630 Stromanbieter wollen Strompreise erhöhen

19.12.2006 | 12:30

Laut Auskunft der zuständigen Wirtschafts- und Umweltministerien liegen bundesweit ca. 630 Anträge auf Erhöhung der Grundversorgungstarife für das Jahr 2007 vor. Bei 882 in Frage kommenden Stromversorgern bedeutet dies, dass etwa drei Viertel der Unternehmen die Strompreise um mehr als die neue Mehrwertsteuer erhöhen wollen.

Die Strompreise für das kommende Jahr werden vor allem durch drei Faktoren beeinflusst:

- Die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent

- Die Senkung der Netznutzungsentgelte

- Höhere Beschaffungspreise

Die gestiegenen Beschaffungskosten dienen den meisten Energieversorgungsunternehmen (EVU) als Argument bei den Anträgen auf Strompreiserhöhungen. Anträge sind in fast allen Bundesländern, außer in Schleswig-Holstein sowie Berlin und Hamburg eingegangen.

Die Situation in den einzelnen Bundesländern stellt sich folgendermaßen dar: Im Saarland haben zwar alle siebzehn genehmigungspflichtigen EVU Anträge zum 1. Januar eingereicht, doch wurden laut Auskunft des zuständigen Referenten Erhöhungen nicht zum Jahresanfang, sondern zum 1. April 2007 bewilligt. Genehmigt wurden 0,46 Nettocent pro Kilowattstunde.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden die Anträge auf Strompreiserhöhung für das Jahr 2006 erst zum 1.12.2006 bewilligt, so dass sich der Netto- Arbeitspreis der Tarife im Jahr 2007 nicht erhöht. Hier wird "nur” die Mehrwertsteuererhöhung weitergegeben.

Von insgesamt 39 Energieunternehmen in Sachsen erhöhen 38 zum neuen Jahr ihre Strompreise in der Grundversorgung - im Durchschnitt um 8,7 Prozent. Allerdings dürfen 34 Unternehmen ihre Preise nicht in der beabsichtigten Höhe anheben.

Die Ministerien in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen, Bremen und Brandenburg sowie die Bezirksregierungen von Unterfranken und Niederbayern haben bisher noch keine Bescheide erlassen. Hier machen die Aufsichtsbehörden die Prüfung mehrheitlich von dem Vorliegen der genehmigten Netznutzungsentgelte abhängig.

Darüber hinaus gehend werden in Bayern Anträge von den Bezirksregierungen von Oberbayern, Schwaben, Mittelfranken, Oberfranken sowie der Oberpfalz bearbeitet. Die Regierung von Oberbayern gab an, dass 90 Prozent der Versorger eine Preiserhöhung beantragt hätten und diese aller Wahrscheinlichkeit nach auch zum 1. Januar 2007 bewilligt würden. Die Regierung von Schwaben teilte mit, dass zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 15. Dezember 2006) sechs Erhöhungen sowie vier Absenkungen der Grundversorgungstarife genehmigt worden sind. Bei sieben Anbietern bleibt der Preis stabil, weitere sieben Anträge sind in der Bearbeitung. In Mittelfranken (42 EVU) und Oberfranken (25 EVU) wurden mit den EVU aufgrund der gesenkten Netznutzungsentgelte Strompreis-Stabilitätslösungen bis Ende 2008 vereinbart. Zehn Versorger mussten jedoch in Mittelfranken eine Absenkung der beantragten Tarife akzeptieren. Die Regierung der Oberpfalz stimmte bei vier von fünfzehn Anbietern einer Erhöhung zu. Die Erhöhungen bewegen sich unter 0,4 Nettocent pro Kilowattstunde.

Eine besondere Situation ergibt sich in Baden-Württemberg: in diesem Bundesland haben die Versorger nur eine Anzeigepflicht gegenüber dem Ministerium. Bisher haben von den insgesamt 138 Unternehmen etwa 75 Prozent (ca. 100) eine Preiserhöhung angezeigt – 50 Anbieter geben dabei nicht nur die Mehrwertsteuererhöhung weiter, sondern erhöhen auch die Nettopreise.

Weit fortgeschritten mit der Genehmigung bzw. Ablehnung der Anträge ist das Wirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen. Von 117 Energieversorgern haben 114 eine Preiserhöhung beantragt, bisher wurden 94 davon positiv bewilligt.

Die Stromkunden in Rheinland-Pfalz müssen sich zum 1. Januar auf durchschnittlich fünfprozentige Preiserhöhungen einstellen. Das Wirtschaftsministerium in Mainz will den Stromversorgern im Schnitt Erhöhungen von 0,9 Cent pro Kilowattstunde genehmigen. Eine Erhöhung haben 64 der 65 Energieversorger beantragt.

In Niedersachsen haben von 68 genehmigungspflichtigen Versorgern 56 eine Erhöhung beantragt. Diese liegen bei durchschnittlich 11,2 Prozent. Bewilligt wurden sie bisher jedoch noch nicht.

Zu konstatieren bleibt, dass sich die Preisspirale weiter dreht und in nächster Zeit trotz verminderter Netzentgelte keine Senkungen der Strompreise zu erwarten sind. Diese werden durch die höheren Beschaffungskosten für Strom mindestens egalisiert. So bleibt dem Verbraucher bei einer Anhebung der Strompreise nur eins: Sich zu informieren und den Anbieter zu wechseln.