Baufinanzierung: Forward-Darlehen sichert Zinsen von heute für später

29.07.2015 | 14:20

Heidelberg -  Häuslebauer, die steigende Zinsen fürchten, können sich mit einem Forward-Darlehen heutige Kreditkonditionen für die Zukunft sichern. Klettern die Zinsen, dann sparen sie gegenüber einer herkömmlichen Hausfinanzierung, die nicht im Voraus abgeschlossen wird. Ein Anstieg um ein Prozent bis zum Juli 2017 macht ein 200.000-Euro-Darlehen mehr als 10.000 Euro günstiger, wie eine Analyse des unabhängigen Verbraucherportals Verivox zeigt. Bei konstanten oder sinkenden Zinsen ist diese Zinsvariante jedoch teurer.

Forward-Darlehen: Zinssicherheit gegen Zuschlag

Mit dem Forward-Darlehen können sich Bankkunden mehrere Jahre im Voraus den Zins für ihre Baufinanzierung festschreiben lassen. Der Kredit beginnt in der Zukunft, die Konditionen stehen jedoch heute schon fest. Interessant ist das für Hausbesitzer, die ihren Kredit verlängern, oder für Verbraucher, die zu einem festen Termin eine Immobilie kaufen wollen.

Entscheidenden Einfluss hat dabei die Zinsentwicklung. Nur noch sechs Prozent der Finanzmarktexperten erwarten auf Jahressicht sinkende Zinsen – so das Investmentbarometer der Citigroup. Immerhin 40 Prozent glauben an einen Anstieg. „Die Kreditnehmer verschaffen sich mit dem Darlehen Zinssicherheit. Im Gegenzug wird jedoch ein Zinsaufschlag fällig“, sagt Ingo Weber, Chief Financial Officer und Geschäftsführer bei Verivox. Für jeden Monat, den die Finanzierung in der Zukunft liegt, erhöht sich der Zins aktuell um 0,02 Prozent. Banken geben jedoch oft eine sechsmonatige Frist, in der sie den Kredit bereitstellen, ohne Zinsen zu verlangen. Für diese Dauer fällt auch kein Forward-Zuschlag an.

Chancen und Risiken – je nach Zinsentwicklung

Wie sich steigende oder sinkende Zinsen auf ein Forward-Darlehen auswirken, hat Verivox anhand von Modell-Krediten berechnet. 10.571 Euro lassen sich bei einem 200.000-Euro-Darlehen sparen, wenn der Verbraucher sich für Juli 2017 die Konditionen sichert und falls die Zinsen bis dahin um ein Prozent steigen. Bei konstanten Kreditkonditionen verliert der Bankkunde 5.987 Euro – aufgrund des Zinsaufschlags für das Forward-Darlehen. Sinkt der Zins um 0,5 Prozent, erhöht sich der Verlust sogar auf 14.350 Euro.

Wer keine steigenden Zinsen fürchtet, wartet lieber

Ob sich ein Forward-Darlehen bezahlt macht, kann niemand im Voraus sagen. „Wer deutlich steigende Zinsen in den kommenden Jahren erwartet, der kann sich mit einem Forward-Darlehen absichern“, sagt Ingo Weber. „Eine Garantie für diese Entwicklung gibt es jedoch nicht.“ Verbraucher, die keinen weiteren Zinsanstieg vermuten, warten deshalb lieber ab und vergleichen die Bauzinsen, wenn Kauf oder Umschuldung direkt anstehen.

Bankkunden verpflichten sich mit dem Forward-Darlehen zum Kredit - unabhängig davon, wie sich die Kreditkonditionen in der Zukunft entwickeln. Für Immobilienkäufer, die den Kaufzeitpunkt nicht sicher kennen, ist es deshalb ungeeignet.