HTC One A9 im Test - Außen iPhone, innen Android

Verivox | 08.12.2015
Bild: HTC One A9 ©HTC Corporation

Heidelberg - Das HTC One A9 ähnelt zwar dem Branchenprimus iPhone, geht aber ansonsten eigene Wege. Unter anderem verkörpert es eine spannende Zwischengröße. Der Test.


Das HTC One A9 erinnert optisch stark an das iPhone 6S. Doch setzen die Taiwaner nicht etwa iOS als Betriebssystem ein, sondern bleiben Android treu, ja setzen sogar die derzeit aktuellste Version 6.0 ein. Damit stellt das One A9 nach dem Nexus 5X und Nexus 6P das dritte Smartphone mit „Marshmallow“ dar.

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Erstklassige Verarbeitung

Mit 7,3 Millimetern bleibt das One A9 angenehm dünn und verschwindet somit unauffällig in jeder Hemden- oder Hosentasche. Der Aluminium-Unibody verleiht dem HTC nicht nur eine luxuriöse Optik und Haptik, sondern darüber hinaus eine enorm hohe Stabilität: Verwindungsversuchen trotzt der Kandidat. Das Gewicht von 141 Gramm liegt dadurch zwar etwas über dem für diese Größenordnung Üblichen, was jedoch keineswegs als nachteilig empfunden wird, ganz im Gegenteil: Das A9 verströmt eine eher wertige Schwere. Und gehört damit zweifelsohne zu den begehrenswerteren Smartphones aktuell.

Seltene Zwischengröße

Dies umso mehr, als dass die Displaygröße von 4,98 Zoll oder 127 Millimeter nicht allzu oft anzutreffen ist: Die meisten Konkurrenten weisen Touchscreens ab 5,2 Zoll auf und sind entsprechend klobig oder sind mit Bildschirmen bis 4,7 Zoll zwar recht kompakt, bieten dafür aber auch nicht allzu viel Anzeigefläche. Das Format des A9 birgt zudem den Vorteil, dass sich das Display zur Not auch mal mit einer Hand passabel bedienen lässt.

Gelungener Bildschirm

Auch qualitativ überzeugt die Mattscheibe: Dank Super-AMOLED leuchten die Pixel selbst anstatt von hinten illuminiert zu werden, schwarze Bildpunkte werden also vollständig ausgeschaltet. Das bringt unübertroffene Kontraste und spart überdies Strom. Weshalb Kunden einen Blick in die „Themes“ werfen und dasjenige mit schwarzen Hintergründen aktivieren sollten. Oder selbst das Design der Nutzeroberfläche Sense 7 entsprechend anpassen, was umfangreich möglich ist. Nicht zuletzt ist die Blickwinkelstabilität von OLED-Panels grandios. Und mit in der Bildmitte gemessenen 386 Candela pro Quadratmeter stimmt auch die Helligkeit: 18 Prozent mehr als für OLEDs üblich. Die Auflösung von 1080 x 1920 Bildpunkten führt zu einer Schärfe von 303 Pixel pro Quadratmillimeter (442 ppi): 13 Prozent mehr als der Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Wie gesagt: Das Display des A9 ist top!

Fingerabdruck-Sensor

Auch was die weitere Ausstattung anbelangt, so kann sich diese sehen lassen: LTE, DC-HSPA, WLAN ac, Bluetooth 4.1, NFC, HD-Voice, Status-LED auf der Front – alles, was man braucht. Außerdem ist das A9 geschützt gegen Spritzwasser nach IP x3. MHL und DLNA werden zwar nicht unterstützt, dafür aber Miracast und Chromecast. Ein Infrarot-Sender, mit das Telefon als Fernbedienung für Fernseher & Co. genutzt werden könnte wie die Modelle der M-Serie, fehlt ebenfalls. Darüber hinaus handelt es sich um das erste Mobiltelefon von HTC hierzulande, das über einen Fingerabdruck-Sensor verfügt. Damit klappt das Entsperren des Telefons zuverlässig und rasant schnell, so soll das sein! Bis zu fünf Finger lassen sich speichern, außerdem fungiert der Sensor als Home-Taste.

Mittelklasse-Prozessor

Als Prozessor haben sich die Taiwaner für den brandneuen Qualcomm Snapdragon 617 entschieden. Dessen acht Kerne sind je zur Hälfte mit 1,5 und 1,2 Gigahertz getaktet; allerdings basieren alle acht auf der Cortex-A53-Architektur, die zwar weniger Energie benötigt als die A57-Variante, dafür aber auch schwächer auf der Brust ist. Außerdem wird der Prozessor von nur 2 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt: Bei der von HTC ausgegebenen Preisempfehlung von stattlichen 579 Euro darf man jedoch 3 Gigabyte erwarten. Und so überraschen die Ergebnisse der Tempo-Tests nichts wirklich: In der Gesamtwertung von mehr als 50 erfassten Einzelwerten aus zwölf der bekanntesten Benchmarks liegt das One A9 schließlich 7 Prozent unter dem Durchschnitt. Kein schlechter Wert … für ein Mittelklasse-Modell. Otto Normalnutzer sollte das locker reichen, zumal sämtliche Anzeigen flüssig scrollen, aber für den Preis ist das enttäuschend.

