iPhone 5S im Test: LTE für alle

29.10.2013

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg/Linden - Unterstützte das iPhone 5 LTE lediglich im Netz der Telekom, funkt das neue 5S nun endlich auf allen hierzulande genutzten 4G-Frequenzen. Und auch sonst hat das neue Apple-Smartphone eine ganze Menge Neuheiten im Gepäck. Das iPhone 5S jetzt im Test.

Da freuen sich vor allem O2 und Vodafone: Mit dem iPhone 5S können Apple-Fans endlich auch in deren Netzen den superschnellen Datenfunk LTE nutzen. Bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreicht der Transfer dabei im Download. Ein solches Tempo war mit dem Vorgänger noch Telekom-Kunden vorbehalten, weil das iPhone 5 lediglich ein einziges hierzulande genutztes Frequenzband unterstützt (1800 Megahertz), welches aktuell aber ausschließlich die Telekom im Einsatz hat. Doch auch hinsichtlich des guten, alten UMTS-Netzes hat sich etwas getan: Im Gegensatz zum Vorgänger beherrscht das iPhone 5S nämlich auch DC-HSDPA, kann also Daten aus zwei benachbarten UMTS-Zellen gleichzeitig empfangen, was die nominale Übertragungsrate auf stolze 42 Megabit pro Sekunde verdoppelt. Man muss also gar nicht mal zwingend eine Datenoption mit LTE zum neuen Apfelhandy buchen.

Klasse statt Masse

Auch der Prozessor gibt mächtig Gas: In den Benchmarks räumte der A7 durch die Bank weg ab, sodass unterm Strich die Gesamtwertung 133 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones liegt. Da müssen sich sogar Boliden mit dem Snapdragon 800 wie das Sony Xperia Z Ultra oder Samsung Galaxy Note 3 klar geschlagen geben. Das Überraschende: Der A7-Chip besteht nicht aus vier, sondern aus lediglich zwei Kernen, die zudem nur mit 1,3 Gigahertz getaktet sind! Auch der Arbeitsspeicher von einem Gigabyte ist für Topmodelle heutzutage karg. Ja, Apple hat seine Hard- und Software bekanntermaßen exzellent im Griff, doch im Fall des iPhone 5S haben die Kalifornier noch ein Ass im Ärmel – und damit ist nicht die 64-Bit-Architektur gemeint, die momentan noch herzlich wenig praktischen Nutzen hat, weil erst einmal nur die vorinstallierten Apps die breiteren Datenpakete unterstützten; Drittanbieter müssen ihre Apps erst einmal umschreiben. Vielmehr wird der A7 erstmals von einem Co-Prozessor unterstützt, der auf den Namen M7 hört. Dieser ist offiziell lediglich für das Management der Sensoren zuständig, nimmt dem Hauptprozessor aber offensichtlich deutlich mehr Arbeit ab. Hintergrund für diesen Schritt dürfte sein, dass Apple an einer eigenen Lösung zur Indoor-Navigation bastelt, also etwa in Flughäfen, Einkaufzentren oder Museen, wo GPS nutzlos ist. Außerdem pfeifen die Spatzen ja schon länger von den Dächern, dass Apple eine Smartwatch plant, und auch zu der wird dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der M7 Kontakt halten. Ein Hochleistungs-Chip und ein sparsamer fürs Grobe, das sieht nach einem zukunftsweisenden Konzept aus.

Fest verbauter Akku

Dennoch verbrauchen zwei Prozessoren natürlich mehr Strom als einer, und die Kapazität des selbstverständlich auch diesmal wieder fest verbauten Akkus stieg lediglich marginal an, von 1.440 auf 1.570 Milliamperestunden um genau zu sein. Doch im Laufzeittest, der Wiedergabe eines Videos mit maximaler Displayhelligkeit im Flugmodus, erzielte das 5S mit 411 statt 394 Minuten sogar einen etwas besseren Wert als sein Vorgänger. Damit setzt das neue iPhone keine neue Rekordmarke, liegt aber immerhin 17 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt. Der freilich nicht eben hoch liegt, wie jeder weiß, der sein Smartphone schon mal intensiv genutzt hat: Stundenlanges Lesen von Mails beispielsweise lässt die Stromreserven dramatisch schrumpfen, von der Navigation per GPS ganz zu schweigen. Sparsamkeit bleibt also auch beim iPhone 5S oberstes Gebot.

