Sony Xperia XA: Schlankes Design, schlanker Preis

Heidelberg - Das Sony Xperia XA liegt dank der hauchdünnen seitlichen Display-Rahmen nicht nur angenehmer in der Hand als seine beiden Brüder der X-Serie, sondern kostet mit einer Preisempfehlung von 299 Euro auch wesentlich weniger. Welche Kompromisse Käufer dafür eingehen müssen, sagt der Test.

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Bild: Sony Xperia X Bild: ©Sony Corporation / Text: Verivox

Drei auf einen Streich hatte Sony auf dem Mobile World Congress dieses Jahr vorgestellt: Das Trio läutete die neue X-Serie der Japaner ein. Jetzt ist mit dem Xperia XA das dritte Exemplar dieses Wurfs verfügbar, und es kostet mit einer Preisempfehlung von 299 Euro wesentlich weniger als das Xperia X und X Performance, für die Sony 599 respektive 699 Euro aufruft. Weshalb viele Interessenten vor der Frage stehen, worin die Unterschiede bestehen.

Nahezu randlos

Die Größe des Touchscreens gehört schon mal nicht dazu: Erstaunlicherweise bringt Sony alle drei X-Men mit einem 5-Zoll-Display auf den Markt anstatt hier ein wenig zu staffeln und somit die Auswahl für potenzielle Kunden zu erhöhen. Auch das XA bringt es nämlich auf 4,98 Zoll oder 127 Millimeter. Allerdings messen die Ränder links und rechts der Mattscheibe lediglich 2,3 Millimeter, weshalb das XA eine Spur schmaler ausfällt als seine Kollegen – und in der Breite kommt es wirklich auf jedes Quäntchen an. Knapp 67 Millimeter beträgt sie beim XA, das damit enorm angenehm in der Hand liegt. Und sich durchaus auch passabel mit einer Hand bedienen lässt, wenn es denn sein muss: Alles andere als eine Selbstverständlichkeit heutzutage, liegt der Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones doch bei fast 5,2 Zoll. Da muss sich der Daumen bereits arg strecken, um nur das gegenüberliegende Ende des Bildschirms zu erreichen, vom oberen Drittel ganz zu schweigen. Beim XA deckt der Daumen ohne Umgreifen immerhin 56 Prozent des Displays ab: 6 Prozent mehr als derzeit üblich. Außerdem bleibt der Proband mit glatten 8 Millimetern ansprechend flach, das Gewicht von 136 Gramm liegt im Mittel für diese Größenordnung.

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Magere Auflösung

Allerdings beträgt die Auflösung anders als beim Xperia X und X Performance nicht Full HD, sondern lediglich 720 x 1280 Bildpunkte. Damit beträgt die Schärfe 135 Pixel pro Quadratmillimeter (295 ppi), weniger als die Hälfte im Vergleich zu den Luxus-Brüdern mit 305 Pixel pro Quadratmillimeter (444 ppi). Einen solchen Unterschied sieht das Auge natürlich, dafür muss man die Geschwister nicht einmal direkt nebeneinanderlegen. Doch heißt das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass der Bildschirm des XA damit unbrauchbar wäre: Auch kleinere Texte lassen sich problemlos lesen. Ähnlich wie beim Unterschied zwischen DVD und Blu-Ray sind manche eben mit der DVD-Qualität zufrieden, andere wiederum bereit, für das Plus an Schärfe mehr Geld für die Blu-Ray auszugeben. Ob man das wirklich braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Reine Ansichtssache

Dennoch bleibt Fakt, dass die Auflösung für den von Sony geforderten Preis weitaus zu niedrig ist: Selbst in Relation zum aktuellen Straßenpreis von 279 Euro ohne Vertrag liegt die Schärfe des Xperia XA 39 Prozent unter dem Durchschnitt. Full HD hätten die Japaner also schon springen lassen oder den Preis niedriger ansetzen müssen. Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Haken: Anders als beim Xperia X und X Performance handelt es sich nämlich nicht um ein Dual-Domain-, sondern um ein einfaches IPS-Panel. Die roten, grünen und blauen Subpixel, die jeden Bildpunkt formen, sind also nicht auf zwei Achsen blickwinkeloptimiert. Als Folge dessen ändern sich Farben und Kontraste erheblich, wenn man nicht lotrecht, sondern seitlich versetzt auf die Mattscheibe blickt. Wer das ohnehin nie macht, kann diesen Aspekt getrost vergessen; dennoch sei auf den Qualitätsunterschied hingewiesen.