Mehr erwartet

So wie auch der interne Speicher: Statt der erhofften 32 sind es lediglich 16 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps noch 8,61 Gigabyte frei bleiben. Unverständlich nicht zuletzt, weil HTC das A9 in den Vereinigten Staaten mit doppelter Kapazität und 3 statt 2 Gigabyte Arbeitsspeicher verkauft: für 399 Dollar ohne Steuer und somit erheblich weniger! Aber abgesehen vom finanziellen Aspekt stellt das keinen Beinbruch dar, denn neben dem Slot für die Nano-SIM findet sich in der linken Flanke ein Schacht für Micro-SD-Karten, die auch gleich mit bis zu 2 Terabyte unterstützt werden; aktuell sind allerdings Chips mit maximal „nur“ 200 Gigabyte verfügbar. Außerdem lassen sich dank USB-On-the-Go mit Hilfe eines optionalen Adapterkabels beispielsweise USB-Sticks anschließen. Es dürfte also niemand ernsthaft in Speichernöte kommen.

Zu geringe Ausdauer

Der 2.150 Milliamperestunden fassende Lithium-Polymer-Akku ist fest verbaut und hält im Laufzeittest bei der Wiedergabe eines Videos mit einer Displaybeleuchtung von düsteren 200 Candela pro Quadratmeter im Flugmodus 350 Minuten lang durch. Ebenfalls sehr enttäuschend, liegt der Proband damit doch glatte 25 Prozent unter dem Mittelwert. Bedeutet, dass wohl selbst Anwender mit durchschnittlicher Nutzungsintensität haushalten und den Energiesparmodus bemühen sowie die Displaybeleuchtung dimmen müssen; für Quasselstrippen fällt das A9 damit gänzlich flach. Es ist ja verständlich, dass der Hersteller das Gerät flach halten wollte, aber hier wurde dann doch zu kräftig gespart.

Unscharfe Videos

Interessenten müssen noch einen Wermuttropfen schlucken: Die Videos in Full HD, die das A9 aufzeichnet, sind nämlich unscharf, außerdem zieht der Autofokus hin und wieder unnötig nach. Und eine Option wie bei früheren HTC-Handys, mit der sich der Scharfsteller fixieren ließe, sodass er nur einmal zu Beginn der Aufnahme scharfstellt, fehlt leider. „Ungenügend“! Auch die Frontkamera mit 4,1 Megapixel kann trotz der großen und somit lichtstarken „Ultrapixel“ nicht sonderlich überzeugen: Bei schlechten Lichtbedingungen kommt es häufig zu Unschärfen aufgrund der langen Belichtungszeiten, außerdem neigt die Automatik ein wenig zur Überbelichtung.

Knackige Fotos

Für positive Nachrichten sorgt hingegen die Qualität der Fotos der Hauptkamera mit bis zu 13 Megapixel: Schärfe und Detailtreue sind hoch, die Farben satt aber natürlich. Wird dann auch noch der ungemein schnelle HDR-Modus manuell aktiviert (eine HDR-Automatik fehlt leider), gelingen Kontraste und Dynamik hervorragend. Dank des optischen Stabilisators bleibt das auch bei mittleren Lichtbedingungen wie in geschlossenen Räumen oder bei bedecktem Himmel so. Erst unter schlechten Verhältnissen etwa am Abend kommt das A9 an seine Grenzen: Da hat man schon hellere und schärfere Aufnahmen von Telefonen mit optischem Stabilisator gesehen. Andererseits fällt auf, dass selbst hier das Bildrauschen relativ gering bleibt, weshalb es unterm Strich trotzdem noch zu einem knappen „Sehr gut“ reicht.

Pro-Modus mit RAW-Dateien

Erwähnt sei überdies, dass HTC die Nutzeroberfläche der Kamera-App leicht überarbeitet hat: Entschlackt wurden dabei die Einstellungen, die nun erheblich kürzer und somit übersichtlicher sind. Ferner kann der Anwender jetzt nicht nur über das Icon mit den vier Kreisen die Modi (Kamera, Selfie, Panorama, Pro, Hyperlapse, Zeitlupe) wechseln, sondern in iOS-Manier auch einfach horizontal wischen. Bereits früher gab es ja die beiden parallelen Auslöser für Fotos und Videos, sodass hierfür nicht extra der Aufnahmemodus geändert werden muss. Nicht zuletzt bietet der „Pro“-Modus zahlreiche Möglichkeiten der manuellen Anpassung inklusive der Speicherung der gänzlich unbearbeiteten RAW-Dateien.

