Gigabit-Internet per Glasfaser und Kabel soll schneller werden

17.11.2021 | 16:57

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Internettarife mit Surfgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s sind in den letzten Jahren erschwinglicher geworden, die Nachfrage nach schnellen Internetanschlüssen steigt. In Zukunft sollen per Glasfaser- und per Kabelanschluss noch weit höhere Bandbreiten angeboten werden. Neue Leitungen müssen dafür nicht verlegt werden.

Gigabitfähige Anschlüsse für 27,5 Millionen Haushalte in Deutschland

Ende 2021 werden in Deutschland laut einer aktuellen Studie des Branchenverbandes VATM insgesamt rund 31,4 Millionen gigabitfähige Festnetzanschlüsse betriebsbereit sein. Rechnet man Überschneidungen in Gebieten heraus, wo sowohl Glasfaser als auch Kabel verfügbar sind, stehen Internetanschlüsse mit Gigabit-Tempo für 27,5 Millionen Haushalte bereit. Das sind rund zwei Drittel aller 41,9 Millionen privaten Haushalte in Deutschland. Angeboten werden häufig Tarife mit bis zu 1 Gbit/s im Download. Doch mit einer solchen Bandbreite soll noch lange nicht das Ende der technischen Möglichkeiten erreicht sein. Sowohl per Glasfaser als auch per Kabel lassen sich in Zukunft noch deutlich höhere Surfgeschwindigkeiten realisieren.

Bis zu 10 Gbit/s per Glasfaser

Werfen wir zunächst einen Blick auf die künftige Entwicklung bei Glasfaseranschlüssen. Weit verbreitet sind sogenannte passive Glasfaseranschlüsse (GPON – Gigabit Passive Optical Network), bei denen sich mehrere Anschlüsse eine Glasfaseranbindung teilen. Wie beim Kabelstandard DOCSIS handelt es sich bei diesen Anschlüssen um ein Shared Medium. Der Vorteil für die Provider: GPON-Anschlüsse sind einfacher und billiger zu bauen als aktive Glasfaseranschlüsse (AON – Active Optical Network). Die Deutsche Telekom wie auch etliche andere Anbieter setzen auf solche passiven Glasfaseranschlüsse.

Ein GPON der Telekom hat eine maximale Bandbreite von 2,5 Gbit/s down sowie 1,25 Gbit/s up. Diese Netzinfrastruktur würden sich maximal 32 Kunden teilen, wie das Unternehmen aktuell in seinem Firmenblog mitteilte. Der Bonner Konzern vermarktet derzeit an private Kunden Glasfasertarife mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1 Gbit/s im Downstream sowie 200 Mbit/s im Upstream.

Anpassung der Technik per Software-Upgrade oder Gerätetausch

In Zukunft verspricht ein Upgrade auf die Technik XGS-PON oder GPON 10 mehr Tempo. Möglich würden künftig in der gleichen Netzinfrastruktur Downloads und Uploads mit jeweils 10 Gbit/s. Und auch noch mehr Surfspeed ist denkbar. Neue Glasfaserkabel müssten für die Geschwindigkeitssteigerung nicht verlegt werden. Es sei nur eine angepasste Technik auf Seiten des Providers erforderlich. Das kann beispielsweise in Form eines Software-Upgrades oder eines Geräteaustauschs erfolgen. Kunden benötigen laut Telekom ein neues Endgerät mit integriertem Glasfasermodem und WLAN-Router.

Mehr als 1 Gbit/s im Download bietet derzeit beispielsweise bereits der Glasfaser-Provider DNS:NET an. Private Kunden können einen Glasfasertarif mit 2,5 Gbit/s im Download und bis zu 1 Gbit/s im Upload buchen. In einigen europäischen Ländern wie in Schweden und in der Schweiz halten Provider bereits Glasfaserprodukte mit 10 Gbit/s bereit.

Mehr Tempo auch im Kabelnetz

Nicht nur die Glasfaseranschlüsse sollen in den kommenden Jahren deutlich beschleunigt werden, auch für Internet per Kabel sind höhere Bandbreiten geplant. Ab 2022 soll es im Kabelnetz von Vodafone rund 25 Millionen gigabitfähige Haushalte geben. Der Kabelnetzbetreiber PŸUR bietet Gigabit-Internet mit bis zu 1 Gbit/s unter anderem in Berlin an.

Basis für ein schnelleres Kabelinternet ist der neue Kabelstandard DOCSIS 4.0, der im April 2020 vorgestellt wurde. Nach Angaben des Kabelnetzbetreibers Vodafone sollen dank DOCSIS 4.0 Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s für Downloads und bis zu 6 Gbit/s für das Hochladen von Daten ins Internet möglich werden.

Im September 2020 hatte Vodafone angekündigt, dass bei Verfügbarkeit erster Prototypen der neuen Hardware erste Feldtests innerhalb der nächsten zwei Jahre erfolgen sollen. Ehe Kabelinternet-Tarife mit Surfgeschwindigkeiten von mehr als 1 Gbit/s angeboten werden, dürfte es somit noch etwas dauern.

Nachfrage nach Gigabit-Internet steigt

Laut VATM werden Ende 2021 zwei Millionen Kunden Festnetzanschlüsse mit einer Bandbreite von mehr als 1 Gbit/s nutzen. Das sind 5,3 Prozent aller 37,4 Millionen Breitbandanschlüsse in Deutschland. Immerhin 3,4 Millionen Kunden (9,1 Prozent) buchen einen mindestens 250 Mbit/s bis hin zu 1 Gbit/s schnellen Internetzugang im Festnetz. Die Nachfrage nach Internetanschlüssen mit hohen Bandbreiten wird in den kommenden Jahren weiter steigen.

Allerdings fehlen derzeit noch entsprechende Anwendungen, um die Highspeed-Anschlüsse voll auszulasten. Selbst für das Streaming von Videos in Ultra HD ist kein Gigabit-Internetzugang erforderlich. Sollte aber beispielsweise das von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg geplante Metaverse Wirklichkeit werden und zum Beispiel auch Hologramm-Technik sowie Echtzeitanwendungen zum Einsatz kommen, werden möglichst schnelle Internetanschlüsse benötigt.