Samsung Galaxy S10 Plus: 5 Irrtümer zur 5G-Funktion

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Smartphones mit 5G-Funktion sind derzeit in aller Munde: Samsung hatte das Highend-Gerät der neuen Galaxy-Reihe mit 5G-Modem bereits Anfang April auf den südkoreanischen Markt gebracht – pünktlich zum Start des 5G-Netzes in einigen Städten Südkoreas. Jetzt kam das 5G-Smartphone auch in Deutschland auf den Markt. In Frankreich, Italien, Großbritannien und in der Schweiz soll das Gerät ebenfalls erhältlich sein. Andere Hersteller, wie etwa Huawei oder LG, stehen 2019 ebenfalls mit neuen 5G-Geräten in den Startlöchern. Die Deutsche Telekom bietet das Gerät aktuell für knapp 900 Euro mit passendem Tarif fürs mobile Surfen an.

Doch was haben Privatkunden von der 5G-Funktion des neuen Samsung-Smartphones? Die Tarifexperten von Verivox bringen Licht ins Dunkel der fünf verbreitetsten 5G-Mythen.

Irrtum Nr. 1: Mit 5G verschwinden alle Funklöcher in Deutschland.

Die meisten Verbraucher erwarten sich von 5G ein besseres Netz, mehr Speed beim mobilen Surfen und weniger Netzausfälle, wie eine aktuelle Bitkom-Umfrage ergab. Zunächst macht 5G das Mobilfunknetz deutlich leistungsfähiger und stabiler. Daten können zehn Mal schneller abgerufen werden. Außerdem sind die kompakten 5G-Funkzellen stärker als ihre Vorgänger und können das Hundertfache an Endgeräten versorgen. Für Privatkunden wird das mobile Internet mit 5G spürbar schneller – und vor allem ruckelfrei. Vor allem bei mobilem Video-Streaming auf Youtube, Netflix und Co. wird sich der Unterschied bemerkbar machen. Es gibt kaum noch Wartezeiten, denn die Latenzzeit – also die Verzögerung zwischen Abrufen und Abspielen der Daten – soll sich auf bis hinunter zu einer Millisekunde verringern. Weiterer Vorteil: Die einzelnen Mobilfunkmasten sind schneller für die Nutzung durch den nächsten Kunden „frei“ und die Netze werden zukünftig effektiver ausgelastet.

Der Realitätsabgleich mit dem Netzausbau zeigt jedoch: Vor 2021 wird es kein ausgebautes 5G-Netz in Deutschland geben. Von März bis Juni 2019 wurden erst einmal die Frequenzen unter den Netzbetreibern versteigert. Währenddessen leiden immer noch viele Verbraucher unter einer unzureichenden Netzversorgung: In 240 deutschen Ortschaften schneiden alle drei Netzbetreiber bei Sprachverbindungen „mangelhaft“ ab, wie eine Verivox-Analyse zeigte. Auch beim LTE-Netz gibt es immer noch Orte ohne LTE-Versorgung oder mit mangelhafter Abdeckung. Die neuen Funkzellen sind zwar leistungsfähiger als 4G, aber auch kleiner. Um großflächige Funklöcher auf der Landkarte auszuradieren, wird vermutlich weiterhin erst einmal der 4G-Ausbau gefragt sein.

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Irrtum 2: Mit 5G wird die Sprachqualität beim Telefonieren besser.

Telefonieren im 5G-Netz? Fehlanzeige! 5G startet als reiner Datendienst und macht im ersten Schritt den Datenverkehr zehn Mal schneller. Fürs Telefonieren spielt 5G zunächst keine Rolle. Woran liegt das? Der Mobilfunkstandard der fünften Generation hat noch keinen genormten Sprachdienst, genau wie das LTE-Netz in seinen Anfangszeiten. Telefonieren über 5G wird übergangsweise mit Zusatzsoftware, über spezielle Apps oder Clients funktionieren.

Irrtum Nr. 3: In Deutschland oder den USA kann ich schon mobil im 5G-Netz surfen.

In den meisten Regionen Deutschlands haben Privatkunden vom 5G-Modem ihres brandneuen Smartphones derzeit noch nichts. Mitte Juli 2019 startete Vodafone das erste kommerzielle 5G-Netz in Düsseldorf, Köln, Dortmund und anderen Städten. Vodafone-Kunden in Deutschland können 5G auch im EU-Ausland nutzen. In etwas mehr als 30 Städten in Italien, Spanien und Großbritannien ist 5G-Roaming möglich. Außerdem kündigte Vodafone an, Fußballstadien zum Auftakt der Bundesliga 2019/2020 mit leistungsfähigen 5G-Netzen auszustatten. Die Verfügbarkeit ist derzeit noch stark begrenzt. Bis zum flächendeckenden Ausbau des Netzes wird es noch dauern – bis Ende des Jahres 2021 soll nach Angaben des Konzerns etwa jeder vierte Bundesbürger in Reichweite einer 5G-Antenne wohnen. 

