Wie funktionieren Warn-Apps? Mehr Sicherheit durch Smartphones

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Jeder kennt die kleinen Programme auf dem Smartphone oder Tablet, welche die aktuellsten Nachrichten oder Wetterwarnungen sofort anzeigen. Doch was ist zu tun, wenn größere Gefahren drohen und schnell gehandelt werden muss? Verivox stellt die beiden bekanntesten deutschen Applikationen vor, die dieser Sorge begegnen.

Katwarn: Die direkte Verbindung zu lokalen Behörden

Im Auftrag der öffentlichen Versicherer entwickelte das Fraunhofer-Institut Fokus die Applikation Katwarn als Warn- und Informationssystem für die Bevölkerung. Dabei ist das Prinzip recht einfach:

Großbrände, Bombenfunde oder Wirbelstürme werden dem Warnsystem von verschiedenen Einrichtungen oder lokalen Behörden gemeldet. Katwarn leitet diese Informationen dann als Warnung direkt an jene Abonnenten der App weiter, die sich in der Nähe des Unglücks befinden. Das Programm verzichtet dabei auf die Standortermittlung per GPS und lokalisiert die Geräte über Basisstationen oder WLAN-Zugangspunkte. Mit einer Push-Benachrichtigung - eine Popup-Nachricht auf dem Handydisplay - werden die Nutzer auf eine Warnung aufmerksam gemacht und erhalten anhand einer Karte einen Überblick der Gefahrenlage.

Katwarn bietet außerdem die Möglichkeit Themen-Abos zu bestimmten Anlässen oder Veranstaltungen (z.B. Oktoberfest) zu abonnieren.

Diese App ist für iPhone, Android-Smartphone und Windows Phone kostenlos verfügbar.

NINA: Ein Dienst des Bundes

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App (kurz NINA) wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betrieben und arbeitet mit dem Modularen Warnsystem des Bundes (MoWaS). So warnt NINA vor bundesweiten Großgefahren (z.B. Verbreitung von Gefahrenstoffen). Lokale Warnungen von Feuerwehr- und Rettungsleitungsstellen integriert die Warn-App bisher jedoch nur für Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Auch bei NINA werden die Nutzer im Umkreis einer Gefahrenstelle mit einer Push-Nachricht informiert und erhalten anhand einer Karte alle Informationen zu Ort und Ausbreitung des Unglücks. Für die exakte Ortung des Gerätes nutzt das Programm allerdings GPS.

Die Besonderheit dieser App ist das MoWaS, das auf dem bundeseigenen Satellitengestützten Warnsystem basiert. Dieses kann selbst in Katastrophengebieten verwendet werden.

Nina ist für die Betriebssysteme iOS ab Version 8.0 und Android ab Version 4.0 kostenlos verfügbar.

Was haben Katwarn und NINA gemeinsam?

Neben der Kartenübersicht im Unglücksfall bieten beide Applikationen Hinweise zum richtigen bzw. notwendigen Verhalten im entsprechenden Fall. So ist auch in einer panischen Situation klar, was zu tun ist. Diese Expertenanweisungen können auch abgerufen werden, wenn keine Netzverbindung besteht.

Nicht nur Warnungen zum eigenen Standort können die Warn-Apps anzeigen.  Informationen zu anderen Gebieten lassen sich zusätzlich abrufen. Hier beschränkt sich Katwarn allerdings auf sieben weitere Orte.

Damit Warnungen nicht nur den einzelnen Nutzer erreichen, können alle Hinweise von Katwarn und NINA auch per E-Mail, SMS oder über soziale Netzwerke weitergeleitet werden. Obwohl beide Apps grundsätzlich kostenfrei sind, können bei der Weiterleitung von Warnungen - je nach Netzanbieter - Kosten entstehen.

Unser Fazit: Kombinieren, wenn’s der Akku schafft

Die vielen besorgniserregenden Nachrichten, die täglich verbreitet werden, scheinen neue Gefahren zu bergen und Katastrophen wahrscheinlicher werden zu lassen. Als Reaktion auf den Amoklauf in München am 22.07.2016 wurde Katwarn über 500.000 Mal heruntergeladen, auch NINA ist mittlerweile auf hunderttausenden mobilen Geräten zu finden. Bewährt haben sich beide Programme, und um deren Service und Stabilität zu sichern, werden Funktionen und Ressourcen immer wieder erweitert.

Wer sich mit einer dieser Warn-Apps sicherer fühlt, sollte nur zwei Dinge beachten:

Da Katwarn gerade lokal sehr stark vernetzt ist, NINA hingegen auf die Warnsysteme des Bundes zurückgreifen kann, liegt die Entscheidung für oder gegen eines dieser Programme aktuell in genau diesem Unterschied. Wer also alle Hinweise und Warnungen erhalten möchte, sollte beide Apps auf Smartphone oder Tablet installieren. Dann steht höchstens noch die Akkuleistung im Wege. Denn wer jederzeit gewarnt werden will, muss auch immer am Netz bleiben.