Das heute bekannte, sogenannte Begleitete Fahren (auch „Führerschein mit 17“ genannt) ist zurückzuführen auf einen Modellversuch des Bundeslandes Niedersachsen, der im April 2004 startete. Dieser Modellversuch, initiiert insbesondere vom damaligen Verkehrsminister Walter Hirche, stieß anfangs auf heftige Kritik von Seiten unterschiedlicher Interessengruppen. Man befürchtete gar, die gesamte Verkehrssicherheit in Deutschland sei hochgradig gefährdet. Dennoch setzte sich das Modell auch bundesweit durch, so dass Jugendliche heute schon mit 17 Jahren die Möglichkeit haben, im Zuge einer Sonderregelung am öffentlichen Straßenverkehr mit einem Kraftfahrzeug teilzunehmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 30. April 2004 startete das Land Niedersachsen den Modellversuch für begleitetes Fahren.
  • Für das Begleitete Fahren muss der Teilnehmer eine theoretische und eine praktische Prüfung absolvieren.
  • Hat der Teilnehmer das 18. Lebensjahr vollendet, kann er seine Prüfbescheinigung bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde gegen den regulären Führerschein eintauschen.

Der Modellversuch in Niedersachsen

Am 30. April 2004 startete das Land Niedersachsen den bereits angesprochenen Modellversuch. Die Bedingungen während dieses Modellversuchs wichen allerdings von den heutigen Regularien für das Begleitete Fahren deutlich ab. So durften damals ausschließlich Erziehungsberechtigte als Begleitpersonen fungieren, dafür mussten diese nicht zwingend über einen eigenen Führerschein verfügen. Auch die Null-Promille-Regelung für die Begleitperson gab es damals noch nicht, theoretisch konnte der Begleiter also sogar unter Alkoholeinfluss stehen.

Die einzig weitere Bedingung für die Teilnahme am Modellversuch war, dass die Teilnehmer ihre Daten für eine Auswertung hinsichtlich der gesammelten Punkte (in Flensburg), eventueller Unfälle etc. während der Probezeit zur Verfügung stellen. Die Auswertung übernahm eine speziell dafür eingerichtete Forschungsgruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Die Ergebnisse des ersten Modellversuchs

Von großem Interesse für die Forschungsgruppe war insbesondere, ob die Teilnehmer in der auf den Modellversuch folgenden Probezeit mehr oder weniger Unfälle und Verkehrsverstöße verursachten als andere Fahranfängern, die regulär mit 18 Jahren ihren Führerschein machten. Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Die Teilnehmer am Modellversuch „Begleitetes Fahren“ begingen insgesamt 22,7 Prozent weniger Verkehrsverstöße und verursachten in ihrer Probezeit 28,5 Prozent weniger Unfälle als die Fahranfänger in der Kontrollgruppe. Somit konnte der Modellversuch als voller Erfolg gewertet werden.

Die gesetzlichen Grundlagen werden geschaffen

Im Jahr 2005 stimmte der Bundesrat einem Gesetzesentwurf zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes zu, mit dem eine bundeseinheitliche Regelung für das Begleitete Fahren ab 17 Jahren möglich wurde. Anschließend wurde es jedem Bundesland freigestellt, die neuen Möglichkeiten anzuwenden oder bei der bisherigen Lösung zu bleiben. Als erstes Bundesland übernahm Niedersachsen am 1. März 2006 das Begleitete Fahren, nach und nach folgten dann die anderen Bundesländer. Am 1. Januar 2008 führte Baden-Württemberg als letztes Bundesland in Deutschland die neue Regelung ebenfalls ein.

Zunächst befristete man das Begleitete Fahren bis zum 1. August 2010. Nachdem der damalige Bundesverkehrsminister Ramsauer bereits vor Ablauf der Frist ankündigte, das Begleitete Fahren auch unbefristet weiterführen zu wollen, stimmte der Bundestag am 17. Juni 2010 der Regelung in Form eines Dauerrechts zu. Der entsprechende Beschluss trat am 1. Januar 2011 in Kraft.

Regeln und Vorschriften für das Begleitete Fahren

Die heutigen Regeln und Vorschriften für das Begleitete Fahren unterscheiden sich von jenen der Anfangszeit recht deutlich. So muss die Begleitperson beispielsweise heute kein Erziehungsberechtigter mehr sein. Dafür muss sie seit mindestens fünf Jahren im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein und das 30. Lebensjahr vollendet haben. Außerdem ist vorgeschrieben, dass die Begleitperson nicht mehr als einen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg haben darf.

Grundsätzlich muss das Begleitete Fahren schriftlich beantragt werden. In diesem Zuge müssen auch sämtliche Begleitpersonen namentlich genannt werden. Außerdem muss jede Begleitperson ihr Einverständnis erklären. Vorgeschrieben ist weiterhin, dass die Begleitperson bezüglich des Alkoholgenusses die 0,5-Promille-Grenze nicht erreichen darf. Im Gegensatz zu einem Fahrlehrer darf sie auch nicht in die Bedienung des Fahrzeugs eingreifen.

Die Prüfungsbescheinigung

Für das Begleitete Fahren muss der Teilnehmer eine theoretische und eine praktische Prüfung absolvieren. Dabei kann die theoretische Prüfung frühestens drei Monate vor Vollendung des 17. Lebensjahres abgelegt werden, die praktische Prüfung einen Monat davor. Nach erfolgreich bestandenen Prüfungen erhält der Teilnehmer eine Prüfbescheinigung für das Fahren mit Begleitperson in der Bundesrepublik Deutschland. Im Ausland darf also mit dieser Prüfbescheinigung nicht gefahren werden, mit Ausnahme von Österreich, wo die deutsche Prüfbescheinigung ebenfalls akzeptiert wird.