Wiko Highway Star im Test: Mehr als ein Hingucker

05.05.2015

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Das Wiko Highway Star sieht erstklassig aus: ultraflach, rundum in Aluminium gewandet und vor allem in der Türkis-Variante ein echter Hingucker. Doch auch technisch hat der Flachmann aus Frankreich eine Menge zu bieten. Der Test.

Das Wiko Highway Star gehört zu den Smartphones, die man nicht so schnell vergisst. Auf dem diesjährigen Mobile World Congress gehörte es aufgrund seiner flachen Bauweise von gerade mal 6,7 Millimetern und dem edlen Aluminium-Unibody zu den heimlichen Highlights:

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Jetzt ist das finale Produkt verfügbar, und im Test erwies sich das flache Smartphone als enorm stabil: Verwindungsversuchen widersetzte es sich standhaft, ohne dass sich das Deckglas aus Gorillaglas 3 auf das Panel durchdrücken würde, was auf Dauer die Pixel beschädigen könnte. Der Alu-Mantel hat also durchaus auch praktischen Nutzen. Ganz abgesehen davon, dass er mehr einstecken kann als Kunststoff – von Glas ganz zu schweigen. Dennoch bleibt das Gewicht mit 123 Gramm erstaunlich gering.

Helles AMOLED-Panel

Der Touchscreen misst 4,95 Zoll oder 126 Millimeter in der Diagonale, was angesichts des Preises von 369 Euro ohne Vertrag ordentlich ist: Sieben Prozent liegt das Star damit über dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Auch die Helligkeit von gemessenen 333 Candela pro Quadratmeter bewegt sich knapp über dem Mittelwert, zumindest für AMOLED-Panels wie in diesem Fall. Einziger Knackpunkt des Star-Displays: Die Auflösung beträgt lediglich 720 x 1280 Pixel, die Schärfe ergo 136 Pixel pro Quadratmillimeter oder umgerechnet 296 ppi. Damit rangiert die Pixeldichte des Probanden 39 Prozent unter dem Schnitt. Das ist selbst angesichts des Preises mager. Aber es reicht locker für herkömmliche Ansprüche: Selbst kleine Texte lassen sich gut lesen.

Octa-Core-Prozessor

Als Prozessor haben sich die Entwickler für den Mediatek MT6752 entschieden, dessen acht Kerne mit 1,5 Gigahertz getaktet sind und der von der Grafikeinheit Mali T760 sowie von immerhin 2 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt wird. In der Gesamtwertung aus zwölf der bekanntesten Benchmarks mit mehr als 50 erfassten Einzelwerten landet der Kandidat damit 12 Prozent unter dem Durchschnitt. An sich gesehen kein schlechtes Ergebnis, aber für einen Achtkerner ziemlich enttäuschend. Hier hilft nicht einmal der Blick auf den Preis: Diese Relation bleibt 8 Prozent hinter dem Mittel. Für Gamer, die auch grafisch anspruchsvolle Spiele flüssig laufen sehen möchten, eignet sich das Star somit kaum. Normalnutzer dürfte mit dieser Leistung aber zurande kommen, zumal die Darstellung flüssig läuft. Einzig in der hauseigenen App „Musik“ muss dem Scrollen durch die Listen ein gewisses Ruckeln attestiert werden – was aber wahrscheinlich auf die App zurückzuführen sein dürfte. Denn andere Programme wie beispielsweise „Play Musik“ von Google zeigen solche Inhalte vollkommen geschmeidig an.

Strammer Akku

Der Akku ist fest verbaut und fasst 2.450 Milliamperestunden. Im standardisierten Laufzeittest bei der Videowiedergabe im Flugmodus bei einem auf 200 Candela gedimmten Display hielt der Kandidat 481 Minuten lang durch. Damit liegt das Star zwar gerade mal zwei Prozent über dem Mittel, doch das ist für ein dermaßen flaches und leichtes Smartphone schon eine prima Leistung. Zur weiteren Ausstattung gehört LTE mit Datenraten von nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde, in UMTS-Netzen sorgt DC-HSPA für den Empfang mit maximal 42 Megabit pro Sekunde. WLAN wird allerdings nicht im neuesten Standard „ac“ unterstützt, sondern lediglich im Standard WLAN n, und auch hier nicht im neueren und schnelleren Frequenzband von 5 Gigahertz. Dass NFC fehlt, dürfte wohl die Wenigsten stören.

