Das Sony Xperia Z geht in die dritte Runde: Der Test zum Z3

22.10.2014

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Flaggschiff, zum Dritten: Das Xperia Z3 fällt ein wenig kompakter, dünner und leichter aus als sein Vorgänger. Die Ausstattung ist weitgehend gleich geblieben, angefangen vom 5,2 Zoll großen Touchscreen in Full-HD-Auflösung über LTE bis hin zur Kamera, die Fotos mit knapp 21 Megapixel und Videos mit vierfachem Full HD produziert. Vor allem aber bleibt es beim Design mit edler Glasbeschichtung vorn und hinten. Was es über das Xperia Z3 zu wissen gibt und ob sich der Umstieg vom Xperia Z2 oder Z1 lohnt, klärt der Test von Verivox.

Das ging schnell: Erst im April brachte Sony hierzulande das Xperia Z2 auf den Markt, jetzt ist bereits der Nachfolger da, das Xperia Z3. In puncto Ausstattung hat sich nicht viel getan: Auch das Z2 hatte schon so ziemlich alles an Bord, was man sich von einem Flaggschiff nur wünschen kann. Darunter zum Beispiel LTE mit Datenempfangsraten von nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde, DC-HSPA für Downloads in UMTS-Netzen mit maximal 42 Megabit pro Sekunde, den aktuellsten Standard WLAN ac, NFC und Bluetooth 4.0. Da ließ sich nicht mehr viel optimieren. Am internen Speicher mit 16 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps noch 10,74 Gigabyte frei sind, hat sich ebenfalls nichts verändert. Micro-SD-Speicherkarten werden weiterhin mit bis zu 128 Gigabyte unterstützt. Selbst das Display blieb mit 64 x 114 Millimetern respektive einer Diagonale von 131 Millimetern oder 5,15 Zoll exakt identisch. Ebenso wie dessen Auflösung von 1080 x 1920 Bildpunkten, die eine Schärfe von 283 Pixel pro Quadratmillimeter oder 428 ppi ergeben: ein hervorragender Wert, mit dem die beiden Xperias zu den Spitzenreitern hierzulande gehören.

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Prozessor aufgepeppt

Wer genau hinsieht, entdeckt dann aber doch drei Neuerungen. Zum einen gibt Sony die Schutzklasse nun mit IP 65/68 statt an, die Protektion gegen Staub hat somit das maximale Niveau erreicht; Wasser widersteht das Z3 wie sein Vorgänger bis zu 30 Minuten lang in maximal 1,5 Meter Tiefe. Außerdem sind die vier Kerne des Snapdragon-801-Prozessors jetzt mit 2,5 statt 2,3 Gigahertz getaktet: In der Gesamtwertung von zwölf der bekanntesten Tempotests rangiert das Xperia Z3 satte 54 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Das Xperia Z2 liegt aktuell 49 Prozent darüber, macht ergo eine Differenz von 5 Prozentpunkten. Kein Grund, umzusteigen. Übrigens auch nicht für Besitzer des Xperia Z1: Der inzwischen ein Jahr alte Japaner rangiert mit seinem Snapdragon 800 immer noch saubere 46 Prozent über dem Mittelwert und zählt damit zu den schnellsten Smartphones derzeit.

Akku eingedampft

Änderung Nummer drei betrifft den Akku, der wie stets bei den Sony-Telefonen der Z-Reihe fest verbaut ist. Dessen Kapazität beträgt jetzt nämlich 3.100 statt zuvor 3.200 Milliamperestunden: Das Z3 ist nämlich mit 7,4 statt 8,2 Millimetern ein wenig dünner und mit 152 statt 163 Gramm signifikant leichter geworden – da bleibt bei quasi identischer Ausstattung nur der Stromspeicher als Spielraum. Als Folge der Reduzierung hält das Z3 nun im Laufzeittest bei der Wiedergabe eines Full-HD-Videos mit maximaler Displayhelligkeit im Flugmodus lediglich 289 statt 372 Minuten lang durch. Das Z3 macht also 22 Prozent früher schlapp als das Z2. Im Vergleich zur Konkurrenz ist der Proband damit 17 Prozent unterdurchschnittlich, also wahrlich kein Marathonläufer.

