Wegen Lohnlücke: Kredite für Frauen 8 Prozent teurer

05.03.2021 | 04:00

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Noch immer verdienen Frauen in Deutschland viel schlechter als Männer. Zum Welt-Frauentag am 8. März und dem Equal Pay Day am 10. März stehen diese Ungleichheiten besonders im Fokus. Durch die Lohnlücke sind Frauen auch bei der Kreditaufnahme benachteiligt. Ihre Kredite sind im Mittel 8 Prozent teurer und ihre Kreditanfrage wird häufiger abgelehnt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Verivox-Studie.

8 Prozent höhere Zinskosten

Für die Analyse wurden alle Kredite ausgewertet, die im vergangenen Jahr über Verivox beantragt und abgeschlossen wurden. Im Mittel mussten Frauen für ihren Kredit 3,39 Prozent Zinsen zahlen. Männliche Kreditnehmer zahlten nur 3,15 Prozent. Damit waren Kredite für Frauen 8 Prozent teurer. Ausgewertet wurde der sogenannte Median-Zins – die Hälfte der Kunden erhielt ihren Kredit zu diesem oder einem noch günstigeren Zinssatz.

Lohnlücke führt zu ungünstigeren Konditionen

Die schlechteren Zinsen für Frauen begründen sich durch ihr geringeres Einkommen. Im Schnitt verdienten Frauen, die 2020 über Verivox einen Kredit angefragt haben, 1.714 Euro netto im Monat – 564 Euro weniger als Männer. Zwischen den Geschlechtern klafft also eine deutliche Lohnlücke von 25 Prozent. Im Vorjahresvergleich erweist sich die Lohnlücke als stabil. Auch im Jahr 2019 verdienten Verivox-Kundinnen im Schnitt ein Viertel weniger als Männer.

„Das Einkommen ist für Banken ein wichtiges Merkmal bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Wer schlechter verdient, kann weniger Kredit aufnehmen, zahlt höhere Zinsen und erhält schwerer eine Kreditzusage.“ 71 Prozent der Männer, die über Verivox ein Darlehen beantragen, erhalten mindestens ein Finanzierungsangebot von einer Bank. Bei Frauen liegt dieser Anteil nur bei 65 Prozent. Der durchschnittliche Kreditbetrag ist bei Frauen 18 Prozent niedriger als bei Männern.

Lohnlücke vergrößert sich im weiteren Lebensverlauf

Schon im jüngeren Erwachsenenalter gibt es deutliche Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern. In der Altersgruppe von 18 bis 35 Jahren verdienen Verivox-Kundinnen etwa ein Fünftel (19 Prozent) weniger als ihre männlichen Altersgenossen. Mit zunehmendem Alter geht die Schere noch weiter auseinander. Frauen zwischen 36 und 50 Jahren verdienen im Schnitt 30 Prozent (789 Euro) weniger als gleichaltrige Männer. Auch in den Folgejahren bleibt die Kluft groß. In der Altersgruppe der 51- bis 65-Jährigen verdienen Frauen 29 Prozent weniger. Seniorinnen über 65 Jahre verfügen im Schnitt über 18 Prozent weniger Einkommen als Männer im gleichen Alter.

Frauen arbeiten öfter in Branchen mit niedrigem Lohnniveau. In den Lebensjahren während und nach der Familiengründung kommen häufig noch längere Job-Auszeiten und Teilzeit-Arbeitsverhältnisse hinzu. Ein Teil der Verdienstunterschiede erklärt sich durch solche strukturellen Unterschiede in den Erwerbsbiografien von Männern und Frauen.

Zwei Tipps für günstigere Zinsen

Trotz der deutlichen Gehaltsunterschiede können sich auch Frauen sehr günstige Kreditzinsen sichern. Besonders wichtig ist ein gründlicher Anbietervergleich vor dem Kreditabschluss. Eine einfache Beispielrechnung verdeutlicht das Sparpotenzial: Im bundesweiten Durchschnitt zahlten Verbraucher für einen Ratenkredit im letzten Jahr 5,82 Prozent Zinsen – laut Zahlen der Bundesbank. Bei einem Kredit über 15.000 Euro mit 5 Jahren Laufzeit macht das 2.262 Euro Zinskosten. Verivox-Kundinnen zahlten im Mittel nur 3,39 Prozent. Damit war ihr Kredit zwar etwas teurer als bei Männern. Doch im Vergleich mit dem Kredit zum deutschen Durchschnittszins würden sie immer noch 954 Euro sparen.

Oliver Maier hat noch einen weiteren Tipp: „Ein zweiter Kreditnehmer mit eigenem Einkommen verbessert die Bonität. Dann stehen beide gemeinschaftlich für den Kredit gerade. Für die Bank sinkt dadurch das Risiko, dass sie ihr Geld nicht zurückerhält und sie kann einen günstigeren Zinssatz anbieten.“ Verivox-Kunden, die ihren Kredit zu zweit abschließen, zahlen im Durchschnitt 21 Prozent weniger Zinsen als Verbraucher, die ihr Darlehen allein aufnehmen. Der zweite Kreditnehmer muss nicht unbedingt der Ehe- und Lebenspartner sein. Familienangehörige und enge Freunde kommen ebenfalls infrage.

Methodik

In die Auswertung flossen alle Ratenkredite ein, die 2020 über Verivox beantragt und abgeschlossen wurden.

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