Das Knusperhäuschen der NSA

Neuerung Nummer drei: Unter dem Home-Button verbirgt sich nun ein Fingerabdruck-Scanner. Bei diesem muss man nicht wie bisher üblich den Daumen über einen Lesestreifen ziehen, sondern es reicht aus, den Finger einfach auf den Knopf zu legen. Im Bruchteil einer Sekunde ist das Gerät entsperrt. Auch das Anlegen der Fingerabdrücke klappt relativ zügig und gewohnt einfach. Auch Log-Ins lassen sich mit Hilfe des Scanners durchführen, Käufe in iTunes müssen daher nicht länger mühsam mit dem Passwort bestätigt werden. Das ist schon enorm komfortabel. Auch Drittanbieter-Apps können diese Funktion nutzen, da wird also vermutlich noch einiges auf Apple-Kunden zukommen. Auf der anderen Seite birgt dies natürlich ein gewisses Risiko – gerade in heutigen Zeiten sollte sich deshalb jeder gut überlegen, ob er diese Funktion nicht vielleicht ausgeschaltet lässt. Selbstverständlich versichert Apple, dass die Fingerabdruckdaten ausschließlich im iPhone gespeichert werden, nicht auf den Servern des Unternehmens, und auch das lediglich in indirekter Form als Prüfsumme („Hashwert“). Trotzdem: Man hat ja gelernt, dass US-amerikanische Behörden nicht nur Firmen wie Apple zur Mitarbeit und Herausgabe von Daten zwingen, sondern sie gleichzeitig auch zu Stillschweigen verdonnern können. Fingerandrücke von Millionen Apple-Kunden: Das hört sich ganz nach einem feuchten Traum der NSA-Strategen an. Somit sollte sich wirklich jeder Käufer reiflich überlegen, was er tut. Zumal sich Fingerabdrücke auch relativ einfach kopieren lassen: Der Chaos Computer Club hat in einem Video demonstriert, wie sich der Fingerabdruck-Scanner des iPhone 5S durch einen Latex-Abdruck austricksen lässt, der von einem Abdruck auf einem Wasserglas angefertigt worden war.

Kennen wir uns nicht?

Bei der restlichen Ausstattung hat sich hingegen nichts getan: So sucht man NFC weiterhin vergebens, und der interne Speicher von wahlweise 16, 32 oder 64 Gigabyte kann nicht erweitert werden – je nach Geldbeutel: Apple ruft ohne Vertrag 699, 799 respektive 899 Euro auf. Auch das IPS-Display entspricht haargenau demjenigen des Vorgängers: Es bleibt also bei knapp 50 x 89 Millimetern und 640 x 1136 Bildpunkten und einer Schärfe von 165 Pixel pro Quadratmillimeter (326 ppi). Das war zu Zeiten des iPhone 5 vor einem Jahr noch ein guter Wert, rangiert heute jedoch bereits fünf Prozent unter dem Durchschnitt. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass man deswegen beispielsweise kleine Texte nun schlechter lesen könnte als früher, doch der Stand der Display-Technik entspricht nicht mehr dem exorbitant hohen Niveau der Preise. Da bietet die Konkurrenz für weniger Geld modernere Mattscheiben.

Mehr Licht

In der Abteilung Multimedia ist eine neue Kamera zu vermelden. Diese nimmt Fotos weiterhin mit 7,99 Megapixel und Video in Full HD (1920 x 1080 Pixel) auf, doch wurden der Sensor und damit jedes einzelne lichtempfindliche Pixel darauf größer. Üppigere Sensor-Pixel fangen mehr Licht ein, weshalb ihr Signal weniger kräftig verstärkt werden muss, und eben jene Verstärkung verursacht das gefürchtete Bildrauschen, das insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen bunte Fehlpixel ins Bild zaubert. Außerdem ist die Optik nun mit Blende 2,2 statt 2,4 etwas lichtstärker als die des Vorgängers. Und in der Tat erkennt man bei mäßigem Licht einen Vorteil der neuen Technik: Nicht nur das Bildrauschen wurde geringer, auch gelingen mitunter Fotos, die zuvor verwackelt waren. Die Schärfe wurde noch einen Hauch besser und gelegentliche Komprimierungsartefakte, die beim iPhone 5 teilweise in der Vergrößerung zu erkennen waren, sind beim iPhone 5S nun verschwunden. Mit Smartphones wie dem Nokia Lumia 925 oder Lumia 1020 mit optischem Bildstabilisator kann das 5S allerdings nicht mithalten.

