Huawei P10 Lite im Test: neues Modell der beliebten Reihe

09.06.2017

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Die Lite-Modelle von Huawei gehören schon seit mehreren Jahren zu den beliebtesten Smartphones: abgespeckte Flaggschiffe zu entsprechend günstigeren Preisen. Dieser Test arbeitet die Unterschiede zum P10 heraus, ebenso wie zum Vorgänger, dem P9 Lite.

Das P10 Lite kommt mit 5,2 Zoll großem Touchscreen, Octa-Core-Prozessor und 12-Megapixel-Kamera – allerdings ohne die Leica-Doppellinse des P10. Dafür rufen die Chinesen für ihren Leichtmatrosen auch nur 349 statt 599 Euro auf, die Straßenpreise liegen jetzt zum Start sogar glatte 300 Euro auseinander. Doch worin unterscheiden sich P10 und P10 Lite genau? Und wie schlägt sich das Vorjahresmodell P9 Lite im Vergleich zum Novizen?

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Display

Der Touchscreen unterscheidet sich schon mal nicht sonderlich: 5,2 Zoll oder 132 Millimeter misst er beim P10 Lite, exakt so wie beim Vorjahresmodell. Das Flaggschiff P10 mit seinen 5,1 Zoll respektive 129 Millimeter ist sogar ein bisschen kleiner, in der Fläche macht das aber lediglich 4 Prozent. Gleiches gilt für die Auflösung, die bei allen dreien 1080 x 1920 Pixel beträgt. Damit kommt der Proband auf eine Schärfe von 278 Pixel pro Quadratmillimeter oder 424 ppi: Das entspricht genau dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones. Auch die Darstellungsqualität kann sich dank Dual-Domain-IPS-Panel sehen lassen: Die Blickwinkelstabilität ist hervorragend, die Icons wirken beinahe wie aufgedruckt. Einzig die Helligkeit von in der Mitte gemessenen 438 Candela pro Quadratmeter könnte etwas besser ausfallen, damit rangiert der Proband glatte 10 Prozent unter dem Durchschnitt. Das stellt kein Ausschlusskriterium dar, sollten Interessenten aber vor dem Kauf wissen. Das P9 Lite ist mit 450 Candela auch nicht heller, allein das P10 schippert mit 510 Candela knapp über dem Mittelwert. Doch das ist nur ein marginaler Unterschied, alle drei spielen in derselben Liga. Weshalb das Display nicht als Merkmal für die Kaufentscheidung taugt.

Prozessor

Als Rechenchip steckt der Kirin 658 unter der Haube, dessen 8 Kerne je zur Hälfte mit 2,4 und 1,7 Gigahertz getaktet sind. Dazu gesellt sich die Mali T830 MP2 als Grafikmodul sowie ein Arbeitsspeicher mit überraschend üppigen 4 Gigabyte: Enorm für diese Preisklasse. Mit dieser Ausstattung erzielt das P10 Lite in der Gesamtwertung von mehr als 50 Einzelwerten aus 15 Benchmarks ein Ergebnis, das 16 Prozent unter dem Mittel bleibt. Klingt nicht gerade verlockend, muss aber im Kontext gesehen werden. Denn die durchschnittliche Prozessorleistung stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an, auch unterdurchschnittliche Ergebnisse können deshalb gewissen Zielgruppen vollauf ausreichen. Und so kommt der Kandidat im grafisch anspruchsvollen Spiel „Dead Trigger 2“ auf 35 Bilder pro Sekunde; das beste Ergebnis aktuell stammt vom derzeit stärksten Android-Smartphone, dem Samsung Galaxy S8+, das hierbei 47 Bilder pro Sekunde schafft und fast dreimal mehr kostet. Dies wissend, dürfte sich so mancher Interessent wohler mit dem Resultat des P10 Lite fühlen. Zumal es in Relation zum Preis haargenau dem Durchschnitt entspricht. Für Normalnutzer reicht die Leistung rundum aus, nur wer wirklich maximale PS braucht, wird mehr wollen … und muss dafür auch entsprechend tiefer in die Tasche greifen. Das P10 wäre für diese Zeitgenossen eine gute Wahl, liegt es doch satte 87 Prozent über dem Mittel und gehört damit zu den Top Ten der Prozessor-Charts. Das P9 Lite rangiert aktuell 25 Prozent unter dem Schnitt, das macht keinen gravierenden Unterschied im Vergleich zum P10 Lite aus.

