Der Begriff Aderlass findet zum einen in der Medizin, heute bei alternativen Heilmethoden, zum anderen als Synonym für massive Abgänge oder Verluste Verwendung. Der Aderlass als Heilmethode wurde bereits in der Antike im sechsten Jahrhundert vor Christus und im Talmud erwähnt. Was es mit dem Aderlass auf sich hat, was die Ärzte und Gelehrten an Rahmenbedingungen vorgaben, soll dieser Beitrag erläutern.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Ziel des Aderlasses
  3. Vorgehensweise
  4. Rahmenbedingungen
  5. Anwendung in der heutigen Medizin
  6. Verwandte Themen
  7. Weiterführende Links
  8. Private Krankenversicherung: Vergleich der Tarife

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Theorie des Aderlasses basiert auf der antiken Säftelehre.
  • Durch den Aderlass soll es zu einer Reinigung des Blutes kommen, um die Krankheit auszutherapieren.
  • Der Aderlass wird in der Schulmedizin nur in sehr wenigen Fällen angewendet und somit von den Krankenkassen erstattet.
  • Bislang gab es keine Nachweise, dass ein Aderlass in den bei der alternativen Heilbehandlung benannten Krankheitsbildern als einzelne Therapie zum Erfolg führte.

Ziel des Aderlasses

In den Überlegungen der Gelehrten und Ärzte von der Antike bis in das 19. Jahrhundert ging es darum, dass bestimmte Krankheiten durch die Vermischung von gutem Blut und schlechten Säften im Körper entstanden. Ursache war ein angenommenes Ungleichgewicht der Säfte

  • Blut,
  • Gelbe Galle (Cholera),
  • Schwarze Galle (Melancholia),
  • Schleim (Phlegma),

welches auch zu einem Ungleichgewicht in der Seele führen sollte.

Grundlage dafür bildete die antike Säftelehre. Das Heilverfahren des Aderlasses sah die Entnahme von Blut in einem Volumen zwischen 50ml und einem Liter, heute in der Regel 500 ml, vor. Durch die Blutentnahme sollte der Körper von den schlechten Säften gereinigt werden. Um es vorweg zu nehmen: Auch wenn der Aderlass in der Alternativmedizin immer noch Anwendung findet, eine heilende Wirkung konnte nie nachgewiesen werden.

Die Vorgehensweise beim Aderlass

Zwei Methoden bestimmten das Vorgehen beim Aderlass. Die Theorie der Derivation ging davon aus, dass der Körper auf schnellstem Weg von den schlechten Säften befreit werden müsse. Dies gelang, indem der Aderlass möglichst nahe an der erkrankten Stelle im Körper vorgenommen wurde. Dem Stand die Theorie der Revulsion, der Umwälzung gegenüber. Diese ging davon aus, dass bei der Derivation dem Körper auch zu viele gute Säfte und gutes Blut entzogen wurden. Ziel der Revulsion war es, die schlechten Säfte sanft aus der erkrankten Körperpartie abzuleiten und durch gute Säfte zu ersetzen. Zu diesem Zweck wurde der Aderlass hierbei möglichst weit von der erkrankten Körperpartie und nur in sehr kleinen Mengen durchgeführt.

Die Rahmenbedingungen bei einem Aderlass

Im späten Mittelalter kam die Theorie auf, dass bei einem Aderlass auch die Stellung der Planeten berücksichtigt werden müsse. Jupiter und Venus beschieden ein positives Ergebnis, Saturn und Mars waren eher ungünstig. Darüber hinaus sollte der Aderlass möglichst in den Monaten April, Mai und September durchgeführt werden.

Eine besondere Bedeutung kam den Tierkreiszeichen in Verbindung mit Körperteilen zu. Jedes Tierkreiszeichen wurde mit einem Körperteil verknüpft. So wurde zum Beispiel das Tierkreiszeichen Zwilling mit Armen und Händen verbunden. Andere Tierkreiszeichen, wie etwa Wassermann wurden mit einem anderen Körperteil, dem Schienbein, in Verbindung gesetzt.

