HTC 10 im Test: Bereit für die starke Android-Konkurrenz?

25.04.2016

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - HTC hat sein Flaggschiff runderneuert: Haupt- und Frontkamera sollen besonders lichtstark sein und verfügen beide über einen optischen Stabilisator, unter dem 5,2-Zoll-Touchscreen sitzt nun ein Fingerabdruck-Sensor. Kann sich das HTC 10 damit gegen die Konkurrenz durchsetzen?

Unterhält man sich mit Käufern von HTC-Telefonen wie dem One M8 oder One M9, hört man in aller Regel zwei Gründe. Zuerst natürlich das Aluminium-Gehäuse, durchgehend aus einem Stück gefräst. Das ist beim HTC 10 zwar geblieben, die Rückseite identifiziert das neue Flaggschiff eindeutig als One-Modell – auch wenn es nicht mehr so heißt. Allerdings zieht sich der Metallic-Look nun nicht mehr durch bis auf die Front: Diese hüllt sich nun je nach gewählter Version ganz in Weiß oder Schwarz. Zusammen mit dem mittig unter dem Touchscreen platzierten, ovalen Fingerabdruck-Sensor fühlt man sich da unweigerlich an frühere Galaxy-Geräte von Samsung erinnert. Damit dürfte sich mancher HTC-Fan nur schwer anfreunden können. Das zweite Argument von Käufern bisher: die Stereo-Lautsprecher auf der Front. Diese sind jetzt ebenfalls Geschichte. Stattdessen kommen die Höhen nun von vorn, die Mitten und Bässe hingegen aus einem zweiten, separaten Lautsprecher in der Unterkante. Das verändert nicht nur das Aussehen, sondern auch den Sound, und von Stereo kann auch nicht mehr die Rede sein. Selbst wenn sich Lautstärke und Frequenzgang verbessert haben, dürften nicht Wenige HTC-Fans den Tagen nachtrauern, in denen sie beispielsweise Videos wie aus einem kleinen Fernseher auf ihrem M8 oder M9 betrachten konnten. Ein mutiger Schritt der Taiwaner.

Fingerabdruck-Sensor

Doch ein erforderlicher. Und auch ein in der Praxis vorteilhafter, denn während man den Fingerabdruck-Sensor noch auf die Rückseite wie etwa beim LG G5 hätte verlegen können, brauchten die Entwickler den Platz am unteren Ende für die Navigationstasten: Diese finden sich nämlich nicht länger als On-Screen-Buttons innerhalb des Touchscreens, sondern darunter. Damit steht jetzt der komplette Bildschirm für den eigentlichen Inhalt zur Verfügung. Oberhalb der Mattscheibe sitzt nun eine komplett neue Frontkamera, dazu später mehr. Nicht zuletzt gefällt der Fingerabdruck-Sensor, der zugleich als Home-Button fungiert, außerordentlich gut. Anders als bei Samsung ist er nämlich nicht mechanisch und durchbricht damit nicht das Touch-Konzept des kompletten Rests. Außerdem muss man zum Entsperren des Telefons nur den Finger auflegen und nicht erst eine Taste drücken: Das beschleunigt den Vorgang und ist bewegungstechnisch einfacher umzusetzen. Nicht zuletzt erkennt der Sensor den Daumen auch dann, wenn er aus einem extremen Winkel aufgesetzt wird, wie es beispielsweise bei der Einhandbedienung regelmäßig der Fall sein dürfte. Selbst dann, wenn man den Daumen zuvor nicht in dieser Position eingescannt hat. So soll es sein! Selbstverständlich ist das deswegen aber noch lange nicht.

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Extrem robust

Beide Veränderungen haben dem HTC 10 also gutgetan, auch wenn sich dadurch das Design massiv verändert hat. Zumindest auf der Vorderseite. Die Rückseite blieb so stabil wie eh und je: Im Verbindungstest bewegt sich der Proband nicht im mindesten, gibt keinen Mucks von sich und vor allen Dingen bleibt die Glasfront an ihrem Platz, drückt sich also nicht aufs Panel durch, was Pixel auf Dauer potenziell beschädigen könnte. Damit dürfte das HTC 10 die besten Chancen aller aktuellen Smartphones haben, einen Sturz zu überstehen – bessere jedenfalls als etwa das Samsung Galaxy S7 mit seinen Glasbeschichtungen auf Vorder- und Rückseite. Selbst das LG G5, das ebenfalls in einem Metallgehäuse aus einem Stück steckt, wirkt weit nicht so robust und wertig. Dafür nimmt man auch gern das nicht gerade geringe Gewicht von 161 Gramm in Kauf. Zumal das HTC 10 aufgrund des stark gewölbten Rückens (3,4 bis 10,0 Millimeter) trotzdem hervorragend in der Hand liegt.