Neuer Octa-Core-Prozessor

Auch beim Prozessor haben die Entwickler gespart: Unter der Haube des Xperia XA steckt nämlich der Helio P10 von Mediatek. Dessen acht Kerne sind mit bis zu 2 Gigahertz getaktet und werden von 2 Gigabyte Arbeitsspeicher sowie vom Grafik-Modul Mali T860 MP2 unterstützt. Damit platziert sich der Kandidat in der Gesamtwertung von mehr als 50 erfassten Einzelwerten aus 15 der bekanntesten Benchmarks 6 Prozent unter dem Durchschnitt.

Das reicht Otto Normalnutzer jedoch völlig, selbst ein grafisch aufwändiges Spiel kommt bei maximaler Qualitätseinstellung auf flüssige 30 Frames pro Sekunde. Mehr Leistung brauchen wirklich nur jene, die viele Apps im Multitasking-Betrieb laufen lassen oder anderweitige Höchstanforderungen an die Hardware haben. Und dafür müssen sie entsprechend tiefer in die Tasche greifen: Die Xperia X-Kollegen kommen auf 23 und 61 Prozent über dem Mittel, kosten aber auch über 200 beziehungsweise 420 Euro mehr. Rechnet man die aktuellen Straßenpreise gegen die jeweilige Prozessorleistung, bietet das Xperia XA mit 8 Prozent über dem Schnitt deutlich mehr PS fürs Geld als seine teureren Geschwister.

Ordentliche Laufzeit

Der Akku ist einmal mehr fest verbaut, Kunden können den Stromspeicher also nicht selbst mit wenigen Handgriffen austauschen. Im Gegenzug unterliegt er dadurch aber auch der Gewährleistung. Er fasst 2.300 Milliamperestunden, also signifikant weniger als Xperia X (2.620 Milliamperestunden) und X Performance (2.700 Milliamperestunden). Dafür ist der Prozessor wie erläutert schwächer auf der Brust und es gilt weniger Pixel zu berechnen. Im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmten Display im Flugmodus hielt der Kandidat 486 Minuten lang durch: gerade mal 1 Prozent weniger als derzeit üblich. Das X Performance schneidet mit 446 Minuten etwas schlechter ab, das Xperia X mit 617 Minuten wesentlich besser. Doch auch mit dem Xperia XA kommen Normalnutzer locker durch den Tag, möglicherweise gar über den zweiten. Intensivnutzer werden aber je nach individueller Ausprägung wahrscheinlich tagsüber zwischentanken müssen. Oder sollten sicherheitshalber zum Xperia X greifen: Mit einer Laufzeit von 26 Prozent über dem Schnitt dürften selbst die fleißigsten Arbeitstiere den Abend erreichen.

Langsam aber sicher

Das Laden mit dem serienmäßig beiliegenden 1,5-Ampere-Netzteil braucht seine Weile: Der zuvor vollständig geleerte Stromspeicher zeigt nach 15 Minuten einen Ladestand von 12 Prozent an, nach 30 Minuten sind es 30 Prozent und nach einer Stunde 64 Prozent. Für die vollen 100 Prozent benötigt der Proband 134 Minuten: In Relation zur Kapazität 23 Prozent länger ist als üblich. Allerdings hat das durchaus auch seine Vorteile, denn besonders schnelles Laden schädigt nach derzeitigem Kenntnisstand die Kraftzeller fünfmal mehr als ohnehin: Siehe hierzu die ausführlichen Erläuterungen im Test des Xperia X.

Wenig Speicher fürs Geld

Der interne Speicher fasst 16 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung des Systems und aller vorinstallierten (und nicht einfach de-installierbaren) Apps noch 5,41 Gigabyte netto übrigbleiben. Grundsätzlich kein Problem, verfügt das XA doch über einen Micro-SD-Schacht, über den sich das Gedächtnis um bis zu 200 Gigabyte erweitern lässt. Die meisten Daten und viele Apps lassen sich also dort auslagern. Doch erstens muss damit der Kauf einer Speicherkarte gleich einkalkuliert werden weil nahezu obligatorisch, und zweitens sind 5,4 Gigabyte netto für diesen Preis arg knauserig, da hätte Sony schlichtweg 32 Gigabyte brutto spendieren müssen!

