Energiekosten: Stärkster Anstieg seit der Jahrtausendwende

06.09.2021 | 08:36

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Die Energiekosten in Deutschland sind innerhalb eines Jahres so stark gestiegen wie noch nie in den vergangenen 21 Jahren. Die Kosten für Heizung, Strom und Sprit legten auf Jahressicht um 19 Prozent zu. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox.

Energie kostet Haushalte 650 Euro mehr

Die Energiekosten für einen Musterhaushalt lagen im August 2021 bei 4.063 Euro pro Jahr. Im August 2020 kostete die gleiche Menge Energie noch 3.411 Euro. Damit sind die Ausgaben für Energie innerhalb von zwölf Monaten um 19,1 Prozent gestiegen. Die Haushaltskasse eines Drei-Personen-Musterhaushalts wird mit 652 Euro zusätzlich belastet.

„Die Kosten für Heizung, Strom und Sprit liegen aktuell auf dem höchsten Stand seit 2012. Damals erreichten die Preise an den Tankstellen und bei den Heizölhändlern einen historischen Höchstwert“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Heizöl verteuert sich um 53 Prozent – Tankkosten 26 Prozent höher

Das Heizen mit Öl verteuerte sich auf Jahressicht um 53,4 Prozent. Wurden für 20 Hektoliter Heizöl im August 2020 noch 888 Euro fällig, waren es ein Jahr später bereits 1.362 Euro.

Auch bei Gas ist ein deutliches Preisplus zu verzeichnen. Hier stiegen die Kosten für 20.000 Kilowattstunden von 1.091 Euro auf 1.256 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 15,2 Prozent. Zuletzt war Gas im Januar 2016 so teuer. Da mehr Haushalte mit Gas als mit Heizöl heizen, sind die Heizkosten im mengengewichteten Durchschnitt aktuell 26,3 Prozent höher als im August 2020.

Die Kosten für Benzin (plus 25 Prozent) und Diesel (plus 28 Prozent) sind ebenfalls deutlich gestiegen. Im mengengewichteten Durchschnitt müssen Verbraucher 25,7 Prozent mehr fürs Tanken ausgeben.

"Die Preisrallye bei den fossilen Brennstoffen heizt die Inflation an und treibt die laufenden Lebenshaltungskosten der Haushalte nach oben“, so Thorsten Storck. „Angesichts der hohen internationalen Rohstoffpreise und dem steigenden CO2-Preis wird dieser Trend mittelfristig weiter anhalten.“

Der deutliche Preissprung ist in erster Linie der weltweiten Erdölnachfrage geschuldet. Diese war mit dem Wiederaufleben der Wirtschaft regelrecht explodiert und hat die Ölpreise nach oben getrieben.

Plus 5,7 Prozent: Strompreise auf neuem Allzeithoch

Strom hat sich in den letzten 12 Monaten um 5,7 Prozent verteuert. Für einen Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh stiegen die Stromkosten von 1.150 Euro auf 1.216 Euro. Die Strompreise in Deutschland sind im August auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Aktuell kostet eine Kilowattstunde Strom für private Haushalte durchschnittlich 30,4 Cent.

„Bei den Strompreisen müssen sich die Haushalte wegen anhaltend hoher Großhandelspreise zum Jahreswechsel mit weiteren Preiserhöhungen einstellen“, so Thorsten Storck. „Eine Entlastung kann es nur geben, wenn der hohe Anteil an Steuern, Abgaben und Umlagen am Strompreis nach der Bundestagswahl schnell reduziert wird.“

Ein Preiseffekt von rund 2,5 Prozent ist – sowohl bei den Mineralölprodukten als auch bei Strom - auf die Mehrwertsteuer zurückzuführen. Diese war im Juli 2020 als konjunkturfördernde Maßnahme für sechs Monate von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden.

Methodik

Der Verivox-Energiekostenindex zeigt die durchschnittliche Entwicklung der Energiepreise für einen bundesdeutschen Haushalt. Es werden die Kosten für Heizung, Elektrizität und Mobilität mengengewichtet berücksichtigt. Der Basismonat des Energiekostenindex ist Januar 2015. Die Grundlage ist ein Drei-Personen-Musterhaushalt mit einem jährlichen Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden (kWh), einem Stromverbrauch von 4.000 kWh und einer jährlichen Fahrleistung von 13.300 Kilometern.