Umfrage: Jeder Dritte weiß nicht, was das Konto kostet

14.03.2019

Bildquelle: ©Adobe Stock/Text: Verivox

Heidelberg. Mehr als jeder dritte Deutsche weiß gar nicht oder nicht genau, wie viel er für sein Girokonto ausgibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox, die das Meinungsforschungsinstitut Civey durchgeführt hat.

Viele Bankkunden kennen ihre Kontokosten nicht

In den letzten Jahren haben viele Filialbanken an der Gebührenschraube gedreht. Ein großer Teil der Bankkunden hat diese Kosten dennoch nicht im Blick. In der Verivox-Umfrage wussten über 36 Prozent der Befragten gar nicht oder nicht genau, wie viel sie für ihr Girokonto Jahr für Jahr bezahlen. Die Zahlen ähneln sich durch alle Altersgruppen. Am wenigsten kannten sich die 18- bis 29-Jährigen aus, von denen 40 Prozent die Frage nach den Kosten des Girokontos „nicht“ oder „nicht genau“ beantworten könnten. Bei den 40- bis 49-Jährigen waren es 32 Prozent.

„Es ist gut, dass das Zahlungskontengesetz in Zukunft für mehr Transparenz sorgen wird“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Seit Herbst 2018 müssen Banken ihre Kunden mindestens einmal im Jahr übersichtlich über sämtliche Kosten informieren, die das Girokonto im letzten Abrechnungszeitraum verursacht hat.

Das dürfte das Bewusstsein der Verbraucher hinsichtlich der Bankkosten deutlich. Zwischen hohen Gebühren und kostenfreien Konten liegt teilweise eine Differenz von 100 Euro im Jahr. Die Umfrage zeigt auch, dass einige Verbraucher heute schon auf der Suche nach einer neuen Bank sind. Immerhin jeder fünfte Befragte konnte sich vorstellen, mit seinem hauptsächlich genutzten Girokonto in den nächsten 12 Monaten zu einer anderen Bank zu wechseln (20,4 Prozent).

Ein Viertel fürchtet hohen Aufwand beim Kontowechsel

Für fast ein Viertel der Befragten (23 Prozent) ist jedoch die Sorge vor hohem Wechselaufwand der wichtigste Grund, beim alten Konto zu bleiben. Um Abhilfe zu schaffen, hatte der Gesetzgeber die Banken schon 2016 verpflichtet, ihren Kunden beim Kontowechsel zu helfen. „Die gesetzliche Kontowechselhilfe wird von den Verbrauchern aber kaum genutzt“, berichtet Oliver Maier. „Die gesetzlich vorgeschriebenen Antragsformulare sind schwer verständlich und der gesamte Wechselprozess bleibt kompliziert. Das Ziel, Verbrauchern den Kontowechsel zu erleichtern, hat das Gesetz bislang verfehlt.“

Digitale Wechselhilfe stärken

Einfacher und schneller kann es beim digitalen Kontowechselservice gehen, den viele Banken zusätzlich anbieten. Kunden erhalten dabei online eine Liste ihrer bisherigen Zahlungspartner und können selbst auswählen, wer über die neue Bankverbindung informiert werden soll.

Aber die Banken agieren nicht einheitlich. Nicht alle bieten beispielsweise die digitale Signatur mit an. Viele Zahlungspartner akzeptieren eine Benachrichtigung über die neue Kontoverbindung aber nur, wenn sie auch unterschrieben ist. „Ein digitaler Kontowechselservice mit verbindlichen Mindeststandards wäre ein echter Kundennutzen. "Wichtig wären die digitale Signatur und ein Mindestzeitraum von 13 Monaten für die Auflistung der Zahlungspartner“, sagt Oliver Maier. „Außerdem sollten die alten Kontoanbieter verpflichtet werden, auch am digitalen Kontowechselservice aktiv mitzuwirken und der neuen Bank die benötigten Daten bereitzustellen.“

Dann dürften weitere Nutzer ihre Scheu vor einem Bankwechsel überwinden. Denn überzeugt von ihrer aktuellen Bank sind viele nicht. Nur knapp die Hälfte (45 Prozent) hält der eigenen Bank vor allem deshalb die Treue, weil sie mit ihr zufrieden ist.

Wer wechseln will, der tut es heute schon

Nicht recht in Gang kommt auch ein zweites Gesetzesvorhaben: Seit rund vier Monaten müsste es bereits ein staatlich zertifiziertes Vergleichsportal für Girokonten geben. „Noch immer gibt es keine Testorganisation, die den Vergleichsportalen das Siegel als geprüfte Vergleichswebsite verleihen könnte“, sagt Oliver Maier. 

Allerdings haben Kunden mit Wechselabsicht auch heute schon gute Möglichkeiten für den Kontovergleich. 15 Prozent der Befragten in der Verivox-Umfrage haben in den letzten fünf Jahren mindestens einmal ihr hauptsächlich genutztes Girokonto gewechselt. Das waren kaum weniger als die 20 Prozent, die sich einen Kontowechsel vorstellen können. Wer die Absicht hat zu wechseln, tut es also in der Regel heute schon.

„Wer den Wettbewerb unter den Banken wirksam fördern will, der muss die Wechselbereitschaft der Verbraucher stärken“, sagt Oliver Maier. „Die wichtigsten Hebel dafür sind möglichst hohe Kostentransparenz und einfache, verlässliche Standards beim digitalen Wechselprozess.“

Methodik

Für die Umfrage im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Februar 2019 über 5.000 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die erwachsene deutsche Gesamtbevölkerung. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 2,5 Prozent.