Bild: Stromzähler ©Zar/fotolia.com

Energiearmut

Frieren statt Heizen - Teelichter statt Festbeleuchtung: Immer mehr Deutsche sitzen im Kalten bzw. im Dunkeln, weil sie die Kosten für Strom und Gas nicht mehr bezahlen können. Im öffentlichen Sprachgebrauch hat sich hierfür der Begriff Energiearmut etabliert.

Energiearmut in Deutschland: Von der Randerscheinung zum Massenphänomen

Die Preise für Strom, Gas, Öl und Fernwärme kennen seit Jahren nur den Aufwärtstrend. So ist der Strompreis in den vergangenen acht Jahren um 41 Prozent, der Gaspreis um 26 Prozent gestiegen. Da ist es wenig verwunderlich, dass gerade in einkommensschwachen Haushalten immer mehr Energierechnungen unbezahlt bleiben.

Ein Blick auf die nackten Zahlen macht das Ausmaß deutlich: Nach einer Erhebung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erhielten 2010 allein in NRW drei Millionen Kunden Mahnungen wegen unbezahlter Stromrechnungen – 340.000 Sperrandrohungen wurden verschickt. Insgesamt 62.000 Mal kam es tatsächlich dazu, dass der Saft abgedreht wurde. Hochgerechnet auf das gesamte Bundesgebiet wären demnach schätzungsweise rund 600.000 Haushalte im Jahr 2010 von einer Stromsperre betroffen gewesen.

Und das kann schnell gehen: Schon bei offenen Rechnungsbeträgen von 100 Euro dürfen Energieversorger den Strom- bzw. Gashahn zudrehen. Die Sperre muss jedoch vier Wochen vorab schriftlich angekündigt werden. Darüber hinaus muss das Unternehmen drei Werktage zuvor erneut die Sperre ankündigen.

Was macht Energie so teuer?

Anders als viele vermuten, ist es nicht die Gier der Stromanbieter, die die Preise kontinuierlich steigen lassen. Der jüngste Preisschub lässt sich vielmehr durch die gestiegenen Kosten für die Netznutzung sowie durch die Einführung einer „Sonderkundenumlage“ erklären. Weil stromintensive Unternehmen von der Zahlung der Netzgebühren befreit sind, werden die fehlenden Einnahmen direkt auf die privaten Endverbraucher umgelegt. Zudem langt der Staat kräftig zu: Über die Hälfte des Strompreises ist staatlichen Abgaben geschuldet. Dazu zählen die Strom- und Mehrwertsteuer, die Konzessionsabgabe und die Ökostrom-Umlage.

Forderung nach Sozialtarifen wird lauter

Weil gerade Niedriglöhner einen großen Teil ihres Einkommens für Miete, Strom- und Heizkosten aufwenden müssen, wurde in der jüngsten Vergangenheit die Forderung nach der Einführung von Sozialtarifen laut. Viele Politiker und auch Verbraucherschützer lehnen dies jedoch ab und setzen vielmehr auf einen sparsamen Umgang mit Energie. So könnten einkommensschwache Haushalte beispielsweise kostenlose Schulungen zum Thema Energiesparen besuchen. Gerd Billen, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, fordert von den Energiekonzernen hingegen Tarife, die das Stromsparen belohnen. Auch müsse das Arbeitslosengeld II regelmäßig an die Entwicklung der Strompreise angepasst werden.

Gas und Strom: Sparen mit dem Anbieterwechsel

Ganz gleich, ob von Energiearmut betroffen oder nicht: Haushalte in Deutschland haben die Möglichkeit, die Kosten für Strom und Gas durch einen Wechsel des Anbieters zu senken. Und das kann sich lohnen: Wer beispielsweise vom Grundversorgungstarif seines lokalen Anbieters zum günstigsten Tarif ohne Vorauskasse wechselt, kann jährlich mehrere Hundert Euro sparen.

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Text: Verivox
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