Verivox-Umfrage: Börsen-Boom nimmt weiter Fahrt auf

21.09.2021 | 16:57

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Immer mehr Deutsche investieren in Aktien und Fonds. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Verivox-Umfrage. 47 Prozent der Befragten haben aktuell Geld an der Börse angelegt. Das sind deutlich mehr als in früheren Umfragen. Doch nicht nur in Bezug auf die Renditeaussichten hatten zahlreiche Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer gravierende Wissenslücken.

Beinahe die Hälfte der Befragten besitzen Aktien, Fonds und ETFs

Lange galten die Deutschen als Börsen-Muffel, doch inzwischen haben 47 Prozent Geld in Aktien, Fonds und ETFs investiert. In einer früheren Verivox-Umfrage im Oktober 2020 waren es erst 35 Prozent und zu Beginn der Corona-Pandemie, im März 2020, sogar nur 30 Prozent.

„Schon nach dem Börsen-Crash zu Beginn der Corona-Krise hatten viele Anleger die günstigen Börsenkurse für den Einstieg in Aktien und Fonds genutzt“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Befeuert von steigenden Kursen hat dieser Trend in den letzten Monaten weiter Fahrt aufgenommen.“

Für einen Großteil der Anlegerinnen und Anleger dürfte sich der Einstieg an der Börse gelohnt haben: In den letzten Wochen und Monaten erklommen zahlreiche wichtige Aktienindizes weltweit neue Höchststände. Auch der deutsche Leitindex DAX kletterte an einzelnen Tagen schon über die Marke von 16.000 Punkten und lag damit in der Spitze rund 15 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Viele unterschätzen das Renditepotenzial

„Trotz des anhaltenden Börsen-Booms verzichtet immer noch mehr als die Hälfte der Deutschen komplett auf die lukrative Geldanlage an der Börse“, sagt Oliver Maier. „Viele schätzen das Verhältnis von Chancen und Risiken nicht realistisch ein.“ Mehr als ein Drittel der Befragten in der Verivox-Umfrage glaubt nicht, dass Fonds und Aktien für die langfristige Geldanlage taugen (20 %) oder hat daran zumindest Zweifel (17 %).

Dabei reduziert gerade ein langfristiger Anlagehorizont die Risiken erheblich. „In der Vergangenheit haben sich die Aktienmärkte auch nach schweren Rücksetzern wie zu Beginn der Pandemie stets wieder erholt“, sagt Oliver Maier. „Mit einem langen Atem können Anleger vorübergehende Kurseinbrüche einfach aussitzen.“ Daten des Deutschen Aktieninstituts zeigen: Wer in die Standardwerte des DAX investiert und seine Anteile 15 Jahre lang gehalten hat, war bislang immer im Plus und durfte sich im Schnitt über 6,7 Prozent Rendite im Jahr freuen.

Zwei von drei Befragten in der Verivox-Umfrage sind diese Gewinnaussichten allerdings nicht bekannt. Nur 30 Prozent beziffern die historische Durchschnittsrendite eines langfristigen DAX-Investments korrekt in einem Bereich zwischen 5 und 10 Prozent. Ein Viertel der Befragten hat gar keine Vorstellung von den erzielbaren Renditen einer langfristigen DAX-Anlage und 40 Prozent unterschätzen das Potenzial deutlich. 5 Prozent schätzten die Durchschnittsrendite auf über 10 Prozent und damit deutlich zu hoch ein.

Drei von vier Befragten kennen keinen der zehn DAX-Aufsteiger

Große Unkenntnis herrschte bei den Befragten in der Verivox-Umfrage auch in Bezug auf die neuen DAX-Mitglieder. Drei von vier Befragten (75 %) konnten keines der zehn Neumitglieder nennen. 15 Prozent kannten ein oder zwei DAX-Aufsteiger, 7 Prozent konnten drei oder vier der Neulinge korrekt benennen und 4 Prozent kannten die Hälfte oder mehr. Alle 10 DAX-Aufsteiger konnten 7 von insgesamt 1.003 Befragten aufzählen.

Nur drei der neuen DAX-Mitglieder waren mehr als jedem zehnten Befragten bekannt – Zalando (13,5 %), Airbus (12,3 %) und HelloFresh (10,8 %). Immerhin über 5 Prozent wussten, dass Puma (7,5 %), die Porsche Automobil Holding (6,5 %) und Siemens Healthineers (6,4 %) in den deutschen Leitindex aufsteigen. Die übrigen vier Neulinge Symrise (3,5 %), Brenntag (3,4 %), Sartorius (3,1 %) und Qiagen (2,2 %) konnten nur wenige aufzählen.

Wie sich die DAX-Aufstockung auf die Kurse auswirken wird, bleibt abzuwarten. Auf eine Konsequenz der Reform weist Oliver Maier hin: „Viele Anlegerinnen und Anleger haben ETFs auf den DAX im Depot. Diese passiven Indexfonds bilden die Wertentwicklung eines großen Aktienindex nahezu eins zu eins nach. Wer in einen DAX-ETF investiert, verteilt sein Kapital künftig also auf 40 und nicht wie bisher nur auf 30 Aktien. Das ist gut, denn durch eine größere Streuung sinkt das Risiko. Allerdings sollten sich Anleger möglichst noch breiter aufstellen: Mit einem ETF auf den Weltaktienindex MSCI World wird das investierte Kapital automatisch auf rund 1.600 Aktien aus 23 Ländern verteilt.“

Methodik

Im Auftrag von Verivox hat das Marktforschungsinstitut Innofact im September 2021 nach der Bekanntgabe der DAX-Neulinge insgesamt 1.003 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren online befragt. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.

Gefragt wurde: Halten Sie Aktien und Aktienfonds grundsätzlich für eine geeignete Geldanlage, um langfristig Vermögen aufzubauen und fürs Alter vorzusorgen?Haben Sie aktuell Geld an der Börse angelegt (z.B. in Aktien, Fonds oder ETF)?Bitte schätzen Sie ein: Wie viel Rendite konnten Anleger in der Vergangenheit mit einem langfristigen DAX-Investment durchschnittlich erzielen (Anlagezeitraum: 15 Jahre)?Wissen Sie oder haben Sie schon mitbekommen, welche 10 neue Unternehmen am 20. September offiziell in den DAX aufgenommen werden? Falls ja, notieren Sie bitte alle Unternehmen, die Ihnen einfallen?