Jeder Dritte hat schon einmal den Notruf per Handy gewählt

10.02.2021 | 16:40

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg – Ein knappes Drittel aller Deutschen hat schon einmal die Notrufnummer 112 mit dem Handy gewählt. Die mit Abstand größte Anrufergruppe sind Jüngere unter 30 Jahren. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox.

Die meisten Notrufe werden übers Handy abgesetzt

In Deutschland laufen rund zwei Drittel aller Notrufe übers Handy ein, ein Drittel übers Festnetz. Die eingehenden Meldungen verteilen sich laut der Integrierten Rettungsleitstelle Freiburg (ILS) recht gleichmäßig auf die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica. Die ILS übermittelt bundesweit die Positionsdaten der Anrufer an die anderen Rettungsleitstellen.

Jeder sechste Anrufer kennt seinen genauen Standort nicht

Die Verivox-Umfrage zeigt ein deutliches Altersgefälle bei den Anrufen auf. So haben 41 Prozent aller jungen Deutschen unter 30 Jahren schon einmal einen Handy-Notruf abgesetzt, aber nur 20 Prozent der älteren Menschen ab 50 Jahren. Zudem sind jüngere Anrufer deutlich schlechter orientiert als ältere, sie konnten bei ihrem letzten Handy-Notruf zu 28 Prozent den Anrufort nicht konkret benennen (Ältere: 8 Prozent). Insgesamt konnte jeder sechste Anrufer nur ungefähre Angaben zu seiner Position machen, beispielsweise beim Aufenthalt in der Natur. Die meisten Anrufer wussten hingegen, wo sie sich aufhielten.

Ortung im Notfall auch mit deaktiviertem GPS möglich

Laut Verivox-Umfrage haben 19 Prozent die GPS-Funktion am Smartphone eingeschaltet, damit sie im Notfall auffindbar sind. Doch das ist in der Regel nicht nötig: Die Positionsbestimmung eines Anrufers funktioniert dank moderner Notruftechnik auch ohne aktivierte Ortungsdienste. Mittels der "Advanced Mobile Location" (AML) werden die Standortdaten auf wenige Meter genau an die zuständige Rettungsleitstelle übermittelt. Zum Vergleich: Vor dem Start des AML-Projekts im Herbst 2019 konnte eine Leitstelle lediglich die Funkzelle des Standortes abfragen – die vor allem im ländlichen Raum mehrere Quadratkilometer groß sein kann.

AML funktioniert automatisch auf jedem modernen Smartphone (ab Android 4 bzw. iOS 11.3.). Aktuell können 95 Prozent aller deutschen Rettungsleitstellen AML auslesen; dies soll sukzessive ausgebaut werden. Alle drei Netzbetreiber unterstützen die Technik, außen vor sind lediglich wenige Mobilfunk-Discounter wie etwa Lycamobile.

Präzise Positionsdaten bei 70 Prozent der Anrufe

Das AML-Projekt befindet sich noch in der Pilotphase; einige Hindernisse können die Technik in der Praxis ausbremsen. AML-Pionier Henning Schmidtpott von der ILS benennt hier neben veralteter Hardware im Wesentlichen Anrufe über ausländische Netze (Roaming) sowie Anrufe im Limited-Service-Mode, wenn kein Netz des eigenen Anbieters verfügbar ist. Zudem werde AML nur aktiviert, wenn der Akkustand des Geräts mindestens fünf Prozent beträgt. Die genannten Einschränkungen betreffen Schmidtpott zufolge derzeit rund 30 Prozent der Anrufe.

Um von der AML-Technik zu profitieren, müssen Handynutzer nichts aktivieren und auch keine App herunterladen. Die AML-Daten werden per SMS übertragen, bei Android-Smartphones zusätzlich auch übers Internet. Dem Datenschutz wird hohe Priorität eingeräumt: Die Daten werden verschlüsselt gespeichert und eine Stunde nach dem Notruf gelöscht.

Methodik

Die verwendeten Umfragedaten basieren auf einer Online-Umfrage der Innofact AG im Auftrag von Verivox, an der 1.003 Personen im Januar 2021 teilnahmen. Gefragt wurde: Haben Sie die Ortungsdienste an Ihrem Smartphone üblicherweise ein- oder ausgeschaltet? – Haben Sie schon einmal mit dem Smartphone die Notrufnummer 112 gewählt? – Konnten Sie beim letzten Mal, als Sie mit dem Smartphone die Notrufnummer 112 gewählt haben, genau benennen, an welchem Ort Sie sich zum Zeitpunkt des Notrufs befanden? Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren.