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Smartwatches: Können sich die Alleskönner etablieren?

22.02.2015 | 10:20

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox | dpa/tmn

Berlin - Experten sagen Smartwatches eine beeindruckende Zukunft am Markt voraus: Die Geräte sind multifunktional, sehen gut aus - und könnten sich so im Alltag der Verbraucher integrieren. Hersteller haben bisher allerdings noch mit Problemen wie etwa der niedrigen Akkulaufzeit zu kämpfen. Doch die Branche setzt große Hoffnungen in den Verkaufsstart der Apple-Uhr in wenigen Tagen.

Der Trend zur Vernetzung und dem Internet der Dinge setzt sich fort: Alle namhaften Smartphone-Hersteller führen mittlerweile intelligente Uhren oder Fitnessarmbänder in ihrem Produktportfolio. Smarte Funktionalität steht dabei im Vordergrund: Während sich etwa über die Smartwatch Musik auf dem Handy steuern lässt oder Nachrichten am Handgelenk gelesen werden können, messen Fitnessbänder Distanzen, Puls und Kalorienverbrauch oder zeichnen Daten beim Schlafen auf.

Smartwatches werden sich mittelfristig etablieren und genauso zum Alltag gehören wie Smartphones und Tablet-Computer", glaubt Timm Hoffmann vom IT-Verband Bitkom. Mit einem Smartphone sind die Geräte aber nicht vergleichbar. Einen Kopfhöreranschluss sucht man meist vergebens, auch auf Sprachbefehle reagieren Smartwatches nicht. Vielmehr sind sie als Zweitdisplay konzipiert - was aus Herstellersicht durchaus Sinn ergibt. "Die Unternehmen haben natürlich kein Interesse daran, ein Gerät durch ein anderes zu ersetzen", sagt "c't"-Redakteur Nico Jurran.

Viele Funktionen integriert

Der Vorteil: Dank der Uhr am Handgelenk muss der Nutzer das Smartphone nicht ständig aus der Tasche holen. Viele Funktionen lassen sich über die Smartwatch bedienen. "Von der Uhr aus lässt sich zum Beispiel die Musik steuern", sagt Jurran. So kann problemlos die Lautstärke angepasst oder ein Lied vor- oder zurückgeschaltet werden. "Mit Bluetooth-Kopfhörern lassen sich auch Gespräche annehmen oder ablehnen", erklärt Jurran. Direkt in die Uhr hineinsprechen kann man aber nicht.

In anderen Situationen können Smartwatches ebenfalls einen Mehrwert bieten. "Etwa in einem Meeting, wenn der Blick auf die Uhr und das Lesen einer eingehenden Nachricht unauffälliger ist als der Blick auf das Smartphone", sagt Timm Hoffmann. Darüber hinaus kann die mobile Navigation erleichtert werden. "Der Blick auf die Smartwatch, deren Pfeil nach links oder rechts zeigt, ist angenehmer als der ständige Blick auf das Smartphone", erklärt Hoffmann.

Apple folgt Android-Modellen in wenigen Tagen auf den Markt

Bei den meisten Smartwatches lassen sich Funktionen über Apps nachrüsten. Grundsätzlich sind die Möglichkeiten dabei mit Android-Smartphones etwas größer als bei der iOS-Konkurrenz. Apples eigene iWatch ist allerdings noch nicht auf dem Markt, der Verkaufsstart in wenigen Tagen wird mit großer Spannung erwartet: Die Smartwatch der Amerikaner könnte die Branche verändern und zusätzliche Kunden gewinnen. Bereits erhältlich sind zum Beispiel die Galaxy-Gear-Modelle von Samsung mit vielen verschiedenen Varianten, Sonys Smartwatch 3 oder die Modelle G Watch R und Moto 360 von LG beziehungsweise Motorola mit ihrem klassischen Ziffernblatt.

Akkulaufzeit bislang problematisch

Viele Smartwatches machen als Zweitdisplay aber noch keine besonders gute Figur. Was hauptsächlich daran liegt, dass es den Herstellern bislang nicht gelungen ist, für eine vernünftige Akkulaufzeit zu sorgen. In das kleine Gehäuse passt eben keine große Batterie. "Smartwaches stehen teils noch vor Herausforderungen bei Technik und Design", sagt Hoffmann. "Es ist anspruchsvoll, neue Geräte zu entwickeln, die ansprechendes Design und lange Akkulaufzeit vereinen."

"Der Akku ist das größte Problem", glaubt auch Jurran. "Denn die Uhr soll ja auch schick sein." Vor einem allzu klobigen Gehäuse schrecken viele Hersteller deshalb zurück. Das hat Konsequenzen, denn von einer nicht aufgeladenen Uhr seien Nutzer schneller genervt, als wenn ihrem Handy mal der Saft ausgeht. "Das Handy lässt sich mal eben bei der Arbeit laden", erklärt der Smartwatch-Experte der "c't". Die Smartwatch müsste man dafür erst vom Arm nehmen.

Hinzu kommt, dass auch die Ladetechniken der Uhren noch sehr verschieden sind. Vergisst der Nutzer das Ladegerät etwa auf dem Weg in den Urlaub, sei es schwer, für Ersatz zu sorgen. "Es ist wichtig, dass die Ladetechnik künftig vereinheitlicht wird", sagt Jurran.

Sportuhren leisten bereits viel

Noch fristen Smartwatches wegen solcher Probleme ein Nischendasein. Sportuhren sind dagegen schon fest in den Alltag vieler Hobby- und Profiathleten integriert. Viele Funktionen von Smartwatches decken sie bereits ab. "Mit Sportuhren habe ich jedoch keine Interaktionsmöglichkeiten", sagt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS).

An Bord haben sie aber zum Beispiel eine Zeit-, Geschwindigkeits- und Distanzmessung, die Messung des Kalorienverbrauchs, eine Routennavigation, Pulsmessung und -kontrolle oder einen Intervall- und Pausentimer. Zu viele Möglichkeiten können allerdings kontraproduktiv sein, warnt Froböse. "Je umfangreicher die Funktionen sind, desto schwieriger sind sie auch für den Sportler zu bedienen", sagt der Sportwissenschaftler. "Viele nützliche Funktionen werden gar nicht genutzt."

Alternativen: Nach Bedarf wählen

Sportuhren eignen sich insbesondere für Ausdauerdisziplinen wie Joggen oder Wandern. Auch für Golf-, Tauch- oder Segelsport gibt es geeignete Uhren, die über sportartspezifische Funktionen verfügen. "Die Uhr sollte auf jeden Fall zu der betriebenen Sportart passen. Denn Läufer haben andere Anforderungen an die Sportuhr als Golfer oder Segelsportler", so Froböse.

"Jeder, der ernsthaft Sport betreibt, ist mit einer Sportuhr besser bedient als mit einer Smartwatch", sagt "c't"-Redakteur Jurran. Die Smartwatch macht dabei eher keine gute Figur: Weil die Geräte meistens nur in Kopplung mit einem Handy funktionieren, müssten Sportler immer zwei Geräte mitschleppen. "Einen Sportmodus gibt es zwar oft, der ist aber schlecht umgesetzt", sagt Jurran. Wer statt der Sportuhr unbedingt eine Smartwatch haben will, auf digitale Unterstützung beim Laufen aber nicht verzichten will, kann sich auch ein zusätzliches Fitness-Armband zulegen.