Ein Referenzzinssatz bestimmt die Veränderungen von zinsvariablen Vertragsgeschäften. Zu solchen Finanzprodukten gehören vor allem Sparanlagen, aber auch manche Kredite. Wichtig ist, dass der Referenzzinssatz von keiner der beiden Vertragsparteien beeinflusst werden kann, sondern von einer neutralen Instanz vorgegeben wird. Ändert sich der Referenzzinssatz, ändert sich auch der Zinssatz der Sparanlage oder des Kredits.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Welche Referenzzinssätze gibt es?
  3. Referenzzinssatz und Sparanlagen
  4. Referenzzinssatz und Kredite
  5. Was sind die Vorteile des Referenzzinssatzes?
  6. Verwandte Themen
  7. Weiterführende Links
  8. Festgeldangebote vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Sparer profitieren von einem steigenden Referenzzinssatz, da die Bank ihnen auf ihr Sparguthaben mehr Zinsen gutschreibt, Kreditnehmer von einem fallenden, denn sie müssen ihr Darlehen mit weniger Zinsen zurückzahlen.
  • Auch wer sein Geld im Derivatemarkt investiert, sollte wissen, was Referenzzinsätze sind, denn sie haben oft Einfluss auf dort gehandelte Finanzinstrumente.

Welche Referenzzinssätze gibt es?

Für europäische Banken, Geldanleger und Kreditnehmer ist der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) der wichtigste Referenzzinssatz. Er wird jeden Tag von einem spezialisierten Dienstleister für verschiedene Laufzeiten errechnet. Als Grundlage dienen ihm die Zinsangebote ausgewählter europäischer Banken, die bekanntgeben, zu welchen Zinssätzen sie Geld an andere Banken verleihen. Für Tagesgeldanleihen in der Eurozone ist der EONIA (Euro Overnight Index Average) ausschlaggebend.

Ein anderer wichtiger Referenzzinssatz ist der LIBOR (London Interbank Offered Rate), der auch für andere Währungen als den Euro berechnet wird, allerdings nicht für alle. Nach seinem Vorbild funktionieren beispielsweise auch der CHF-LIBOR, der NIBOR, der HIBOR, der SHIBOR und der TIBOR.

Der Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im weitesten Sinne auch ein Referenzzinssatz. Er gibt an, zu welchem Zinssatz sich die europäischen Banken Geld bei der EZB leihen können. Das bestimmt selbstverständlich auch die Höhe der Zinssätze, die Banken voneinander für Kredite verlangen, und damit auch den EURIBOR.

Referenzzinssatz und Sparanlagen

Bei Sparanlagen, beispielsweise einem Tagesgeldkonto, beeinflussen Veränderungen des Referenzzinssatzes auch den Zinssatz des Anlageprodukts. Steigt beispielsweise der Referenzwert um 0,5 Prozentpunkte, steigt auch der Zinssatz des Tagesgeldkontos. Am Beispiel des EURIBOR kann man aber auch einen anderen Einfluss eines Referenzzinssatzes auf Sparanlagen sehen.

Ist der EURIBOR sehr hoch, müssen die Banken viele Zinsen bezahlen, wenn sie sich selbst Geld leihen. Deshalb beschaffen sie sich neues Geld lieber dadurch, dass sie möglichst viele Sparer für einen längeren Zeitraum gewinnen. Diesen bieten sie hohe Zinssätze, die dennoch unter denen des EURIBOR für den gleichen Zeitraum liegen. Die Banken haben dann das Geld der Sparanleger zur Verfügung und können es zu einem an den EURIBOR gekoppelten Zinssatz an andere Banken verleihen. Auf diese Weise erzielen sie Gewinne, denn die Differenz zwischen dem Zinssatz der Sparanlagen und dem EURIBOR verbleibt bei ihnen.

Referenzzinssatz und Kredite

Auch für die Kosten von Krediten spielen Referenzzinssätze eine wichtige Rolle. Will eine Bank sich Geld von einer anderen Bank leihen, wird sie immer den EURIBOR-Zinssatz zurate ziehen. So kann sie einschätzen, ob ein anderes Kreditinstitut einen Kredit zu einem günstigen oder einem hohen Zinssatz anbietet.

Nicht sehr verbreitet, aber durchaus möglich sind Kredite mit einem variablen Zinssatz, der sich wiederum an einem neutralen Referenzwert orientiert. In diesem Fall findet nach einem bestimmten Zeitraum, oft quartalsweise, eine Abstimmung mit dem Referenzzinssatz statt. Zumeist werden bei solchen Krediten auch „Cap“ und „Floor“ vereinbart. Der Cap bezeichnet den höchstmöglichen Zinssatz, der veranschlagt werden darf, Floor den niedrigsten. So wird sichergestellt, dass sich ein Kreditnehmer nicht durch zu hohe Zinsen verschuldet und ein Kreditgeber einen annehmbaren Gewinn macht.

Was sind die Vorteile des Referenzzinssatzes?

Für Banken und für Verbraucher schafft ein Referenzzinssatz Übersichtlichkeit und Transparenz. Er erleichtert Anbietern von Finanzprodukten die Preisfindung und vereinfacht den Preisvergleich für alle, die günstige Kredite oder rentable Geldanlagemöglichkeiten suchen. Aus der Entwicklung des Referenzzinssatzes können Interessenten außerdem ableiten, wie sich der Zinssatz eines Kredits oder einer Sparanlage verändern wird. Wer die Referenzzinssätze im Auge behält, kann deshalb einen guten Zeitpunkt abpassen, an dem die Konditionen für Darlehen oder Investitionen besonders günstig sind.

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