Zwielicht

Der neue „TrueTone“-Blitz führt hingegen zu nicht ganz so signifikanten Verbesserungen. Dieser besteht aus zwei Elementen: Neben der weißen sitzt nun eine bernsteinfarbene LED, sodass die Lichttemperatur des Blitzes der Umgebungsbeleuchtung angepasst werden kann. Gesichter leuchtet das Duo tatsächlich weniger krankweiß aus, doch könnten Farbe und Intensität des Blitzes noch deutlich optimiert werden. Aber gewiss ein guter Schritt in die richtige Richtung. Die Full-HD-Videos sind superscharf, weisen keinerlei Komprimierungsartefakte auf und sind stets prima belichtet. Die können sich wortwörtlich sehen lassen! Aber das war ja auch schon beim iPhone 5 der Fall, hier lässt sich keine Qualitätsverbesserung erkennen. Ein Ärgernis bleibt hingegen, dass der Autofokus nur einmal zu Beginn und dann nie wieder scharfstellt. Positiv wiederum: Bei gleicher Qualität hat Apple die Datenrate von 17 bis 18 auf 15 bis 16 Megabit pro Sekunde reduziert, weshalb die Videos etwas weniger Speicherplatz beanspruchen. Der neue Zeitlupen-Modus mit 120 Bildern pro Sekunde bringt in der Praxis nicht allzu viel, außerdem sind die Clips dann nur 1280 x 720 Pixel groß. Nicht zuletzt funktioniert der True-Tone-Blitz offenbar nur bei Fotos: Im Test aktivierte das 5S bei Videoaufnahmen stets nur die weiße LED. Der Klang des Musikplayers ist wie immer top.

iOS 7

Die Bedienung hat sich nicht wesentlich verändert: Apple scheut sich weiterhin, das Grundprinzip zu renovieren. Die Icons waren vor sechs Jahren beim ersten iPhone eine geniale Revolution, heutzutage aber gefallen Android mit seinen Widgets und Windows Phone mit seinen Kacheln besser, weil individueller und moderner. Im Gegenzug müssen sich iPhone-Nutzer im Fall einer Umstellung auf iOS 7 aber nicht umgewöhnen. Hinter den Kulissen hat sich dennoch einiges getan. So wird nun echtes Multitasking unterstützt, die Apps laufen also im Hintergrund weiter – in der Einstellung „Hintergrundaktualisierung“ kann festgelegt werden, welche Programme diese Option nutzen dürfen. Telefonate, Facetime-Anrufe, SMS und iMessages können nun für einzelne Kontakte blockiert werden, alternativ lassen sich eingehende Anrufe mit vorgefertigten Textnachrichten ablehnen. Gefühlte hundert weitere Optimierungen im Detail ergänzen die neue Version des Betriebssystems. Negativ fielen im Test vor allem die kleineren, dünneren Schriften auf, die schlechter lesbar sind als diejenigen von iOS 6.

Liebesgrüße von Android

Am relevantesten in der Praxis dürften aber die Fenster sein, die sich vom oberen und unteren Bildrand durch eine Wischgeste einblenden lassen. Im neuen Nachrichtenzentrum, das sich durch drei Karteireiter („Heute“, „Alle“, „Verpasst“) filtern lässt, finden sich nun unter anderem auch Termine. Über die Einstellung „In der Zentrale“ kann der Anwender festlegen, welche Events dort angezeigt werden sollen. Im Kontrollzentrum unten sitzen in guter, alter Android-Manier Schnellzugriffe wie Flugmodus, WLAN, Bluetooth oder Kamera – nicht aber GPS. Beide Zentren bergen indes ein Sicherheitsrisiko, weil sie sich auch bei gesperrtem Gerät aufrufen lassen. Ein unbefugter Finder hätte dadurch die Möglichkeit, beispielsweise den Flugmodus zu aktivieren oder Termine einzusehen respektive zu löschen. Zwar kann immerhin das Kontrollzentrum vom Sperrbildschirm verbannt werden, doch ist dies in den Werkseinstellungen nicht der Fall.

Fazit

Wie schon in den Jahren zuvor, stellt auch das neue iPhone 5S lediglich eine Evolution dar, keine Revolution. Design und Display blieben identisch, ebenso wie das Bedienkonzept. Der Fingerabdruck-Scanner mag zwar komfortabel sein, dessen praktischer Bedeutung stehen jedoch erhebliche Sicherheitsbedenken gegenüber. LTE und das neue superschnelle Prozessor-Duo sind wichtige Neuerungen, doch das war’s auch schon. Die Verbesserung der Fotoqualität ist zwar löblich, aber geringfügig, wenngleich auf hohem Niveau. Somit bleibt LTE der einzige zwingende Grund für einen Umstieg auf das iPhone 5S – sofern man nicht sowieso schon als Telekom-Kunde das iPhone 5 besitzt.

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