Verbraucher-Atlas: Zusatzbeitrag Krankenkasse

Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung

Jede Krankenkasse legt für Ihre Mitglieder einen Zusatzbeitrag fest. Dadurch ergeben sich Beitragsunterschiede zwischen den Krankenkassen – aktuell bis zu 509 Euro pro Jahr. Das Sparpotenzial unterscheidet sich aber zwischen den Bundesländern, weil viele Kassen nur in einigen Regionen aktiv sind.

Günstige Krankenkasse – teure Krankenkasse

Wer in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert ist, zahlt an seine Krankenkasse keinen festgelegten Euro-Betrag, sondern einen Prozentsatz vom Einkommen als monatlichen Beitrag. Der besteht aus dem gesetzlichen festgeschriebenen allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent und einem Zusatzbeitrag, den die jeweilige Krankenkasse selbst festlegt. Der Zusatzbeitrag der 78 Krankenkassen in Deutschland variiert im Jahr 2020 zwischen 0,0 und 2,2 Prozent.

Seit 2019 gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung bei Arbeitnehmern wieder die paritätische Finanzierung. Das heißt, der komplette Beitrag wird zur einen Hälfte vom Arbeitnehmer und zur andern Hälfte vom Arbeitgeber bezahlt. Vorher hatten die Arbeitnehmer einige Jahre den Zusatzbeitrag komplett selbst bezahlen müssen und nur der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent war paritätisch finanziert.

Zusatzbeitrag: Wo ist es teuer, wo günstiger?

Weil jede Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag selbst festlegt, kommt es zu erheblichen Beitragsunterschieden. Da einige günstige und teure Krankenkassen nicht bundesweit, sondern nur in bestimmten Bundesländern aktiv sind, unterscheidet sich das maximale Sparpotenzial von Ort zu Ort. Am größten ist die Differenz aktuell in Bayern, Hessen und Niedersachsen, wo die günstigste Krankenversicherung einen Zusatzbeitrag von 0,39 Prozent erhebt, die teuerste 2,2 Prozent. Ein Arbeitnehmer, dessen Jahreseinkommen 56.250 Euro überschreitet, würde durch einen Wechsel vom teuersten zum günstigsten Anbieter 509 Euro weniger zahlen. Bei einem Jahreseinkommen von 36.000 Euro brutto liegt die Differenz bei 326 Euro.

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Der Gewinn im Portmonee ist etwas geringer, denn Krankenkassenbeiträge sind unbegrenzt steuerlich absetzbar. Je nach Steuerklasse ist die Differenz beim Nettolohn also niedriger als der Beitragsunterschied.

Die Karte zeigt für alle Bundesländer die höchstmögliche Beitragsdifferenz zwischen der Krankenkasse mit dem höchsten und dem niedrigsten Zusatzbeitrag. Dieses maximale Sparpotenzial haben Arbeitnehmer, die den Höchstbetrag in die Krankenversicherung zahlen. Das betrifft Arbeitnehmer, deren Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze (2020: 56.250 Euro) liegt.

Wie hoch ist das Sparpotenzial beim Zusatzbeitrag?

Krankenkassen-Zusatzbeitrag 2020

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Die Allgemeinen Ortskrankenkassen

Auch die Ortskrankenkassen legen die Zusatzbeiträge selbst fest. Dabei gibt es deutliche Unterschiede – einige Anbieter sind regional sehr günstig. Die Karte zeigt die Differenz zwischen der Ortskrankenkasse und der Krankenkasse mit dem niedrigsten Zusatzbeitrag.

Zusatzbeiträge der AOK

Neue Zusatzbeiträge

Im Dezember legen die Krankenkassen traditionell ihre Zusatzbeiträge fest. Im Dezember 2019 haben 2 Krankenkassen eine Senkung des Zusatzbeitrags für 2020 beschlossen, 18 erhöhen ihn ab Januar 2020. Aktuell gibt es 78 geöffnete Krankenkassen in Deutschland, hinzu kommen 26 betriebsbezogene Krankenkassen, die nur von Mitarbeitern dieser Unternehmen gewählt werden können. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die geöffneten Krankenkassen.