Akku

Der fest verbaute Stromspeicher fasst 2.900 Milliamperestunden; die Herstellerangabe von 3.000 bezieht sich auf die maximale Kapazität, üblicherweise wird jedoch die typische genannt, weil diese in aller Regel der Realität näherkommt. Darüber zu diskutieren wäre ohnehin ein Streit um Kaisers Bart, denn heutzutage sagen diese Zahlen wenig aus über das Durchhaltevermögen eines Mobiltelefons. Einzig Laufzeittests bringen valide Erkenntnisse. Und hierbei hält der Kandidat 414 Minuten lang durch: 21 Prozent unterdurchschnittlich. Das dürfte sogar für manchen Normalnutzer zu knapp sein, Intensivnutzer können sich darauf einstellen, tagsüber zwischentanken zu müssen. Wirklich überraschen kann dieses Ergebnis nicht, denn die Laufzeit war schon immer die Achillesferse der Lite-Modelle von Huawei: Das P9 Lite liegt mit 418 Minuten quasi gleichauf, das P8 Lite mit 326 Minuten gar 38 Prozent unter dem Mittel. Beim P10 sieht die Sache schon ganz anders aus: Obwohl auch „nur“ mit 3.100 Milliamperestunden ausgerüstet, hält das Flaggschiff satte 898 Minuten im Test aus und segelt damit aktuell saubere 33 Prozent über dem Mittel. Damit kommen alle Normalnutzer locker durch den Tag, selbst die meisten Intensivnutzer werden nicht nachladen müssen. Wer also nicht auf Akkupacks oder Steckdosen angewiesen sein möchte, sollte daher lieber eine Alternative zu den Lite-Versionen ins Auge fassen.

Ladezeiten

Ausgeliefert wird das P10 Lite mit einem Netzteil, das bis zu 18 Watt produziert: Viel für ein Smartphone. Entsprechend schnell ist auch der Akku geladen. Der zuvor vollständig entleerte Stromspeicher ist bereits nach 15 Minuten wieder zurück auf 27 Prozent, nach 30 Minuten sind es 50 Prozent und nach einer Stunde 86 Prozent. Für die komplette Ladung braucht der Kandidat 103 Minuten, was angesichts der Akkukapazität 18 Prozent schneller ist als üblich. Damit gibt sich das Huawei P10 Lite insgesamt für heutige Verhältnisse eher moderat, doch gerade wenn die Kraftzelle schon recht leer ist, bringen selbst kurze Zeiten eine Menge. Oder salopp formuliert: Im Notfall geht’s flott, und darauf kommt es primär an. Bedacht sei jedoch, dass schnelles Laden den Akku bis zu fünfmal mehr abnutzen kann als üblich, siehe hierzu die Ausführungen im Rahmen des Tests des Sony Xperia X. Das P10 lädt noch ein wenig schneller, genauer gesagt 26 Prozent zügiger als üblich. Das P9 Lite hingegen lässt sich hierbei alle Zeit der Welt und rangiert 38 Prozent unter dem Mittel – jeweils in Relation zur typischen Kapazität des Akkus.

