Einkommenslücke: Männer bekommen die besseren Zinsen

28.09.2018 | 09:38

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen beeinflussen auch die private Kreditaufnahme (https://www.verivox.de/kredit/). Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Tarifexperten von Verivox. Frauen können sich im Schnitt weniger Geld leihen als Männer, müssen häufiger höhere Zinsen zahlen und erhalten öfter überhaupt keinen Kredit.

Frauen verdienen 500 Euro weniger als Männer

Seit Anfang des Jahres ist das Lohntransparenzgesetz in Kraft. Seitdem haben Arbeitnehmer das Recht zu erfahren, wie viel Kollegen des anderen Geschlechts bei ähnlicher Tätigkeit verdienen. Das Gesetz soll helfen, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) zu verkleinern.

Wie weit dieses Ziel immer noch entfernt ist, zeigen Verivox-Daten aus dem ersten Halbjahr 2018: Frauen, die in diesem Zeitraum über Verivox einen Kredit abgeschlossen haben, verdienten netto im Schnitt gut 500 Euro weniger als Männer. Das entspricht einem Einkommensunterschied von 19 Prozent.

Geringeres Einkommen beeinträchtigt die Bonität

Die große Diskrepanz beim Einkommen bleibt bei der Kreditaufnahme nicht ohne Folgen: Der Kreditbetrag ist bei Frauen im Schnitt rund 3.300 Euro niedriger als bei Männern.

„Für Banken ist das verfügbare Nettoeinkommen ein wichtiges Kriterium zur Einschätzung der Bonität“, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Wer wenig verdient, erhält schwerer eine Zusage und muss öfter höhere Zinsen zahlen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kreditanfrage einer Frau abgelehnt wird, liegt um fast ein Drittel höher als bei einem Mann.

So verbessern Frauen ihre Kreditkonditionen

„Trotz aller Unterschiede können Frauen sehr gute Konditionen erhalten“, sagt Oliver Maier. Wichtig ist ein Anbietervergleich. Nur 14 Prozent der Frauen, die über Verivox Kredite verglichen und abgeschlossen haben, erhielten als bestes Angebot einen Zinssatz über 3,5 Prozent. Damit ist der Anteil bei Frauen zwar höher als bei Männern – nur 11 Prozent. Doch im Bundesdurchschnitt mussten Ratenkreditnehmer im ersten Halbjahr 5,73 Prozent Zinsen zahlen. Einen Zins in dieser Höhe mussten nur gut 3 Prozent der Verivox-Kundinnen zahlen.

Auch ein zweiter Antragsteller führt oft zu günstigeren Konditionen. „Aus Sicht der Bank verbessert ein zweiter Kreditnehmer mit eigenem Einkommen die Bonität“, sagt Oliver Maier. „Das Ausfallrisiko sinkt und die Bank ist in der Lage, einen besseren Zinssatz anzubieten.“ Im Schnitt zahlen zwei Personen gemeinsam 12 Prozent weniger Zinsen und können fast 30 Prozent höhere Summen aufnehmen als Kreditnehmer, die ihr Darlehen allein abschließen.

„Der zweite Kreditnehmer muss übrigens nicht der eigene Lebenspartner sein“, sagt Oliver Maier. „Geschwister, Eltern oder enge Freunde kommen ebenso infrage.“ Gerade für Frauen mit einem Kreditwunsch ist dies eine wichtige Information. Denn sie sind mehr als doppelt so häufig getrennt lebend oder geschieden wie männliche Kreditnehmer. Im Kreditantrag sollte die- oder derjenige mit dem höheren Einkommen an erster Stelle stehen.

Methodik

Für die Auswertung wurden alle Kredite untersucht, die im ersten Halbjahr 2018 über Verivox beantragt und abgeschlossen wurden.