Der höchste Anstieg eines Zusatzbeitrages beträgt 0,66 Prozent. Dann steigt der Beitrag für einen Arbeitgeber mit 36.000 Euro Bruttoeinkommen um 119 Euro und in gleicher Höhe für seinen Arbeitgeber. Gutverdiener zahlen doppelt drauf. Erstens durch den höheren Zusatzebeitrag. Zweitens steigt die Beitragsbemessungsgrenze, d.h. die Lohngrenze, bis zu der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung fällig werden. Dann beträgt der Mehrbeitrag 331 Euro im Jahr - jeweils für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt von 54.450 Euro (2019) auf 56.250 Euro (2020). Da Krankenversicherungsbeiträge steuerlich absetzbar sind, wirkt sich die Differenz beim Nettoeinkommen weniger stark aus – je nach Steuerklasse.

Eigentlich hatte das Bundesgesundheitsministerium eine Erhöhung der Zusatzbeiträge auf breiter Front erwartet. Die Experten geben traditionell im Oktober eine Schätzung heraus und sie prognostizierten einen Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrages um 0,2 Prozentpunkte auf 1,1 Prozent. Dieser Wert ist eine statistische Orientierungsgröße, die für Krankenkassen nicht bindend ist. Der tatsächliche Anstieg liegt unter diesem Wert. 2020 verlangen die Krankenkassen im Durchschnitt einen Zusatzbeitrag von 1,07 Prozent, 2019 waren es 1,04 Prozent.

Der niedrigere Anstieg ist verursacht durch eine andere Regelung des Ministeriums. Krankenkassen hatten in den vergangenen Jahren über 20 Milliarden Euro Finanzreserven angehäuft, die nun abgebaut werden sollen. Solange eine Krankenkasse über mehr als eine Monatsausgabe an Rücklagen und Betriebsmitteln verfügt, darf sie den Zusatzbeitrag nicht erhöhen. Besonders hohe Rücklagen sollen ab 2020 sogar über sinkende Zusatzbeiträge abschmelzen.

Parallel werden die Gesundheitsausgaben weiter steigen. So hat vermutlich manche Krankenkasse einen Anstieg des Zusatzbeitrages, der wegen der höheren Ausgaben eigentlich notwendig geworden wäre, durch den Abbau der Rücklagen nur verschoben. 2021 ist also mit weiteren Erhöhungen bei den Zusatzbeiträgen zu rechnen.

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Können Versicherte ohne Sorgen wechseln? 95 Prozent der Grundleistungen der Krankenkassen sind gesetzlich festgeschrieben. Bei den allermeisten Leistungen gibt es also keine Unterschiede zwischen den Krankenkassen. Dennoch unterscheiden sich die Krankenkassen bei einigen Zusatzleistungen – wie Schutzimpfungen vor Reisen, zusätzlichen Untersuchungen in der Schwangerschaft oder Homöopathie. Wer darauf Wert legt, sollte vor einem Wechsel der Krankenkasse auch die Leistungen vergleichen.

Wie schnell kann ich kündigen?

Die Mitgliedschaft in einer Krankenkasse können Versicherte in der Regel mit einer Frist von 2 Monaten zum Monatsende kündigen. Es gelten Ausnahmen, wenn die Verbraucher weniger als 18 Monate Mitglied der Kasse sind oder sie einen Wahltarif gewählt haben. Wenn die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, können auch diese Mitglieder den Anbieter mit einer Frist von 2 Monaten zum Monatsende wechseln. Lediglich beim Krankengeld-Wahltarif gilt generell die Mindestlaufzeit.

Welche Versicherungen brauche ich?

Die Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht. Aber auch andere Versicherungen sollten Verbraucher haben, um sich und ihre Familie zu schützen. Welche Sie unbedingt abschließen sollten und auf welche Sie verzichten können, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

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