Speicher

Der interne Speicher fasst jetzt 32 statt wie beim P9 Lite aus dem letzten Jahr 16 Gigabyte. Von diesen bleiben nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps noch 18,1 Gigabyte netto übrig. Das geht in Ordnung für diesen Preis, netto sind es sogar 13 Prozent mehr als man für dieses Geld erwarten dürfte. Erweitert werden kann das Gedächtnis mittels Micro-SD-Karte, und das offiziell um bis zu 256 Gigabyte. USB On-the-Go beherrscht das P10 Lite im Gegensatz zum seinem Vorgänger ebenfalls, mit Hilfe eines optionalen Adapters lassen sich also zum Beispiel USB-Sticks anschließen. Anders als beim P10, das übrigens 64 (netto: 48) Gigabyte Speicher vorweist, handelt es sich jedoch nicht um den neuen USB-Anschluss vom „Typ C“, sondern um den guten, alten Micro-USB. Die Übertragungsgeschwindigkeit tangiert dies ohnehin nicht, weil der Standard weiterhin Version 2.0 verwendet; das schnelle USB 3.1 unterstützen derzeit nur einige wenige Topmodelle. Vorteil von USB-C sind daher primär die beidseitig verwendbaren und damit erheblich einfacher einzustöpselnden Kabel. Auf der anderen Seite können Käufer eines P10 Lite dank Micro-USB-Buchse altes Zubehör wie Ladekabel weiterverwenden ohne Adapter kaufen zu müssen.

Echtes Dual-SIM

Anders als bei etlichen anderen Huawei-Telefonen hierzulande gibt es vom P10 Lite gleich zum Start auch eine Dual-SIM-Version. Diese verfügt über drei Schächte: zweimal Nano-SIM und einmal Micro-SD. Nutzer müssen sich also nicht wie bei Hybrid-Slots zwischen Speichererweiterung und zweiter SIM-Karte entscheiden. Weil aber auch eine Single-SIM-Version vertrieben wird, sollten Interessenten explizit darauf achten oder nachfragen, dass sie auch wirklich die Dual-SIM-Version erwerben.

Weitere Ausstattung

In LTE-Netzen empfängt das P10 Lite Daten mit nominal 300 Megabit Sekunde und damit doppelt so schnell wie das Vorjahresmodell. Das P10 verdoppelt seinerseits noch einmal auf 600 Megabit. Alles nominal, wohlgemerkt, denn die in der Praxis tatsächlich erzielbare Geschwindigkeit liegt deutlich darunter, in Abhängigkeit von Netzbetreiber, Ausbau am Standort, Zahl der Nutzer in der Zelle und nicht zuletzt muss der Vertrag auch das jeweilige Tempo unterstützen. Weshalb der „gefühlte“ Datenempfang der drei besagten Huawei-Smartphones in aller Regel dichter beieinanderliegen dürfte als es diese immensen Zahlen suggerieren. Weit wichtiger in der Praxis dürfte für die Meisten daher sein, dass das P10 Lite nun WLAN ac beherrscht, also den aktuellsten Standard der Flurfunk-Technik. Damit ist man nicht nur schneller, sondern erhält beispielsweise in Hotspots mit 5 Gigahertz Zugang, wo das alte 2,4-Gigahertz-Band von WLAN g längst überfüllt ist. Mit Bluetooth 4.1 blieb es beim Standard des Vorgängers, allein das P10 unterstützt Bluetooth 4.2; die Unterschiede liegen primär in Optimierungen des „Low Energy“-Modus, in dem Zubehör wie Fitness-Armbänder oder Smartwatches Verbindung mit dem Mobiltelefon aufnehmen. Nicht zuletzt haben die Entwickler den SAR-Wert von recht hohen 1,38 auf vertretbare 0,89 Watt pro Kilogramm (Kopf) reduzieren können. Es geht aber auch noch erheblich geringer: Das kürzlich getestete Motorola Moto G5 Plus für ebenfalls 279 Euro kommt auf gerade mal 0,297 Watt. Alle drei Huaweis haben NFC, Fingerabdruck-Sensor sowie eine Info-LED an Bord und sind per Nano-Coating gegen Feuchtigkeit geschützt. Das kommt zwar nicht annähernd einem Schutz nach IP 67 oder höher gleich und steht erst recht nicht für eine Herstellergarantie auf Wasserschäden, kann im Ernstfall aber trotzdem helfen, weil Flüssigkeiten an sämtlichen Bauteilen innen wie außen abperlen. Wer also sofort nach dem Unglück das Telefon ausschaltet, 12 bis 24 Stunden trocknen lässt und vor allen Dingen auf keinen Fall die USB-Buchse nutzt, hat zumindest bessere Chancen als ohne Nano-Coating.

