Abschaffung von Call-by-Call und Preselection könnte Kunden 350 Millionen Euro kosten

31.01.2013 | 12:57

Heidelberg. Bislang ist die Deutsche Telekom dazu verpflichtet, Call-by-Call und Preselection an ihren Anschlüssen zu ermöglichen. Mit diesen Sparvorwahlen können Telekom-Kunden unter anderem bei Gesprächen ins Ausland deutlich günstiger telefonieren. Doch dies könnte sich künftig ändern – zu Lasten der Verbraucher.

Die Monopolkommission schreibt in einem Gutachten zur Wettbewerbsentwicklung der Telekommunikationsmärkte an die Bundesnetzagentur, dass es angesichts der sinkenden Bedeutung der Betreibervorauswahl, sprich Call-by-Call und Preselection, fraglich sei, ob die Verpflichtung der Deutschen Telekom fortbestehen soll.

Laut einer Schätzung des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) wird die Betreibervorauswahl jedoch noch immer rege genutzt: Tag für Tag werden etwa 48 Millionen Gesprächsminuten via Call-by-Call und Preselection geführt.

„Selbst bei einer sehr konservativ geschätzten Ersparnis von zwei Cent pro Minute in alle Destinationen würde eine Abschaffung von Call-by-Call die deutschen Verbraucher jährlich 350 Millionen Euro kosten“, erklärt Verivox-Telekommunikationsexperte Christof Zinkgräf.

Wettbewerber und Kabelanbieter teurer als Telekom

Eine Stichprobe zeigt weiter, dass die Gebühren für Auslandsgespräche bei den Wettbewerbern und Kabelanbietern deutlich teurer sind als bei der Deutschen Telekom.

Während die Telekom für Auslandsgespräche je nach Destination zwischen 2,90 Cent und 99 Cent je Minute verlangt, werden beispielsweise bei Vodafone zwischen 4,50 Cent und 1,50 Euro, bei O2 zwischen 7,90 Cent und 1,29 Euro fällig. Doch nicht nur die Telekom-Wettbewerber sind bei Auslandsgesprächen deutlich teurer, sondern auch die Kabelanbieter: Beispielsweise berechnet Unitymedia zwischen 7,90 Cent und 1,19 Euro je Gesprächsminute.

Der Grund dafür ist, dass die Wettbewerber wie auch die Kabelanbieter im Gegensatz zur Deutschen Telekom nicht in Konkurrenz zu Call-by-Call- und Preselection-Anbietern stehen, da nur mit einem Telekom-Anschluss die Betreibervorauswahl möglich ist.

„Mehr Wettbewerb würde die Gebühren für Auslandsgespräche senken. Verbraucher würden davon profitieren, wenn Call-by-Call und Preselection auch bei den Kabelanbietern und Telekom-Wettbewerbern möglich wäre“, sagt der Telekommunikationsexperte Zinkgräf.