Im Detail gespart

Ferner unterstützt das Xperia XA als bislang einziges X-Modell nicht WLAN ac, außerdem fehlt der Fingerabdruck-Sensor. Bluetooth 4.1 und NFC sind indes an Bord. Dass der Datenempfang in LTE-Netzen mit „nur“ 150 statt 300 Megabit pro Sekunde nominal über die Bühne geht, kann man in der Praxis aber getrost vernachlässigen, weil die hiesigen Netze ohnehin erst noch ausgebaut werden müssen und auch 150 Megabit schnell sind – sofern man die denn überhaupt am Standort und mit seinem Vertrag auch nur halbwegs bekommt. Staub- und wasserdicht nach IP 65/68 ist ohnehin allein das X Performance. Nicht zuletzt sucht man einen Gyro-Sensor vergebens, weshalb das XA nicht kompatibel ist mit Cardboard, der VR-App von Google; außerdem könnte das eine oder andere bewegungsgesteuerte Spiel nicht richtig funktionieren.

Überraschend gute Fotos

Fotos nimmt der Proband mit 13 statt 23 Megapixel auf, Selfies mit 8 statt 13 Megapixel. Im Test fiel zudem auf, dass die rückwärtige LED den Nahbereich sichtbar schwächer erhellt als Xperia X und X Performance. Die Kamera-App ist jedoch dieselbe. Die Qualität der Fotos überrascht im Vergleich zu den 23-Megapixel-Brüdern: Wo letztere Probleme mit der Schärfe zu den Rändern und Ecken hin haben, bleibt das XA auch dort knackig. Verwaschene Zonen finden sich im Motiv nur höchst selten, und wenn, dann sind sie marginal. Deshalb gefallen die Fotos unterm Strich besser als bei den teureren X-Modellen, selbst wenn diese einer Vergrößerung natürlich länger standhalten ehe sich die einzelnen Pixel zeigen. Bei mittleren und schlechten Lichtbedingungen gehen alle drei X-er gleichermaßen in die Knie: Der Stabilisator von Sony kann da einfach nicht mit einem optischen Stabilisierer mithalten. Deshalb verwackeln Aufnahmen im Dunkeln wesentlich früher als etwa bei Samsung Galaxy S7, LG G5 oder HTC 10. Schließlich muss noch festgehalten werden, dass das Bildrauschen beim XA dezenter ausfällt als beim X und X Performance. Damit ergattert das XA ein paar Punkte mehr als seine teureren Brüder, es bleibt aber beim „Gut“ in der Fotowertung.

Videos fallen durch

Videos nimmt der Proband ebenfalls in Full HD auf, auch auf der Vorderseite. Einzig der Modus mit 60 Bildern pro Sekunde fehlt – die Allermeisten dürften aber ohnehin beim 30-Bilder-Modus bleiben. Außerdem wird der Ton nur in Mono und nicht in Stereo aufgenommen; auch das kein Beinbruch. Ganz anders als die magere Qualität der Aufnahmen: Obwohl auch das XA Clips mit 17 Megabit pro Sekunde komprimiert, ist die Schärfe erheblich schlechter als beim X und X Performance. Fast gewinnt man den Eindruck, als ob der Autofokus trotz des ständigen Pumpens nie die richtige Einstellung findet. Da bleibt kein anderes Urteil als ein enttäuschendes „Mangelhaft“.

Klang enttäuscht

Am Referenz-Kopfhörer, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt das Xperia XA einen zwar kräftigen, aber arg dumpfen Klang. Das beruht primär auf den fehlenden Höhen, da scheint der Frequenzgang früh einzubrechen. Aber auch darauf, dass die Bässe viel zu übergewichtet sind und damit den Rest erschlagen. Nicht im positiven Sinn: Bassläufe beispielsweise werden dadurch zu einem wabernden Brummbrei. Weil aber keine komplette Verfälschung des Sounds auftritt und das Ergebnis noch hörbar bleibt, hängt die Audio-Wertung mit einem seidenen Faden am „Ausreichend“. Xperia X und X Performance erzielen hier immerhin ein knappes „Gut“.