Foto

Die Kamera-App hat sich kaum verändert, Auto-HDR wird weiterhin nicht unterstützt. Weggefallen ist leider der Autofokus-Indikator, also der Kreis, der beim P9 Lite noch anzeigt, wenn der Scharfsteller sein Werk getan hat. Beim P10 Lite muss der Anwender deshalb darauf achten, wann die Bildschübe beendet sind, was in sehr dunklen oder hellen Umgebungen nicht immer eindeutig zu erkennen ist. Das bedeutet Punktabzüge in der Handhabungswertung. Diese werden teilweise aber dadurch kompensiert, dass nun sämtliche Modi auf eine Seite passen, Anwender also nicht mehr scrollen müssen.

Sensor

Die Frontkamera nimmt Fotos wie gehabt mit 8 Megapixel auf, arbeitet aber im Gegensatz zu P9 Lite und sogar P10 mit Autofokus statt des üblichen Festfokus. Doch leider sieht man davon in den Ergebnissen nicht viel: Auch beim P10 Lite wirken sämtliche Selfies nicht wirklich scharf. Der rückwärtige LED-Blitz liefert 33 Lux und damit weniger als die 58 Lux des Vorgängers. Allerdings haben die Chinesen die Pixel auf dem Fotosensor von 1,12 auf 1,25 Mikrometer vergrößert, diese fangen also etwas mehr Licht ein. Weshalb Resultate mit Blitz in etwa so hell ausfallen wie beim P9 Lite, der Nahbereich ist mithin passabel ausgeleuchtet. Die Blitz-Fotos des P10 Lite wirken außerdem durch die Bank weg wärmer als jene des Vorgängers, was beispielsweise Gesichtern durchaus zugutekommt. Heller als beim Vorgänger sind die Aufnahmen aber nicht, denn das Objektiv des P10 Lite schattet mit einem Blendenwert von f 2,2 statt 2,0 etwas mehr ab. Ein Schritt vor und einer zurück, sozusagen.

Bildqualität

Die Hauptkamera löst mit 11,8 statt 13 Megapixel auf und erzeugt bei guten Lichtverhältnissen wie tagsüber im Freien ordentliche Ergebnisse. Die Schärfe ist gut und mitunter etwas höher als beim Vorgänger, nimmt aber in der linken oberen Ecke ab. Zu wünschen übrig lassen die Details, die teilweise verwaschen. Bei schlechten Lichtverhältnissen macht sich das Fehlen eines optischen Stabilisators bemerkbar, die Aufnahmen verwackeln mithin schneller. Um dieses Risiko zu reduzieren, greift die Software zu höheren ISO-Werten und verkürzt die Belichtungszeit, was wiederum das Bildrauschen erhöht. Letzteres fällt tendenziell eine Spur geringer aus als beim Vorjahresmodell, bleibt aber trotzdem noch etwas höher als für Smartphones allgemein üblich. Weil jedoch einige Aufnahmen im Test unschärfer waren, lässt sich unterm Strich kein Vorteil des P10 Lite bei schlechten Lichtverhältnissen konstatieren. So wie auch in der Gesamtwertung, weshalb es bei einem „Befriedigend“ in der Fotowertung bleibt. Das P10 kann hier immerhin ein knappes „Gut“ vorweisen und punktet zudem mit einem quasi verlustfreien zweifachen Hybrid-Zoom.