Der Netzbetreiber Telekom plant den 5G-Start zunächst in den beiden Pilotstädten Berlin und Bonn. Danach sollen Darmstadt, Hamburg, Leipzig und München folgen. Ansonsten gibt es einzelne Testregionen, wie das Testnetz der Telekom in Berlin, im Hamburger Hafen oder in Düsseldorf (Vodafone). Diese dienen aber vor allem der industriellen Nutzung oder reinen Testzwecken und sind nicht für Privatkunden geöffnet.

Auch USA-Urlauber sollten sich nicht zu früh freuen. Zwar betreibt der amerikanische Netzbetreiber Verizon in einzelnen US-Städten bereits 5G-Netze. Allerdings können Kunden sich auch mit 5G-fähigen Geräten nicht ohne Weiteres ins Netz einwählen. Das Samsung Galaxy S10 mit 5G-Modem kommt zum Beispiel nur in Verbindung mit einem mobilen Hotspot ins neue Funknetz. In den USA (Verizon) oder in der Schweiz (Sunrise) startete 5G daher nicht beim Mobilfunk durch, sondern erst einmal als Alternative zum stationären Internet. Aktuell ist 5G also kein Thema für Endverbraucher, sondern für die Industrie und das „Internet of Things“ (IoT). Der neue Datenfunk sorgt dafür, dass Maschinen untereinander schnell und ohne Verzögerung miteinander kommunizieren können.

Irrtum Nr. 4: Das 5G-Netz saugt meinen Datentarif blitzschnell leer.

Die bestehenden Inhalte werden nicht plötzlich vom Datensatz her größer, nur weil sich der Kunde im 5G-Netz bewegt. Tarife mit niedrigem Datenvolumen könnten aber schneller schlappmachen, wenn der Nutzer beim ruckelfreien Surfvergnügen sein Datenlimit aus dem Blick verliert. Denn egal ob 4G oder 5G – für Vielnutzer ist zum selben Zeitpunkt die Grenze erreicht, zum Beispiel bei intensivem Video-Streaming mit höher Auflösung in 4K.

Der Unterschied liegt vor allem im schnellen Streaming-Erlebnis mit geringer Latenzzeit, also fast ohne Verzögerung. Die Daten werden dann so schnell abgerufen, als wären sie direkt auf dem Gerät gespeichert. „In Zukunft werden sicherlich neue Inhalte zur Verfügung stehen, die deutlich mehr Daten mitbringen,“ sagt Eugen Ostasch, Telekommunikationsexperte bei Verivox. „Es ist daher nicht auszuschließen, dass zukünftige Tarifmodelle im 5G-Netz mit deutlich mehr Datenvolumen ausgestattet sein werden“, so Ostasch weiter.

Übrigens: Eine Umfrage ergab, dass viele Verbraucher nicht mehr als 5 Euro zusätzlich für einen 5G-Tarif ausgeben wollen. Das neue 5G-Gerät von Samsung kostet bei der Deutschen Telekom knapp 900 Euro. Der passende Tarif fürs mobile Surfen mit dem Highend-Smartphone schlägt mit 85 Euro im Monat zu Buche. Vodafone bietet eine Zubuch-Option für 5G zu regulären Handytarifen; dafür fallen 5 Euro zusätzlich an. Kunden können ein 5G-Modell von Samsung oder Huawei dazubuchen. Wie 5G die Tariflandschaft für Privatkunden mittelfristig verändern wird, steht momentan aber immer noch in den Sternen.

Irrtum Nr. 5: Mit 5G surfe ich nur noch mit schnellem Datenfunk.

Selbst wenn der neue Mobilfunkstandard da ist, bringt er nicht automatisch die Kehrtwende beim mobilen Surfen. Denn 5G würde nur bei extrem hohem Datenverkehr zum Einsatz kommen. LTE bleibt weiterhin die Basis für den mobilen Datenverkehr und wird fester Bestandteil des 5G-Netzes bleiben.

Fazit: 5G-Handys sind ihrer Zeit voraus.

Für Privatkunden bleibt 5G – außer in den Pilotstädten – auch mit neuen 5G-fähigen Smartphones in vielen Regionen erst einmal Zukunftsmusik. Für Geschäftskunden könnte das Thema schneller interessant werden, gerade wenn sie in Länder oder Städte mit 5G-Netz reisen und passende Endgeräte nutzen. 5G wird aktuell vor allem für IoT-Szenarien in diversen Wirtschaftsbranchen getestet, zum Beispiel in der Automobilwirtschaft beim autonomen Fahren. Privatkunden surfen und telefonieren auch mit 5G-fähigen Geräten erst einmal weiter im 4G-Netz.

Zumindest eines ist sicher: Wer heute schon ein 5G-fähiges Gerät sein Eigen nennt, ist nicht nur seiner Zeit etwas voraus, sondern besitzt auch ein Premium-Gerät mit neuester Technik.