Kamera wie gehabt

Die Kamera schießt Fotos weiterhin mit 20,66 Megapixel. Die Frontkamera nimmt Fotos und Videos mit Full HD auf, in der Rückseite findet sich zudem eine weiße LED und in der rechten Flanke ein zweistufiger mechanischer Auslöser. Qualitativ hat sich nichts getan: Die Aufnahmen fallen scharf aus, allerdings nicht so exorbitant wie es die enorme Pixelzahl erhoffen lässt – zumal auch die Detailschärfe besser sein könnte. Ohnehin schneiden die Fotos im Modus „Überlegene Automatik“ zumeist besser ab, weil hier automatisch Programme wie „Landschaft“ oder „Hintergrundbeleuchtung“ aktiviert werden, die für gelungenere Kontraste sorgen. Einzig bei mittleren Lichtverhältnissen wie bei bewölktem Himmel erweist sich der Modus „Manuell“ als besser, weil er etwas natürlichere Farben und vor allem ein geringeres Bildrauschen produziert. Insgesamt reicht es für ein „Gut“, was aber angesichts der Pixelzahl doch ein wenig enttäuscht.

Vierfaches Full HD

Videos in Full HD können nunmehr ausschließlich mit 30, nicht mehr mit 60 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Oder wahlweise in 4K, also mit 3840 x 2160 Pixel oder vierfachem Full HD. Auch hier gefällt die Qualität gut, bleibt aber hinter den Erwartungen an 4K zurück – da hat man schon Besseres gesehen. Für die Videos erntet das Z3 ein „Gut“ und bleibt damit hinter seinem Potenzial zurück. Zu erwähnen sind außerdem noch zwei neue Funktionen: Zum einen lassen sich Videoaufnahmen nun pausieren, was im Gegensatz zum bisherigen Stoppen keine neue Datei erzeugt. Auf diese Weise können Clips mit mehreren Szenen hintereinander angefertigt und ohne Nachbearbeitung geteilt werden. Ungemein praktisch! Des Weiteren erstellt das Sony nun neben Screenshots auch Screenclips: Nach einem langen Druck auf den Ein-/Aus-/Standby-Taster in der rechten Flanke und der Auswahl „Bildschirm aufnehmen“ hält die Software alles fest, was auf dem Display geschieht und nimmt dazu den Ton auf. Das ideale Tool, um etwas zu erklären. Clever!

Audiophilisten aufgepasst

Für audiophile Zeitgenossen hält das Xperia Z3 ebenfalls ein paar nette Extras parat. Da wäre etwa die Option, unter „Audio-Einstellungen – Kopfhörer” aus sechs Headsets von Sony das verwendete auszuwählen, inklusive des serienmäßig beiliegenden MH750. Die Software passt daraufhin den Klang optimal an den jeweiligen Kopfhörer an. Ferner kann das Audio-Signal auf Wunsch an der Micro-USB-Buchse ausgegeben werden, wo es von DAC-Geräten aufgegriffen werden kann, die mit ihren hochwertigen Wandlern in der Regel einen besseren Klang erzielen als die extrem kompakten Bauteile eines Smartphones. Passend dazu spielt der Walkman-Player Audio-Dateien unter anderem in den High-Resolution-Formaten FLAC, Matroska, SDF und DSDIFF ab. Mit dem bordeigenen Chip produziert der Proband den für Sony typischen harmonischen, natürlichen Sound. Allerdings fällt im Hörtest an den Ultimate Ears Reference Monitors auf,  dass die Höhen nicht ganz so klar und präsent klingen wie bei der Referenz, dem iPhone 4S. Und dass es den Bässen es ein wenig an Druck und Präzision fehlt, weshalb sich diese auf dem Z3 ein wenig matschiger anhören. Auch die Vorgänger der Z-Reihe konnten nie ganz zum iPhone aufschließen, doch waren die Abstände hauchdünn. Dagegen scheint der Frequenzgang auf dem Z3 an beiden Enden früher einzubrechen. Das ist Kritik aber auf hohem Niveau, denn auch das Z3 kassiert immerhin noch ein „Gut“ für seinen Klang.