Schön scharf

Den Touchscreen haben die Entwickler im Vergleich zum Vorgänger, dem One M9, nur geringfügig vergrößert: von 4,97 auf 5,15 Zoll (von 126 auf 131 Millimeter). Das macht in der Fläche ein Plus von 10 Prozent. Bei lediglich 4 Prozent üppigerem Gehäuse (72 x 146 statt 70 x 145 Millimeter). Das HTC 10 ist also kaum größer geworden, nutzt aber den Platz signifikant besser aus. Und auch die Qualität konnte sich deutlich steigern: Die Auflösung kletterte von 1080 x 1920 auf 1440 x 2560 Bildpunkte, die Schärfe mithin von 305 auf 503 Pixel pro Quadratmillimeter (von 443 auf 570 ppi). Der Kandidat ist also weit schärfer als sein Vorgänger und sogar mehr als doppelt so scharf wie der Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones. Darüber hinaus begeistert die extrem hohe Blickwinkelstabilität, wie man sie sonst nur bei OLED-Panels wie dem des Galaxy S7 findet. Allein die Helligkeit von 429 Candela pro Quadratmeter könnte etwas höher ausfallen und liegt sechs Prozent unter dem Mittel – aber das nimmt der Betrachter nicht wahr.

Bärenstarker Prozessor

Als Prozessor werkelt der Snapdragon 820 im Inneren, der aktuell mächtigste Chip aus dem Hause Qualcomm. Dessen vier Kerne sind mit 2,15 Gigahertz getaktet und werden vom kraftvollen Grafikmodul Adreno 530 sowie von stattlichen 4 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt. Damit platziert sich der Proband in der Gesamtwertung aus zwölf der bekanntesten Benchmarks mit mehr als 50 erfassten Einzelwerten 76 Prozent über dem Durchschnitt. Das LG G5 kommt mit identischer Hardware auf den nahezu selben Wert: 75 Prozent über dem Mittel. Das sollte selbst Gamern reichen, die grafisch anspruchsvolle Spiele möglichst flüssig spielen wollen. Schneller sind aktuell lediglich das Galaxy S7 respektive Galaxy S7 Edge sowie die iPhones SE,6S und 6S Plus.

Gute Akkulaufzeit

Der Akku ist fest verbaut, kann also nicht wie beim G5 in wenigen Handgriffen vom Nutzer ausgetauscht werden. Dafür fasst er 3.000 statt 2.800 Milliamperestunden. Im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus hält das HTC 10 damit 572 Minuten lang durch: 19 Prozent länger als üblich. Das sollte auch Intensivnutzer durch den Tag bringen. Das G5 hingegen schafft lediglich 482 Minuten und entspricht damit exakt dem Schnitt. Wer sein Smartphone wirklich extrem nutzt, wäre mit dem Galaxy S7 besser beraten, das mit seinen 696 Minuten 45 Prozent über dem Mittel landet. Das S7 Edge kommt gar auf 768 Minuten und 60 Prozent über dem Durchschnitt, ist dafür aber auch größer, schwerer und teurer.

Schnell geladen

HTC legt dem 10 serienmäßig ein kraftvolles Netzteil mit 2,5 Ampere bei – üblich sind 1 bis 2 Ampere. Außerdem unterstützt der Snapdragon 820 „Quick Charge 3.0“, also das besonders schnelle Laden. Damit erreicht der vollständig entleerte Stromspeicher nach 15 Minuten bereits wieder 23 Prozent, nach 30 Minuten sind es 48 Prozent und nach einer Stunde 88 Prozent. Für die vollen 100 Prozent benötigt der Proband 91 Minuten: angesichts der Akkukapazität 48 Prozent weniger als üblich. Selbst kurze Zeiten am Ladegerät lohnen sich also. Das entspricht dem Niveau des G5, das S7 lädt mit 63 Prozent über dem Mittel noch etwas schneller. Drahtloses Laden per Induktion beherrschen alle genannten Smartphones nicht.