Eine Theorie besagte, dass der Aderlass vermieden werden sollte, wenn der Mond im betreffenden Tierkreis stand. Lag beispielsweise eine Erkrankung der Hände vor, war vom Aderlass Abstand zu nehmen, wenn der Mond im Zeichen des Zwillings stand.

Hildegard von Bingen, eine von Mythen umgebene Äbtissin und Universalgelehrte im 12. Jahrhundert, beschrieb den Aderlass als Möglichkeit, den Körper von schlechtem Blut zu befreien, welches durch übermäßiges Essen, Diätfehler, Stress, Sorgen, Angst und Enttäuschungen entstanden sei.

Anwendung von Aderlass in der heutigen Medizin

Die Schulmedizin greift heute in wenigen Ausnahmefällen auf den Aderlass zurück. Bei folgenden Krankheitsbildern kann er Erfolg versprechend sein:

  • Polycythaemia vera: Eine Erkrankung, bei der es zu einer vermehrten Bildung von Erythrozyten, den rote Blutkörperchen, kommt.
  • Hämochromatose: Eine Erkrankung des Eisenstoffwechsels, bei der durch lebenslange Aderlässe ein Abbau des Eisengehaltes stattfinden kann.
  • Polyglobulie: Durch Aderlass kann bei dieser Erkrankung eine verbesserte Fließeigenschaft des Blutes zur Verhinderung von Thrombosen erreicht werden.
  • Porphyria cutanea tarda: Bei diesem Krankheitsbild handelt es sich um eine Störung der Synthese des roten Blutfarbstoffs Häm.
  • Blutspende: Blutspenden, faktisch ein Aderlass, führt - gemäß klinischer Studien - zu einer nachhaltigen Senkung des Blutdrucks und beugt damit Bluthochdruck vor.
  • Kardiales Lungenödem: Ein Aderlass mit 300 bis 500 ml kann indiziert sein.

Bezahlt die Krankenkasse einen Aderlass?

Die Frage lautet in diesem Zusammenhang, weshalb der Aderlass durchgeführt werden soll. Besteht eine medizinische Notwendigkeit, wie im Fall der hier aufgeführten fünf Punkte, übernimmt die Krankenversicherung auch die Kosten dafür. Erfolgt die Blutentnahme im Rahmen einer alternativ-medizinischen Behandlung, gilt der Aderlass als „iGel“, als individuelle Gesundheitsleistung, und ist vom Patienten selbst zu bezahlen.

In der Alternativmedizin gilt der Aderlass als hilfreich bei

  • Hypertonie oder hohen Blutdruck
  • Verengungen in den Blutgefäßen
  • Gefährdung durch Thrombose (Blutgerinnsel lösen sich und verstopfen Gefäße)
  • Blutvergiftung oder Sepsis
  • Lungenödem oder Wasseransammlungen in der Lunge
  • Eisenspeicherkrankheit
  • Übergewicht
  • Übersäuerung
  • Herzinfarktrisiko
  • Krämpfe in der Schwangerschaft
  • Schlappheit, Mattigkeit, Kopfweh
  • Schwache Immunabwehr
  • Zu hoher Anteil an roten Blutzellen
  • Gicht, Störungen der Durchblutung im Gehirn
  • Diabetes mellitus
  • Migräne
  • Zu hohe Harnsäure-, Cholesterin- und Leberwerte
  • Störungen der hormonellen Regulation
  • Depressionen
  • Magen-Darmerkrankungen
  • Unreine Haut

Allerdings ist der Aderlass auch mit Risiken behaftet. Als Nebenwirkungen können

  • Infektionen bei unsterilem Arbeiten,
  • Schwindel und Kreislaufprobleme,
  • Eisenmangel,
  • Durchfall oder Diarrhoe,
  • Kraftlosigkeit und
  • Dehydrierung

auftreten. Die antike, bis ins 19. Jahrhundert hineinreichende Theorie, praktisch jede Krankheit durch das Ablassen von Blut zu heilen, ist zweifellos gewagt. Ob ein Aderlass tatsächlich gegen Depressionen oder Übergewicht hilft, bleibt dahingestellt.

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