Analyse: Jedes zweite neue Smartphone hat bereits 5G – Netzdichte kann noch nicht mithalten

20.07.2021 | 09:00

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Mehr als die Hälfte aller Smartphone-Neuerscheinungen in Deutschland hat bereits 5G-Mobilfunk an Bord – Tendenz: stark steigend. Der Anteil an 5G-Geräten hat sich seit letztem Sommer mehr als verdoppelt. Das zeigt eine aktuelle Verivox-Analyse.

5G-Anteil in einem Jahr mehr als verdoppelt

Seit Juli 2020 sind in Deutschland 149 Smartphones neu auf den Markt gekommen; davon funken 80 – also mehr als die Hälfte – im neuen 5G-Netz. Vor einem Jahr waren in Deutschland nach Verivox-Recherchen erst 33 5G-Smartphones zu haben. Bei den deutschen Netzbetreibern ist der 5G-Anteil noch höher als auf dem freien Markt: Im Schnitt sind fast zwei Drittel der dort vermarkteten Smartphones 5G-fähig (64 Prozent). Vodafone hat die meisten Geräte im Sortiment (73 Prozent), O2 mit 51 Prozent die wenigsten.

„5G-fähige Geräte führen kein Nischendasein mehr, sondern entwickeln sich zum Standard,“ sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. „Während im Vorjahr noch chinesische Hersteller den Markt dominierten, kann heute keiner der großen Wettbewerber mehr auf 5G-Mobilfunk bei seinen Top-Smartphones verzichten,“ so Theumer weiter.

5G-Preisspanne reicht von 200 bis 2.500 Euro

Wer heute ein 5G-Modell kaufen möchte, wird sowohl bei Highend-Geräten als auch bei der günstigen Mittelklasse aller bekannten Marken fündig – die Preisspanne reicht von knapp 200 Euro (z. B. Xiaomi Poco M3 Pro 5G) bis hin zu fast 2.500 Euro (Sony Xperia Pro). Zum Vergleich: Das erste 5G-taugliche Smartphone auf dem deutschen Markt kostete im Juni 2019 knapp 1.200 Euro (Samsung Galaxy S10 5G).

„Die Vorstellung 5G-tauglicher iPhones im Herbst 2020 hat den gesamten Markt kräftig angekurbelt,“ sagt Jens-Uwe Theumer. „Apple ist auch hier seiner Strategie treu geblieben, innovative Techniken nicht sofort einzusetzen, sondern erst eine gewisse Marktreife abzuwarten.“

5G-Gerätedichte ist höher als Netzdichte

Die 5G-Netzdichte kann derzeit mit der Smartphone-Verfügbarkeit nicht mithalten. Dabei ist die Abdeckung je nach Netzbetreiber sehr unterschiedlich: Die Deutsche Telekom versorgt nach eigenen Angaben 80 Prozent der Bevölkerung mit 5G, Vodafone gibt knapp ein Drittel Versorgungsdichte an. Telefonica funkt erst in einigen Großstädten mit 5G; 1&1 hat noch kein eigenes Netz aufgebaut.

Gut zwei Jahre nach dem Ende der 5G-Auktion ist die Nachfrage nach dem neuen Netzstandard nur schwer zu beziffern. Hauptgrund dafür ist eine hybride Antennentechnik, die an den meisten Standorten flexibel zwischen 4G- und 5G-Standard wechseln kann. Deshalb ist der rein auf 5G entfallende Anteil unklar.

5G-Tarife meist ohne Aufpreis zu haben

Anders als beim 4G/LTE-Start vor rund 11 Jahren kostet der neue Netzstandard die Kundinnen und Kunden in der Regel keinen Aufpreis: 5G ist mittlerweile bei nahezu allen Vertragstarifen der Netzbetreiber als kostenlose Option enthalten. Nur in kleineren Tarifpaketen oder Prepaid-Angeboten fehlt 5G bisweilen oder bedarf eines Aufpreises von rund 3 Euro monatlich.

„Der Sprung von 3G auf 4G brachte das mobile Internet in ein völlig neues Zeitalter“, sagt Theumer. „Heute ist der Unterschied zwischen 500 Megabit pro Sekunde im LTE-Netz und einem Gigabit im 5G-Netz vergleichsweise gering. Ein ‚neues Zeitalter‘ bricht durch 5G eher für die Industrie an als für durchschnittliche private Verbraucher – 5G ermöglicht zum Beispiel einen hocheffizienten drahtlosen Austausch zwischen Menschen und Maschinen. Insofern ist die kaum veränderte Privatkunden-Preisstruktur der Netzbetreiber folgerichtig.“

Methodik

Die Anzahl der 5G-Geräte wurde in den Online-Shops von Telekom, Vodafone, Telefonica und 1&1 ermittelt. Die Gesamtzahl aller seit Juli 2020 neu erschienenen Smartphones und deren 5G-Anteil (80 von 149) basiert auf der Verivox-Hardwaredatenbank; Sub-Versionen und Spezial-Bundles sind nicht mitgerechnet. Alle genannten UVP-Preise beziehen sich auf den deutschen Markt. Stand: 01.07.2021.

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