Nicht wirklich wasserdicht

Der interne Speicher fasst 32 (netto: 21,8) Gigabyte und lässt sich mittels Micro-SD-Karte erweitern. Dank „USB On-the-Go“ können außerdem mit Hilfe eines optionalen Adapterkabels USB-Sticks oder andere Speichermedien angeschlossen werden. In LTE-Netzen ist der Datenempfang theoretisch mit bis zu 450 Megabit pro Sekunde möglich, in der Praxis sind die hiesigen Netze aber noch nicht soweit. Des Weiteren unterstützt das HTC 10 WLAN ac, Bluetooth 4.2 und NFC, leider nicht Dual-SIM, auch lässt sich der Micro-SD-Slot nicht für eine zweite Nano-SIM nutzen. Ferner sucht man ein UKW-Radio vergebens, und auch die Infrarotschnittstelle zur Nutzung des Telefons als Fernbedienung für TV & Co. ist weggefallen. Das Telefon ist geschützt vor Staub und Wasser nach IP 53, doch stellt das keinen allzu umfassenden Schutz dar: Ins Wasser fallen darf das HTC 10 nicht, ein paar Regentropfen hält es jedoch aus. Da ist das Galaxy S7 mit IP 68 widerstandsfähiger.

Neuer Anschluss

Erwähnt werden muss schließlich noch die USB-Buchse vom Typ C, dank der sich das PC-Kabel beidseitig einstöpseln lässt: eine enorme Erleichterung! Des Weiteren beherrscht das Telefon mit USB 3.1 den aktuellsten Standard samt seiner hohen Datenübertragungsrate. Allerdings gilt das nicht für das serienmäßig beiliegende Kabel, das laut Hersteller nur das übliche USB 2.0 unterstützt. Als Grund für diese Entscheidung nennt HTC, dass selbst gut geschirmte USB-3.1-Kabel den Telefonempfang stören könnten.

Lichtstarkes System - der Fotovergleich

Die Kamera haben die Entwickler ebenfalls vollständig erneuert. Wie Samsung mit dem Galaxy S7, geht auch HTC einen Schritt zurück: von 20 auf 12 Megapixel. Denn mehr Pixel bedeuten nicht zwangsläufig bessere Bilder. Hilfreicher, vor allem bei nicht optimalen Lichtbedingungen, sind da größere Dioden auf dem Foto-Sensor, die damit mehr Licht einfangen. Auch das Objektiv lässt mit seinem Blendenwert von f1,8 mehr Licht durch als zuvor. Einen Laser-Autofokus sowie einen optischen Bildstabilisator besitzt ja bereits der Vorgänger. Beim 10 hat aber auch die Frontkamera ein Update erhalten: 5 Megapixel mit ebenfalls größerem Sensorpixel sowie ein ebenso lichtstarkes Objektiv sorgen für bessere Selfies. Und erstmals bei einem Smartphone kommen auch auf der Vorderseite Autofokus und optischer Bildstabilisator zum Einsatz! Lediglich eine Front-LED als Blitz wird vermisst, stattdessen nutzt HTC das Display als Ersatz, und das nicht nur in Weiß, sondern im zur Farbtemperatur des Motivs passenden Ton. So wie die Zwei-Farb-LED auf der Rückseite. Letztere hellt den Nahbereich ordentlich auf, allerdings nicht ganz so stark und farbneutral wie das Samsung Galaxy S7 - siehe dieser Vergleich.

Bei guten Lichtverhältnissen liefert der Proband scharfe Fotos ab, die aber vor allen Dingen in Sachen Detailtreue nicht mit dem Galaxy S7 mithalten können, wie diese Vergleichsaufnahme in Originalgröße zeigt.

Vergrößert man einen Ausschnitt um das Doppelte, so zeigt sich der Grund dafür. Beim HTC 10 wirken Details wie weichgespült.

Bei mittleren Lichtbedingungen wie in geschlossenen Räumen oder bei stark bewölktem Himmel werden die Unterschiede zum S7 noch etwas deutlicher, womöglich liegt das auch am optischen Stabilisator, der bei Samsung einen besseren Job macht - in dieser Aufnahme zu sehen.

Am Abend oder unter anderen schlechten Lichtbedingungen spielt das S7 dann einen weiteren Trumpf aus: Mit f1,7 ist dessen Objektiv nämlich noch etwas lichtstärker, wobei niedrigere Werte exponentiell besser sind, weil sie für eine geringere Abdunkelung bei maximal geöffneter Blende stehen. Außerdem findet die Software meist bessere Einstellungen, wie dieser Vergleich zeigt. Während das HTC 10 das Bild mit 1/8 Sekunde und ISO 4000 aufnahm, entschied sich das Samsung für 1/6 Sekunde bei ISO 1250.

