Eine Dienstunfähigkeitsversicherung schließt finanzielle Versorgungslücken für Arbeitnehmer im Beamtenverhältnis. Wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr diensttauglich sind, besteht ein Anspruch auf eine vorzeitige Rentenzahlung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Dienstunfähigkeitsversicherung schließt finanzielle Versorgungslücken für Arbeitnehmer im Beamtenverhältnis.
  • Als erwerbsunfähig gilt, wer gar keiner erwerbsmäßigen Tätigkeit mehr nachgehen kann. Auch bei Beamten gilt das Hauptkriterium, wegen einer Erkrankung ihrer dienstlichen Verpflichtung nicht mehr nachkommen können.
  • Beamten auf Lebenszeit steht im Falle der Dienstunfähigkeit vor Erreichen des Pensionsalters eine Mindestversorgung zu. Sie wird durch die Fürsorgepflicht des Dienstherrn des Beamten gewährleistet.
  • Egal ob als eigenständige Dienstunfähigkeitsversicherung oder als Berufsunfähigkeitsversicherung mit Beamtenklausel, die Police gehört zu den absoluten Pflichtversicherungen.

Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte

Die vorzeitige Rentenauszahlung reicht aber in den meisten Fällen nicht aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten und weiteren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Wenn eine Dienstunfähigkeit weit vor dem Pensionsalter eintritt, kann nur die Leistung aus einer privaten Zusatzversicherung den dann entstehenden Einkommensverlust ausgleichen. Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es für Beamten eine spezielle Version, die Dienstunfähigkeitsversicherung.

Was bedeutet Dienstunfähigkeit genau?

Das Beamtenversorgungsgesetz und die Anbieter einer Dienstunfähigkeitsversicherung regeln den Leistungsfall in Anlehnung an die generelle Erwerbsunfähigkeit, wie sie bei Arbeitnehmern der freien Wirtschaft zum Tragen kommt. Als erwerbsunfähig gilt, wer gar keiner erwerbsmäßigen Tätigkeit mehr nachgehen kann. Auch bei Beamten gilt das Hauptkriterium, wegen einer Erkrankung ihrer dienstlichen Verpflichtung nicht mehr nachkommen können.

Wenn Staatsdiener in die Situation geraten, wegen einer Erkrankung nicht mehr arbeitsfähig zu sein, besteht meistens keine gleichzeitige Ausweichmöglichkeit auf eine weniger belastende Tätigkeit. Im Falle der Berufsunfähigkeit wäre diese Möglichkeit zum Beispiel gegeben. Bei Beamten geht die Dienstunfähigkeit hingegen mit einer vorzeitigen Zwangspensionierung einher.

Das Ruhegehalt – Durch die Dienstunfähigkeit im vorzeitigen Ruhestand

Beamten auf Lebenszeit steht im Falle der Dienstunfähigkeit vor Erreichen des Pensionsalters eine Mindestversorgung zu. Sie wird durch die Fürsorgepflicht des Dienstherrn des Beamten gewährleistet. Hat sich die Arbeitsunfähigkeit durch einen Unfall im Rahmen der dienstlichen Tätigkeit ereignet, erhalten Betroffene eine staatliche Rente, das sogenannte Unfallruhegehalt, in Höhe von mindestens 66,67 Prozent des zuletzt bezogenen Beamtengehalts.

Ist die Dienstunfähigkeit unabhängig von der dienstlichen Tätigkeit, zum Beispiel in Folge einer psychischen oder physischen Erkrankung, eingetreten, liegt der Anspruch deutlich geringer. Er beginnt bei 35 Prozent des letzten Gehalts und erhöht sich ab dem 20 Dienstjahr mit jedem absolvierten Dienstjahr um den prozentualen Faktor von 1,7935 gegenüber dem zuletzt bezogenen Einkommen. Ab 40 Dienstjahren ist der Maximalwert von ca. 70 Prozent des letzten Einkommens erreicht. Da in den verschiedenen Bundesländern und Kommunen unterschiedliche Regelungen bestehen, kann dieser Wert auch abweichen. Arbeitet der Beamte nur Teilzeit verringert sich der Anspruch auf das Ruhegehalt.

Was leistet eine Dienstunfähigkeitsversicherung

Werden Beamte in jungen Jahren dienstunfähig und müssen in den vorzeitigen Ruhestand, erhalten sie, sofern es nicht durch einen Unfall geschehen ist, nur ca. 1/3 ihres Gehalts. Da die Dienstunfähigkeit immer häufiger durch physische und psychische Krankheiten ausgelöst wird, ist dies ein ernst zu nehmendes Risiko.

Diese gravierende Versorgungslücke kann eine Dienstunfähigkeitsversicherung schließen. Sie zahlt eine vorab vereinbarte Rente und stockt so das Gehalt des Beamten auf. Insgesamt sollte die Rente sobald sich der Beamte im Ruhestand befindet ca. 3/4 des bisherigen Einkommens betragen.