Video

Bewegtbilder zeichnet der Proband wie sein Vorgänger mit 1920 x 1080 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde auf, ebenso wie auf der Front. Die Schärfe fällt zwar besser aus als beim P9 Lite, lässt aber immer noch sehr zu wünschen übrig, weil ziemlich viele Details verwaschen. Der Stereo-Ton gefällt etwas besser als beim Vorläufer. Gelobt werden muss zudem der enorm stabile Autofokus, der im Gegensatz zu vielen Konkurrenten quasi niemals unnötig nachzieht. Deshalb kann das P10 Lite trotz aller Kritik noch ein „Ausreichend“ ernten – wie schon das P9 Lite. In einer gänzlich anderen Liga spielt hier das P10, dessen Videos in Ultra HD (3840 x 2160 Pixel) wunderbar scharf und detailreich sind, und das damit ein glattes „Sehr gut“ kassiert. Wer also regelmäßig Videos aufzunehmen gedenkt und dabei Wert auf Qualität legt, kommt innerhalb dieses Trios nicht am P10 vorbei.

Audio

Am Referenz-Kopfhörer, den Ultimate Ears Reference Monitors, produziert der Proband einen kräftigen, harmonischen Sound. Wie beim P10 und dem P9 Lite könnten die Höhen aber mehr Spritzigkeit und Räumlichkeit vertragen. Die Bässe wirken indes nicht so überrepräsentiert wie beim P10 und dadurch eine Spur präziser. Das macht zudem den Gesamteindruck etwas klarer, weniger „dumpf“. Damit ergattert das P10 Lite in der Audiowertung einen Punkt mehr als das P10 und P9 Lite, der den Unterschied macht zwischen einem strammen „Gut“ und einem knappen „Sehr gut“.

Verarbeitung

Die gerundeten Maße von 72 x 146 x 7,2 Millimeter unterscheiden sich von den 73 x 147 x 7,4 Millimetern des Vorgängers nur um Haaresbreite, auch das Gewicht von 142 statt 146 Gramm fällt nur unwesentlich geringer aus: Das spürt man nicht, wenn man beide zur Hand nimmt. Auch die Differenz zum P10 mit 70 x 145 x 7,2 Millimetern und 146 Gramm darf vernachlässigt werden. Sogar die Verarbeitung fällt bei allen drei Chinesen gleich aus und gibt keinerlei Grund für Beanstandungen. Allerdings sollten Interessenten bedenken, dass das Flaggschiff in einem Aluminium-Unibody steckt während das P10 Lite einen Rücken aus Glas hat. Das ist zwar optisch edler als das Plastik des P9 Lite, konserviert Fingerabdrücke aber ideal. Außerdem verdoppelt eine gläserne Rückseite das Bruchrisiko im Falle eines Falles – sofern man nicht mit einer Schutzhülle vorsorgt. Im Verwindungstest erweist sich das Lite aber als ebenso stabil wie das Flaggschiff, dem massiven Metallrahmen ringsum sei Dank.

Scanner

Der Fingerabdruck-Sensor sitzt beim P10 Lite wie beim 2016-er-Modell auf der Rückseite, also nicht auf der Front unten wie beim P10. Was sich sogar als komfortabler entpuppt, denn in dieser Gegend ruht ohnehin stets der Zeigefinger, den deutlich ertastbaren Fingerabdruck-Sensor erreicht man also spielend einfach. Dagegen muss sich der Daumen beim P10 enorm krümmen, um diesen zu erreichen: wenig ergonomisch. Über den Scanner lässt sich nicht nur das Telefon entsperren, sondern man kann auch Fotos schießen, Anrufe annehmen, Alarme stoppen, das Benachrichtigungscenter öffnen und durch Galerien scrollen. Die letztgenannten Funktionen können sogar genutzt werden, ohne einen Fingerabdruck einscannen zu müssen. Gut so, denn nicht jeder mag seine Fingerabdrücke preisgeben.

