Mobilfunk-Trend: Von der klassischen SIM-Karte zur eSIM

29.12.2017

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Die klassische SIM-Karte ist vom Handy nicht wegzudenken, doch ihr Ende steht kurz bevor. Die moderne eSIM wird das ältere Format ablösen und den Mobilfunkmarkt gehörig aufmischen – zum Vorteil der Verbraucher. Verivox wirft einen Blick zurück auf die Geschichte der SIM-Karte und zeigt den Nutzen des neuen Kartenformats.

Die klassische SIM-Karte wird bald Geschichte sein. Denn die sogenannte eSIM ist auf dem Vormarsch. Sie wird das alte Format auf lange Sicht ersetzen. Das Geheimnis der eSIM: Sie ist fest im Gerät verbaut und bequem über Funk programmierbar. So erklärt sich auch der Name: Das „e“ in eSIM steht für „embedded“, also eingebaut. Was sicher keiner vermissen wird, ist das Anpassen der herkömmlichen SIM-Karten an den dafür vorgesehenen Steckplatz im Gerät. Das lästige Hantieren mit Schere und Büroklammern wird bald Geschichte sein.

Ohne SIM-Karte keine Handynutzung

Die erste Handykarte kam vor bald 27 Jahren auf den Markt. Der Münchner Hersteller Giesecke Devrient lieferte 1991 erstmals 300 SIM-Karten an den finnischen Mobilfunkanbieter Elisa. Schon damals zeichnete die Karten etwas Entscheidendes aus: Ohne sie war keine Nutzung des Mobilfunknetzes denkbar, wenn man von Notrufen absieht. Die SIM-Karte – egal ob klassisch oder als eSIM – ist und bleibt der alleinige Schlüssel zum Handynetz.

Mit der SIM, kurz Subscriber Identity Module, identifiziert der Provider den jeweiligen Nutzer. Die praktischen Karten haben außerdem eine PIN, um vor unbefugter Nutzung und Missbrauch zu schützen. Zusätzlich sind die auf der Karte gespeicherten Daten verschlüsselt. Seit Juli 2017 müssen Mobilfunkkunden in Deutschland beim Kauf einer Prepaid-SIM-Karte ihren Ausweis vorlegen.

Kompaktes Speicherplatz-Wunder: Von 3 Kilobyte auf mehrere Gigabyte

Ein Blick zurück zeigt den weiten Weg, den die SIM-Karte in ihrer Entwicklung zurückgelegt hat. Was heutige Modelle von früheren unterscheidet, ist das breitere Anwendungsspektrum und der Speicherplatz. Die heutigen Karten speichern Daten, wie zum Beispiel Fotos und Videos, oder werden sogar zum mobilen Bezahlen eingesetzt. Diese modernen Funktionen hätten die ersten Exemplare mit gerade einmal 3 Kilobyte Speicherplatz niemals gepackt. Inzwischen hat sich die SIM-Karte zum kleinen Prozessor von mehreren Gigabyte gemausert.

Trend: Kleinere Karten, mehr Funktionen

Heute kann sich kaum einer vorstellen, dass die ersten SIM-Karten so groß wie eine Kreditkarte waren. Wie die Handys wurden die Karten mit der Zeit immer kleiner und flacher gebaut. Und der Trend geht weiter: Elektronische SIM-Karten sind noch einmal 90 Prozent kleiner als Nano-SIMs, das derzeit kleinste übliche Kartenformat.

Während die Karten immer kleiner wurden, kamen im Zeitalter der Smartphones immer mehr Funktionen dazu. Waren Handys früher zum Telefonieren und Simsen da, so sind moderne Smartphones regelrechte „kleine Computer“.

Mit dem neuen Karten-Standard wird sich noch viel mehr ändern als bloß die Abmessung. Das sind die wichtigsten Änderungen im Überblick:

1. Wie ein weißes Blatt: eSIM-Karten sind überschreibbar

Die eSIM kann immer wieder neu programmiert werden. Für die Verbraucher bedeutet das, dass sie ihren Anbieter zukünftig viel leichter und schneller wechseln können als heute. „Jeder Kunde kann künftig mehrere Tarife gleichzeitig speichern, etwa für die Nutzung im In- und Ausland oder für private und berufliche Zwecke“, so Christian Schiele vom Verbraucherportal Verivox. „Die Laufzeiten der Verträge ändern sich dadurch jedoch nicht.“ Damit steigt der Einfluss der Hersteller gegenüber den Mobilfunkanbietern. Denn diese könnten selbst Handy-Tarife mit den passenden eSIM-Profilen anbieten. Außerdem bietet das neue Format technische Vorteile: Weil eSIMs so klein und flach sind, können sie zum Beispiel in smarten Uhren Platz finden – für eine herkömmliche SIM-Karte undenkbar.

2. Kommunikation wird groß gedacht: Internet der Dinge mit der eSIM

Die eSIM wird auch vor anderen Geräten keinen Halt machen. Die Karten könnten in Autos, Fahrrädern, Messgeräten oder in Drohnen verbaut werden. Weiterer Pluspunkt: Die praktischen Winzlinge müssen nicht ausgetauscht und können per Funk programmiert werden. Gerade bei schwer zugänglichen Geräten, wie bei fest verbauten Modulen im Auto, ein entscheidender Vorteil. Schon 2018 könnte die Zahl der internetfähigen IT-Geräte die Zahl der internetfähigen Smartphones überholen.

3. Vorübergehende Koexistenz: Alter Standard bleibt zunächst parallel bestehen

Die Prognose für die kommenden Jahre lautet: Beide Standards, die eSIM und die herkömmliche SIM-Karte, werden erst einmal parallel existieren. Das wird auch den Mobilfunkmarkt verändern: Weil die Einführung der eSIM teuer ist, dürften vor allem große Hersteller, wie Apple und Samsung, ihren Vorsprung weiter ausbauen.