Dünner denn je

Mit 72,4 x 146,4 statt 73,5 x 146,9 Millimetern entspricht das Format des Z3 annähernd demjenigen des Vorgängers, solche Unterschiede bemerkt man in der Praxis nicht. Die bereits erwähnte etwas dünnere Bauweise sowie das geringere Gewicht hingegen schon. Allerdings fordert die Flunderform ihren Tribut: Verwindet man das Z3, so drückt sich das Frontglas an mehreren Stellen auf das Panel durch. Nicht weiter tragisch, weil eine solche Behandlung im Alltag quasi nicht vorkommt. Doch beweist dieses Phänomen, dass sich Sony mit den 7,4 Millimetern an der Grenze der Stabilität bewegt: Sollte das Telefon einmal unglücklich fallen oder ein spitzer Gegenstand kräftig auf den Bildschirm drücken, könnte ein bleibender Schaden entstehen. Andererseits sollte jedem Käufer klar sein, dass ein Handy mit Glasbeschichtung auf Front- und Rückseite ohnehin stets einen sorgfältigen Umgang erfordert, denn kratzfestes Glas sollte keineswegs mit bruchfestem verwechselt werden! Außerdem erweisen sich die Kanten des Deckglases an den Aussparungen für Mikrofon und Hörmuschel wieder einmal als leicht scharfkantig. Man fragt sich, warum es andere Hersteller wie etwa Wiko selbst bei günstigeren Smartphones schaffen, dies besser zu lösen, Sony diesem Design aber weiterhin den Vorzug gibt. Denn erstklassige Schmutzfänger stellen diese Durchlässe in jedem Fall dar.

Mehr Komfort

Wie immer passt die Nutzeroberfläche von Sony das Betriebssystem geringfügig an, in Fall des Z3 wird das Gerät mit Android 4.4.4 ausgeliefert. Das betrifft zum Beispiel die einfach konfigurierbaren Schnellzugriffe, die mit zwei Fingern vom oberen Bildrand gewischt werden. Oder die nützlichen Small Apps: kleine Fensterchen etwa für Notizen oder Rechner, die sich in einer zweiten Ebene über den eigentlichen Inhalt legen, um das ständige Wechseln zwischen zwei Anwendungen zu vermeiden.  Nett auch die Bewegungssteuerungen, die sich unter „Einstellungen – Personalisierung – Intelligente Anrufverwaltung“ verbergen und es ermöglichen, Anrufe durch Heben des Telefons ans Ohr anzunehmen, per Schütteln abzuweisen und den Klingelton stummzuschalten, indem man das Z3 mit dem Display nach unten hinlegt. Ebenfalls praktisch die Option mit der ungeschickten Bezeichnung „Intelligente Gegenlichtsteuerung“ unter „Einstellungen – Bildschirm“: Wird diese aktiviert, erkennt das Z3, wenn es in der Hand gehalten wird und schaltet dann die Bildschirmbeleuchtung nicht aus. Dies verhindert, dass etwa beim Lesen einer Webseite mittendrin der Bildschirm dunkel wird. Ja, das kommt bekannt vor: Doch löst Samsung dies, indem die Augen des Nutzers über die Frontkamera beobachtet werden, was weitaus nicht so zuverlässig funktioniert. Nicht zuletzt erkennt das Z3 die Gegenwart von Wearables wie dem SmartBand oder SmartBand Talk und entsperrt sich dann selbst. Gleiches soll mit jedem Bluetooth-Zubehör von Sony klappen: Unter „Einstellungen – Sicherheit – Bildschirmsperre – Entsperren mit Bluetooth“ lässt sich das entsprechende Gerät auswählen und aktivieren. Bei statistisch mehr als 150 Aktivierungsvorgängen des Handys pro Tag eine durchaus komfortable Geschichte.

Fazit

Für Besitzer eines Xperia Z1 oder Z2 macht ein Umstieg auf das Soyn Xperia Z3 wenig Sinn, dafür hat sich zu wenig geändert an Ausstattung oder Kamera, und auch die Prozessoren der Vorgänger sind immer noch vollauf up-to-date. Es gibt zwar ein paar kleinere Optimierungen bezüglich der Bedienung, aber nichts davon wäre so unabdingbar, dass ein Umstieg geboten schiene. Ganz im Gegenteil: Der Akku des Z3 macht schmerzliche 22 Prozent früher schlapp als der des Z2, außerdem gefällt der Klang des Musikplayers nicht so ganz – wenngleich immerhin noch ein „Gut“ dafür herausspringt. Unterm Strich landet das Z3 in der Gesamtwertung deshalb knapp hinter dem Z2, weshalb Neuerwerbern eher zum Z2 geraten sei, welches ohnehin nur ein halbes Jahr älter ist und zudem jetzt nach Erscheinen des Z3 noch einmal spürbar günstiger werden dürfte.

Ausstattung                 173 von 175

Foto                             19 von 25

Video                           19 von 25

Musik                          21 von 25

Handhabung                207 von 250

gesamt                        439 von 500