Bedienung

Über Android 7.0 als Betriebssystem legt Huawei seine bekannte Nutzeroberfläche „Emotion UI 5.1“. Weshalb das P10 Lite über dieselben Software-Funktionen verfügt wie das P10 und auch die Handhabung exakt gleich ausfällt. Für Details sei daher auf den Test des Huawei P10 verwiesen. Im Vergleich zum P9 Lite fällt vor allem die Rückkehr des Menüs („App Drawer“) auf, das über eine Option in den Einstellungen schnell und einfach reaktiviert werden kann.

Fazit

Das Huawei P10 Lite unterscheidet sich vom P9 Lite in etlichen Punkten, von denen jedoch nur wenige wirklich entscheidend sind. Der Prozessor zum Beispiel ist etwas stärker, spielt aber mit 16 statt 25 Prozent unter Durchschnitt immer noch in derselben Liga. Normalnutzern reicht das aber völlig aus.

Die Laufzeit des Akkus entspricht sogar fast exakt jener des Vorgängers und rangiert 21 Prozent unter dem Mittelwert: Das könnte sogar für manchen Normalnutzer eng werden, Intensivnutzer müssen sich darauf einstellen, nachzutanken. Das klappt immerhin erfreulich schnell.

Vom nominal doppelt so schnellen LTE-Empfang mit 300 Megabit pro Sekunde spürt man in der Praxis meist ebenfalls eher wenig. Die Fotoqualität schneidet punktgleich mit „befriedigend“ ab, die Videoqualität bleibt knapp „ausreichend“, der Klang am Kopfhörerausgang verbesserte sich um einen Punkt, der jedoch zu einem knappen „Sehr gut“ führt. Das hochwertige 5,2-Zoll-Display ist ebenfalls identisch, so wie auch Verarbeitung und Handhabung.

Damit bleiben einerseits als neue Funktionen WLAN ac, der auf 32 (netto: 18) Gigabyte verdoppelte, erweiterbare Speicher, USB On-the-Go und andererseits der SAR-Wert von 0,89 statt 1,38 Watt pro Kilogramm. Nicht gerade immens viel.

Trotzdem stellt das solide, edle, ordentlich ausgestattete P10 Lite ein brauchbares Smartphone dar – sofern man über die zwei Schwächen hinwegsehen kann. Also einerseits über die magere Kamera und andererseits über die kurze Akkulaufzeit. Wer damit klarkommt, erhält vergleichsweise viel für sein Geld, denn der Proband steigt mit derzeit 279 Euro ohne Vertrag beim Preis-Leistungs-Verhältnis 13 Prozent über dem Durchschnitt ein; die meisten Neulinge der Mittel- und Oberklasse beginnen zwischen 30 und 60 Prozent darunter.

Inhaber eines P9 Lite werden aus den genannten Gründen wohl nur in den seltensten Fällen Lust verspüren, auf das P10 Lite umzusteigen. Und wer zwischen den beiden wählen will, fährt mit dem P9 Lite besser, weil dieses inzwischen ab 229 Euro zu haben ist und daher im Preis-Leistungs-Verhältnis sogar 28 Prozent über dem Durchschnitt rangiert, also noch etwas mehr bietet fürs Geld. Sofern die oben erwähnten Unterschiede inklusive des höheren SAR-Werts akzeptabel sind.

Das Huawei P10 wiederum schippert mit seinen 529 Euro aktuell glatte 30 Prozent unter dem Schnitt, punktet aber absolut gesehen mit bärenstarkem Prozessor, einer weit längeren Akkulaufzeit, mit der selbst die meisten Intensivnutzer über den Tag kommen sollten, 64 (netto: 48) Gigabyte Speicher sowie etwas besseren Fotos und weitaus gelungeneren 4KVideos. Nicht zuletzt hält dessen Aluminium-Unibody mehr aus als das beidseits gläserne P10 Lite.