiten sind auch in Karlsruhe (136 Mbit/s) sowie Düsseldorf (132 Mbit/s) und Wiesbaden (130 Mbit/s) zu verzeichnen.

Auch in ländlichen Regionen sind Verbraucher in Baden-Württemberg am besten dran: Die dort im Schnitt gebuchten 127 Mbit/s toppen zum Beispiel den Speed der Hauptstadt Berlin um 28 Prozent.

Bundesweit liegt die gebuchte Durchschnittsgeschwindigkeit bei 104 Mbit/s. Vor drei Jahren betrug sie gerade einmal 47 Mbit/s; das entspricht einer Steigerung von 121 Prozent.

Rang (2019) Stadt Speed 2019 (Mbit/s) Speed 2016 (Mbit/s) Rang (2016)
1 ↑ Mannheim 144 69 2
2 ↑ Stuttgart 140 66 6
3 ↓ Karlsruhe 136 71 1
4 Düsseldorf 132 68 4
5 ↓ Wiesbaden 130 69 3
20 ↑ Nürnberg 89 40 23
21 München 88 41 21
22 Dresden 87 41 22
23 ↑ Magdeburg 85 37 25
24 ↓ Potsdam 84 41 20
25 ↓ Erfurt 84 39 24

Großer Temporückstand im Osten

Internetkunden im Osten surfen dagegen um bis zu 60 Mbit/s langsamer als Spitzenreiter Mannheim. Die vier Großstädte mit dem höchsten Temporückstand sind Potsdam und Erfurt mit 84 Mbit/s, Magdeburg mit 85 Mbit/s sowie Dresden mit 87 Mbit/s. Auch der Südosten bleibt beim Speed zurück – Bayerns Hauptstadt München liegt mit 88 Mbit/s abgeschlagen auf Platz 21, Nürnberg auf Platz 20 (89 Mbit/s).

Den höchsten Speed-Zuwachs im Vergleich zu 2016 verzeichnen Mannheim und Stuttgart mit 75 Mbit/s, den niedrigsten Potsdam mit 43 und Erfurt mit 44 Mbit/s.

Kluft zwischen Stadt und Land wächst weiter

Vom generellen Tempoanstieg profitieren Großstädter ungleich stärker als Verbraucher aus ländlichen Regionen. Die Tempolücke zwischen Großstädten und kleineren Städten hat sich in 9 der 13 Flächenländer verschärft. In Sachsen-Anhalt stieg sie am stärksten (160 Prozent); nur in Hessen, Bayern und Thüringen fällt die Lücke geringer aus als 2016.

Rang Bundesland Tempolücke 2019 (Mbit/s) Tempolücke 2016 (Mbit/s) Zuwachs Tempolücke (%)
1 Sachsen 29 17 71
2 Mecklenburg-Vorpommern 24 11 118
3 Rheinland-Pfalz 15 10 50
4 Brandenburg 15 9 67
5 Hessen 13 14 -7
6 Baden-Württemberg 13 10 30
7 Nordrhein-Westfalen 13 12 8
8 Sachsen-Anhalt 13 5 160
9 Saarland 12 9 33
10 Niedersachsen 9 7 29
11 Schleswig-Holstein 9 9 0
12 Thüringen 5 13 -62
13 Bayern 4 5 -20

„Die Kluft zwischen gut ausgebauten Großstädten und schlechter versorgten ländlichen Regionen sollte geringer werden und nicht größer,“ sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Eugen Ensinger. „Anschlüsse auf dem Land sind oft nicht nur langsamer, sondern auch teurer. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2025 flächendeckend eine gigabitfähige Infrastruktur zu schaffen, ist angesichts der nach wie vor großen Versorgungsunterschiede mehr als ambitioniert.“

Methodik

Analysiert wurden die 2016 und 2019 von Januar bis Oktober über Verivox abgeschlossenen Privatkundentarife für stationäres Internet in 25 Großstädten Deutschlands. Für die Durchschnitts-Geschwindigkeiten in den 13 Bundesländern (ohne Stadtstaaten) wurden Tarifabschlüsse in Städten über 100.000 Einwohner und unter 100.000 Einwohner ausgewertet.

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