Die Qual der Wahl

Der interne Speicher weist eine Kapazität von 16 Gigabyte auf, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps noch 11,48 Gigabyte netto übrig bleiben. Erweitert werden kann er mittels Micro-SD-Karte um offiziell bis zu 64 Gigabyte, im Test akzeptierte das Star aber auch eine 128-Gigabyte-Karte anstandslos. Alternativ kann in den Slot eine Nano-SIM eingelegt werden: Dann fungiert das Wiko als Dual-SIM-Gerät! Bei der ersten SIM handelt es sich um die Standard-Größe „Micro“. Kleiner Haken: Die beiden Slots in der rechten Flanke lassen sich nur mithilfe eines Pins öffnen, den man im Zweifel nicht dabei hat oder nicht findet, wenn man ihn braucht. Aber dieses Schicksal teilt sich das Star leider mit vielen aktuellen Telefonen.

13-Megapixel-Kamera

Die Hauptkamera nimmt Fotos im Format 4:3 mit maximal 4160 x 3120 Bildpunkten (12,98 Megapixel) auf, im Format 16:9 sind es 4096 x 2304 Bildpunkte (9,44 Megapixel). Die Frontkamera geht mit 4,92 Megapixel (4:3) respektive 3,69 (16:9) Megapixel mit. Der LED-Blitz leuchtet den Nahbereich gut aus, und als absolute Besonderheit sitzt auch auf der Front ein LED-Blitz. Die Auslöseverzögerung liegt mit rund 0,2 Sekunden im grünen Bereich für ein Smartphone. Besonders gefällt der manuelle Modus namens „Professionelle Aufnahme“: Nicht nur weil sich hier zahlreiche Parameter regulieren lassen, sondern vor allen Dingen weil Fokus- und Belichtungspunkt schnell und präzise getrennt voneinander platziert werden können.

Enttäuschende Fotos

Die Qualität der Bilder scheint auf dem Telefon selbst sehr ansprechend zu sein, doch bereits auf Computermonitoren erkennt man, wie die Schärfe in den Ecken teilweise nachlässt. Auch könnte die Dynamik höher ausfallen, ebenso wie die Detailtreue. Innenaufnahmen verwackelten im Test teilweise aufgrund der langen Belichtungszeiten. Das ist für Smartphones zwar typisch, macht die Angelegenheit aber nicht besser. Zumal es inzwischen ja bereits einige Telefone mit optischem Bildstabilisator gibt, die das Problem nahezu beseitigen – wenngleich diese eine ganze Ecke teurer sind. Dem Star jedenfalls reicht das lediglich zu einem für die 13-Megapixel-Liga unterdurchschnittlichen „Ausreichend“.

Verrauschte Videos

Videos nimmt der Franzose mit 1920 x 1088 Pixel auf, auch auf der Front. Dort allerdings mit lediglich 20 Bildern und 11 Megabit pro Sekunde, also mit reduzierter Qualität. Die Hauptkamera liefert hingegen die üblichen 30 Bilder bei einer Datenrate von 17 Megabit pro Sekunde. Die Videos mögen zwar grundsätzlich scharf sein, doch liegt über allem ein extremes Grieseln, sämtliche Details scheinen permanent zu „schwimmen“. Dafür setzt es ein „Mangelhaft“.