Das Galaxy S7 erweist sich also in allen Lebenslagen als im Vorteil. Wobei das Unterschiede auf hohem Niveau sind: Auch das HTC 10 erzielt noch ein knappes „Sehr gut“, ist es doch dem Gros der Konkurrenz aufgrund der besseren Hardware weit voraus. Dennoch hat man sich aufgrund der technischen Voraussetzungen mehr erhofft. Dem LG G5 muss sich das HTC ebenfalls geschlagen geben, zumindest knapp: Die 16-Megapixel-Fotos des G5 sind schärfer, die Details höher, die Kontraste knackiger.

Autofokus pumpt

Videos nimmt der Kandidat mit bis zu 3840 x 2160 Bildpunkten auf, also in 4K. Bereits in Full HD (1920 x 1080 Pixel) sind die Ergebnisse ordentlich, in 4K fallen Schärfe und Details aber natürlich höher aus. Trotzdem weisen die Clips das identische Phänomen auf wie die Fotos: Selbst in 4K wirken die Bilder weichgespült. Damit könnte man sich noch arrangieren, wenn nicht der Autofokus immer wieder nachziehen würde; bei stark bewegten Aufnahmen wie etwa im Gehen entgleitet ihm die Schärfe mitunter gänzlich für die Dauer von etwa zwei Sekunden. Immerhin lässt sich der Autofokus durch einen Tipp auf den Touchscreen fixieren, dann hört das Pumpen auf. Andererseits muss bei Änderungen der Entfernung zum Motiv dann aber manuell nachgestellt werden, was seinerseits zu Verwacklern führt – sofern man nicht gerade ein Stativ benutzt. Wenigstens reicht es so noch für ein knappes „Ausreichend“ in der Videowertung. Das G5 hat zwar ebenfalls mit diesem Problem zu kämpfen, aber in geringerem Umfang und seltener. Top einmal mehr das Galaxy S7: Dessen Autofokus ist nicht nur unglaublich schnell, sondern auch bretthart und pumpt gar nicht.

Noch nicht ganz rund

Die neue Kamera-App ist grundsätzlich gelungen, weil etwas übersichtlicher und einfacher zu bedienen, sie hat aber noch einige Macken im Detail. So wird beispielsweise ein separater Auslöser für Fotos und Videos vermisst, der Anwender muss also stets umschalten. Das geht zwar recht fix über das Icon gleich unter dem Auslöser, doch warum HTC stattdessen nicht gleich einen zweiten Auslöser dorthin pflanzt, bleibt unklar. Außerdem werden manche Einträge sowohl im Hoch- als auch im Querformat nur abgekürzt angezeigt, sodass sich deren Sinn ganz oder teilweise entzieht. „Hochaufl..endes Au…“ zum Beispiel: Was will uns HTC damit sagen? Zudem haben die Entwickler die Popup-Listen etwa zur Auswahl der Auflösung aufgegeben, stattdessen müssen die entsprechenden Icons nun mehrfach geklickt werden. Das ist doppelt ungeschickt, weil man nach jedem Tipp erst einmal lesen muss, was das Icon anzeigt, nur um am Ende womöglich über das Ziel hinaus zu schießen und dann wieder von vorn beginnen zu müssen. Außerdem wird der Vorgang durch die nicht stark genug abdunkelnden Hintergründe erschwert: Ist das Motiv hell, sind die weißen Texte und Icons nur schwer oder gar nicht lesbar. Das sind alles keine Beinbrüche, aber es ginge besser. Der Proband verliert hierdurch Punkte in der Handhabungswertung.

Hervorragender Klang

Am Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt das HTC 10 einen kräftigen, harmonischen und vor allem rundum natürlichen Klang. Die Höhen sind kristallklar und präsent, die Bässe präzise und wuchtig ohne zu dröhnen. Da lässt sich kein Unterschied zur Referenz heraushören, dem Samsung Galaxy Note 4. HTC 10, Galaxy S7 und LG G5 liegen in dieser Disziplin gleichauf: „sehr gut“. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass das HTC 10 mit seiner 24-Bit-Audio-Technologie keinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz mehr herausholen kann: Je höher die Bit-Tiefe, desto besser die Umwandlung des analogen Signals in ein digitales oder umgekehrt; Studios arbeiten mit 32 Bit. Verlustfreie Dateiformate wie FLAC oder auch Audiodateien mit hoher Qualität sollten auf dem HTC deshalb eigentlich besser klingen, doch ließ sich da wie gesagt kein weiterer Qualitätszuwachs zur Referenz verzeichnen, nicht einmal mit einem der besten Kopfhörer der Welt.