Eingeschränkte Stabilität

Schon bei den Luxus-Geschwistern musste ja die eingeschränkte Stabilität des Gehäuses moniert werden. Das ist beim XA nicht anders: Im Verwindungstest knarzt der Japaner doch recht kräftig. Aber auch hier drückt sich das Deckglas nirgends durch auf das Panel, was auf Dauer Pixel beschädigen könnte. Das ist die Hauptsache!

Android Marshmallow

Als Betriebssystem wird das XA mit Android 6.0 ausgeliefert, nicht mit 6.0.1 wie seine Kollegen. Die Unterschiede sind allerdings gering, wie ja schon die Bezeichnung der Versionsnummer impliziert. Android 6.0.1 behebt primär Fehler, neue Funktionalitäten bringt es nicht. Es beschleunigt jedoch die Copy-Paste-Funktionalität, passt die „Nicht stören“-Einstellungen an und optimiert die Lautstärke-Steuerung während bestehender Bluetooth-Verbindungen. Alles gut und schön, aber nicht von immenser Bedeutung. Außerdem wird auch das XA gewiss Android 6.0.1 erhalten – die Frage ist nur, wann.

Nur noch Swiftkey

Dank der Sony-eigenen Nutzeroberfläche „Xperia UI“ fällt die Bedienung exakt so aus wie bei den Geschwistermodellen, weshalb für Details auf den Test des Xperia X verwiesen sei. Einziger kleiner Unterschied: Die Swiftkey-Tastatur ist nun die einzige, es ist nicht vorgesehen, zum Standard-Keyboard von Android zurückzukehren. Dafür gibt es eigentlich auch keinen Grund, denn schließlich gehört Swiftkey nicht von ungefähr zu den beliebtesten Keyboards im App Store. Doch wer dem ganzen Komfort nichts abgewinnen kann und es lieber puristisch mag, sollte das vor dem Kauf wissen. Nicht zuletzt gibt es natürlich auch unzählige weitere Keyboard-Apps im Android Store.

Fazit

Der größte Pluspunkt des Sony Xperia XA ist seine Bauweise mit den wunderbar dünnen seitlichen Rändern und der damit verbundenen angenehmen Haptik. Das Display ist mit 5 Zoll respektive 127 Millimetern zwar ebenso groß wie das des Xperia X und X Performance, doch die Auflösung von nur 720 x 1280 Pixel drückt die Schärfe auf weniger als die Hälfte. Das ist für diesen Preis eindeutig zu wenig. Was nicht heißen muss, dass man sich damit nicht arrangieren könnte. Auch die Qualität kann nicht mit den Mattscheiben der mehr als doppelt so teuren Brüder mithalten.

Zweiter Knackpunkt: der interne Speicher. Mit 5,4 Gigabyte netto kann man zwar leben, zumal sich das Gedächtnis per Micro-SD-Karte um bis zu 200 Gigabyte erweitern lässt. Doch angesichts des Preises von jetzt zum Start 279 Euro hätte Sony 32 Gigabyte springen lassen müssen. Darüber hinaus fehlen Fingerabdruck-Sensor und WLAN ac.

Der Rest kann sich sehen lassen: Der Prozessor liefert zwar nicht die Leistung des Xperia X oder gar X Performance, bietet aber in Relation zum Preis weitaus am meisten. Die Akkulaufzeit entspricht dem aktuellen Durchschnitt, was Normalnutzern mehr als ausreicht. Beim X Performance gehen die Lichter noch etwas früher aus, allein das Xperia X hält erheblich länger durch und stellt damit für Intensivnutzer die bessere Wahl dar.

Die Qualität der 13-Megapixel-Fotos gefällt überraschenderweise etwas besser als bei den 23-Megapixel-Boliden, es bleibt aber beim „Gut“. Die Videos hingegen kassieren aufgrund mangelnder Schärfe und des ständig pumpenden Autofokus nur ein „Mangelhaft“ statt eines knappen „Gut“. Hier kommt es also auf die individuellen Prioritäten an. Der Klang am Kopfhörerausgang kann ebenfalls nicht überzeugen und darf sich mit seinem hauchdünnen „Ausreichend“ noch sehr glücklich schätzen.

Insgesamt erweist sich das Xperia XA damit als überteuert. Wer sich mit der mageren Video- und Audioqualität abfinden kann, wird daher wohl warten bis der Preis unter 200 Euro gefallen ist eher er zuschlägt.

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