Die Anwartschaft auf das Ruhegehalt: Was junge Beamte wissen sollten

Das sogenannte Ruhegehalt entspricht im Beamtenversorgungsgesetz in etwa der gesetzlichen Rente eines sozialversicherten Arbeitnehmers. Dabei setzt sich die Anwartschaft auf eine spätere Rente und mögliche Erwerbsunfähigkeitsrente aus zwei Bestandteilen zusammen: der Zurechnungszeit und den tatsächlich geleisteten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsjahren. Die Zurechnungszeit wiederum errechnet sich aus den Jahren der schulischen und akademischen Ausbildung. Ein Referendar zum Beispiel, der nach dem zweiten Staatsexamen in den Staatsdienst übernommen wird, benötigt zunächst fünf Dienstjahre, bevor eine erste Anwartschaft auf die für Beamte vorgesehene Grundversorgung besteht. Bei einer privaten Dienstunfähigkeitsversicherung spielt nur der erreichte Beamtenstatus eine Rolle, nicht die bereits geleisteten Dienstjahre.

Keine gesetzliche Leistung bei Dienstunfähigkeit für junge Beamte?

Fünf absolvierte Dienstjahre in Vollzeit bilden die Untergrenze, um überhaupt unter das Beamtenversorgungsgesetz zu fallen. Selbst nach zehn Dienstjahren kommen Beamte nicht über einen Rentenanspruch von knapp 53 Prozent hinaus. Wer vor Ablauf dieser Mindestzeit in die Situation gerät, wegen einer Erkrankung dauerhaft nicht mehr arbeiten zu können, hat keinen Anspruch auf eine Dienstunfähigkeitsrente. Er wechselt dann in die Obhut der gesetzlichen Rentenversicherung. Auch dort ist dann lediglich eine Mindestversorgung vorgesehen, die nach wenigen Berufsjahren kaum über einem dem Drittel des bis dahin erzielten Einkommens liegt. Eine Dienstunfähigkeitsversicherung ist also gerade für junge Beamte ein sinnvoller Baustein zur Risikovorsorge.

Was unterscheidet die Dienstunfähigkeitsversicherung von der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die private Dienstunfähigkeitsversicherung hat durchaus Ähnlichkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Die Versicherungsgesellschaften bieten den Risikoschutz einer Zusatzrente bei Dienstunfähigkeit ausschließlich Personen an, die über einen Dienstvertrag dokumentieren können, dass sie in einem Beamtenverhältnis stehen. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist ebenfalls nur bestimmten Personen zugänglich. Denn ein erlernter und qualifizierter Beruf ist die Voraussetzung, sich privat gegen das Risiko abzusichern, einen Beruf nicht mehr als Erwerbsgrundlage ausüben zu können. Entscheidender als die Ähnlichkeiten sind jedoch die Unterschiede: Es existiert zwar eine gesetzliche Erwerbs-, aber keine Berufsunfähigkeitsrente. Von daher bemisst sich die Bewertung einer Dienstunfähigkeit auch eher nach den gesetzlichen Richtlinien der Erwerbsunfähigkeit.

Teilweise bieten Versicherungen für Beamte auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer sogenannten Dienstunfähigkeitsklausel oder „Beamtenklausel“ an. In diesem Fall leistet die BU auch bei Dienstunfähigkeit. Versicherungen mit Dienstunfähigkeitsklausel werden jedoch nur noch selten angeboten. In den meisten Fällen wird es als eigenständige Dienstunfähigkeitsversicherung angeboten.

Die Kosten einer Dienstunfähigkeitsversicherung

Wie bei vielen Produkten für die private Risikovorsorge haben das Eintrittsalter, die Laufzeit der Dienstunfähigkeitsversicherung und die Art der Tätigkeit Einfluss auf die Höhe des monatlichen Tarifs. Junge Beamte können sich zu geringeren Beiträgen absichern als Arbeitnehmer im Staatsdienst, die erst später eine zusätzliche Dienstunfähigkeitsrente in Erwägung ziehen. Auch die Laufzeit ist entscheidend. Wenn diese statt bis zum gesetzlichen Pensionsalter nur bis zum 60. Lebensjahr festgelegt wird, wirkt sich das begünstigend auf den Tarif aus. Die Höhe der privaten monatlichen Dienstunfähigkeitsrente ist nach oben limitiert, weil sie aus Sicht der Versicherer in einem angemessenen Verhältnis zum Einkommen stehen muss.

Dienstunfähigkeitsversicherungen sind für Beamte häufig besonders reizvoll, da die monatliche Prämie über die Zeit relativ konstant bleibt bzw. teilweise sogar sinkt. Dies liegt daran, dass mit jedem weiteren Dienstjahr die Mindestversorgung steigt. Dies geschieht zwar auch bei normalen Arbeitnehmern, jedoch nicht in dem Maße wie bei Verbeamteten.

Dienstunfähigkeitsversicherung gehört in jedes Versicherungsportfolio

Egal ob als eigenständige Dienstunfähigkeitsversicherung oder als Berufsunfähigkeitsversicherung mit Beamtenklausel, die Police gehört zu den absoluten Pflichtversicherungen. Die Dienstunfähigkeit kann jeden treffen und die gesetzliche Versorgung reicht selten aus. Die zusätzliche private Vorsorge bewahrt einen deshalb vor finanziellen Schwierigkeiten im Fall der Fälle.