Nichts für Musikliebhaber

Der Musikklang enttäuscht ebenfalls: Selbst am Referenz-Kopfhörer, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt das Star einen überaus müden Sound. Höhen sind kaum vorhanden, ebenso wenig wie Bässe. Der Frequenzgang scheint also an beiden Enden arg früh abzubrechen. Schlimmer noch: Die mageren Bässe werden offenbar per Software verstärkt, was sie unangenehm dröhnen lässt. Musikliebhabern mit Ansprüchen an einen halbwegs guten Sound kann man das Star also nicht empfehlen. Umgekehrt weisen die oftmals verwendeten Billig-Headsets von Mobiltelefonen keinen signifikant besseren Frequenzgang auf, sodass die Verluste kaum auffallen. Außerdem verzerrt der Proband den Klang nicht, die Mitten sind nicht überbetont, man kann dem Ergebnis also ein Weilchen lauschen ohne Kopfschmerzen zu bekommen – auch das gibt es, wenngleich selten. Deshalb bleibt dem Star in der Musikwertung das „Ungenügend“ erspart, es bleibt bei einem „Mangelhaft“.

Angepasste Nutzeroberfläche

Als Betriebssystem kommt Android 4.4.4 zu Einsatz. Das Update auf Version 5 soll kommen, allerdings schweigt sich Wiko über den Zeitpunkt aus. Anders als früher verwenden die Franzosen nicht mehr das native Android, sondern passen die Nutzeroberfläche ab der diesjährigen Kollektion an. Die Icons sehen somit bunter aus, und vor allen Dingen fehlt das Hauptmenü. Sämtliche Icons residieren somit ausschließlich auf den Startbildschirmen, wo sie bei Bedarf auch in Ordnern gebündelt werden können. Einen dicken Pluspunkt erntet das Star für dieses Feature: Per Doppeltipp auf den Touchscreen kann es aus dem Standby-Modus geweckt werden! Das geht wesentlich schneller als die Suche nach dem Ein-/Aus-/Standby-Taster in der rechten Flanke, und bei statistisch mehr als 150 Blicken pro Tag auf das Smartphone lernt man dieses Feature schnell schätzen.

Fazit

Schick und edel sieht es aus, das Wiko Highway Star – und bleibt zudem mit 369 Euro preislich in der Mittelklasse. Doch für dieses Geld ist die Auflösung des 5 Zoll großen AMOLED-Displays von 720 x 1280 Pixel etwas mager, ebenso wie die Leistung des Octa-Core-Prozessors. Am meisten aber enttäuschen Kamera und Musikklang, deren Qualität zwischen ausreichend und mangelhaft liegt.

Auf der anderen Seite hält der Akku erfreulich gut durch, der 16 Gigabyte fassende Speicher lässt sich per Micro-SD-Karte erweitern oder das Star wird dank zusätzlicher Nano-SIM zum Dual-SIM-Telefon. Auch Verarbeitung, Stabilität und Bedienung wissen zu gefallen.

In der Gesamtwertung aber liegt das Preis-Leistungs-Verhältnis des Wiko Highway Star sechs Prozent unter dem Durchschnitt. Grundsätzlich ein ordentliches Ergebnis für ein brandneues Smartphone: Topmodelle steigen meist weit schlechter ein, das Samsung Galaxy S6 beispielsweise liegt 44 Prozent unter dem Mittel.

Geheimtipp bleibt aber das Wiko Ridge 4G: Mit 219 Euro steht es im Preis-Leistungs-Verhältnis satte 56 Prozent besser da als der Durchschnitt – Kunden erhalten also sehr viel mehr für ihr Geld als beispielsweise beim Star. Darunter wesentlich bessere multimediale Leistungen bei einem Display mit ebenfalls 5 Zoll und dünnen 7,3 Millimetern. Lediglich das Alu-Gehäuse fehlt, doch dafür hat es die Rückseite des Ridge auf andere Weise in sich. Die hauseigene Konkurrenz ist also in jedem Fall einen Blick wert.

Ausstattung                 166 von 175

Foto                             15 von 25

Video                           12 von 25

Musik                          12 von 22

Handhabung                208 von 250

gesamt                        413 von 500