Weniger HTC-Apps

Über Android 6.0.1 legt HTC seine gewohnte Nutzeroberfläche namens Sense, die jedoch nur einige wenige neue Funktionen mitbringt. Die neue Kamera-App wurde ja bereits angesprochen, andere wie die Galerie-App sind gar weggefallen: Stattdessen setzen die Taiwaner auf das Android-Pendant „Foto“. Ebenso beim Audio-Player. Das hat zur Folge, dass Nutzer nicht direkt aus „Play Musik“ zu den Audio-Einstellungen von HTC gelangen, sondern wie bei iOS den Umweg über die Einstellungen gehen müssen. Dort gibt es in erster Linie die neuen Kopfhörer-Profile zu entdecken: Diese basieren nicht einfach auf einem festen Headset-Modell, sondern überprüfen die individuelle Leistung des Gehörs und des Kopfhörers – entweder in Form einiger Fragen oder eines kleinen Hörtests mit fünf Frequenzen, getrennt für das linke und rechte Ohr. Am Ende wird der Frequenzgang so angepasst, dass der Nutzer quasi wieder das Original hört.

Details optimierungswürdig

Wie schon bei früheren HTC-Modellen weiß „Sense“ sehr zu gefallen, vor allem durch die Vielzahl an Individualisierungs-Optionen. Allerdings finden sich auch hier einige Details, die in der Praxis ganz schön nerven können. So muss zum Beispiel nach jedem Einstöpseln des USB-Kabels der Datenverbindungs-Modus bestätigt werden: Es gibt keine Möglichkeit, eine einmal getroffene Auswahl zu speichern. Wer also vergisst, auf dem Touchscreen des Telefons „OK“ zu drücken, wartet vergebens am PC darauf, dass sich der Inhalt des HTC im Explorer zeigt. Oder auch die Tastatur: enorm vielseitig, stark individualisierbar und prinzipiell sehr komfortabel. Doch nach der ersten Installation nicht vollständig: Wer die Eingabe von Texten per Wischgeste über die Buchstaben nutzen möchte, wird diese Funktion vergebens suchen. Selbst wenn die Option „TouchPal“ aktiviert ist. Vielmehr muss der Anwender hier erst unter „Einstellungen – Sprache und Tastatur – TouchPal – Sprachen“ die Auswahl „Deutsch“ selektieren und das Synchronisierungs-Symbol rechts daneben antippen. Erst dann wird das erforderliche Sprachpaket installiert und es klappt mit der Wisch-Eingabe. Darauf muss der mit TouchPal unvertraute Anwender erst einmal kommen! Cleverer wäre es, wenn HTC dies bei der ersten Inbetriebnahme mit erledigen oder zumindest den Nutzer darauf hinweisen würde. Aber das lässt sich ja alles noch per Software-Update optimieren.

Fazit

Das HTC 10 ist ein solides, robustes Smartphone mit erstklassiger Ausstattung und Leistung. Über Design lässt sich bekanntlich streiten, weshalb dieses im Test auch nicht bewertet wird. Herausragend ist das neue Flaggschiff der Taiwaner aber in keiner Disziplin: In puncto Prozessor-Performance und Akku-Laufzeit muss es sich den amtierenden Top-Androiden Samsung Galaxy S7 und S7 Edge geschlagen geben. Das trifft auch auf die Qualität der 12-Megapixel-Fotos zu, die zwar ein knappes „Sehr gut“ ernten, aber wie weichgespült wirken. Bei den Videos kommt noch der pumpende, aber wenigstens fixierbare Autofokus hinzu: „ausreichend“. Allein beim Klang am Kopfhörerausgang kann das HTC 10 mit den Koreanern mithalten: „sehr gut“.

Umgekehrt stellt die Videoqualität den einzigen groben Patzer des HTC 10 dar, in allen anderen Belangen sind es nur ein paar Kleinigkeiten hier und da, die optimierungswürdig wären. Im Vergleich zum Galaxy S7 kann HTC jedoch nur einen einzigen handfesten Vorzug ins Feld führen: Das Metallgehäuse hat erheblich bessere Chancen, einen Sturz unbeschadet zu überstehen als das S7 mit seiner Glasbeschichtung auf Vorder- und Rückseite. In allen anderen Belangen erweist sich das S7 als ebenbürtig oder besser.

Auch dem LG G5 muss sich das HTC 10 knapp geschlagen geben, primär aufgrund der etwas enttäuschenden Kamera, vor allem in Bezug auf die Videoqualität. In der Akkulaufzeit ist das G5 zwar nur durchschnittlich, dafür lässt sich der Stromspeicher mit wenigen Handgriffen vom Nutzer auswechseln. Andererseits macht der Metallmantel des HTC 10 einen erheblich widerstandsfähigeren und wertigeren Eindruck als der des G5.