Obligatorischer Optimierer

Die für die M-Serie typischen Stereo-Frontlautsprecher sucht man beim One A9 vergebens, in der Unterkante sitzt lediglich ein Mono-Lautsprecher. Dafür gibt es neben dem UKW-Radio einen neuen Audio-Chip, der Musikdateien mit bis zu 192 Kilohertz bei 24 Bit unterstützt, also qualitativ hochwertige Formate unterstützt. Titel mit geringerer Qualität werden von der Software hochgerechnet – ob der Nutzer will oder nicht, denn anders als bei Samsung fehlt hierfür eine Option. Immerhin lässt sich „Boom Sound mit Dolby Audio“ im Kopfhörer-Betrieb deaktivieren. Zum Hörtest werden als Referenz die Ultimate Ears Reference-Monitors herangezogen, an denen der Kandidat dank eines dezidierten Kopfhörer-Verstärkers einen kräftigen Sound abliefert ohne bei hoher Lautstärke zu verzerren. Allerdings fallen die Höhen weniger präzise aus als bei der Referenz, dem Samsung Galaxy Note 4. Gleiches gilt für die Bässe, die zwar mächtig sind, aber mangels Präzision eher etwas dröhnend wirken. Das mag auf mangelnden Frequenzgang zurückzuführen sein, kann aber ebenso gut an besagtem Upscaling liegen, das sich nicht ausschalten lässt. In der Praxis dürfte das aber für die allermeisten Hörer nur eine marginale Rolle spielen, bei günstigen und daher eher bassschwachen Headsets vielleicht sogar als positiv wahrgenommen werden. Weshalb es trotz der Kritik noch ein haarscharfes „Sehr gut“ in der Klangwertung setzt.

Android 6

Das One A9 wird mit Android 6.0 als Betriebssystem ausgeliefert, das mit etlichen Neuerungen aufwartet. Für Details hierzu sei auf die Tests des Nexus 6P und Nexus 5X verwiesen. Weil das HTC jedoch anders als die Nexus-Phones über einen Slot für Speicherkarten verfügt, kommt hier noch ein weiteres neues Feature von Android 6 zum Einsatz: Auf Wunsch kann nämlich das interne Gedächtnis mit der SD-Karte verschmolzen werden. Danach muss dann niemand mehr suchen, wo er seine Dateien abgelegt hat. Außerdem hat sich damit das Problem erledigt, dass sich einige systemnahe oder performance-kritische Apps nicht auf die Karte auslagern lassen, weil sich für Apps nun alles als eine Einheit darstellt.

Sense 7

Wie gewohnt legt HTC über Android seine eigene Nutzeroberfläche namens Sense, die mit dem A9 nun Version 7 erreicht. Von grundsätzlichen Änderungen haben die Entwickler Abstand genommen, sondern sich vielmehr auf etliche Optimierungen im Detail beschränkt. Dazu zählt beispielsweise der neue Hyperlapse-Modus, eine Art beruhigter, optimierter Zeitraffer-Modus. Des Weiteren kann der Anwender nun noch intensiver Einfluss nehmen auf die Gestaltung der automatisch erstellten „Zoe“-Clips, indem er etwa vorgibt, welche Fotos und Videos für den Zusammenschnitt herangezogen werden sollen. Trotz aller Verbesserungen muss aber auch hier und da ein Detail moniert werden, so wie die Unart, die USB-Verbindung zum Rechner jedes Mal manuell auf dem Telefon bestätigen zu müssen, weil die Option „nicht mehr nachfragen“ fehlt. Zwar merkt sich die Software den zuletzt verwendeten Modus, doch ehe der Anwender nicht auf dem Touchscreen „OK“ anklickt, erscheint der Inhalt des Telefons nicht im Explorer des Rechners. Nervig! Trotzdem bleibt der Gesamteindruck der Handhabung hervorragend.

Fazit

Preis und Optik des HTC One A9 führen in die Irre: Aufgrund der exquisiten Materialien und hochwertigen Verarbeitung in Verbindung mit dem erstklassigen 5-Zoll-Display sowie Android 6 mag man es für ein Oberklasse-Modell halten, doch spielt es technisch in der Mittelklasse. Das zeigt sich am Prozessor, dessen Leistung 7 Prozent unter dem Durchschnitt liegt, ebenso wie am fest verbauten Akku, dessen Laufzeit sogar glatte 25 Prozent unter dem Mittel rangiert. Auch sind die 16 (netto: 8,6) Gigabyte interner, erweiterbarer Speicher des hiesigen Modells zu wenig für die 579 Euro, die der Hersteller für das A9 aufruft. Selbst die aktuellen Straßenpreise von jetzt zum Start rund 540 Euro ohne Vertrag ändern daran nichts.

Darüber hinaus ernten die Videos in Full-HD aufgrund mangelnder Schärfe und des pumpenden Autofokus ein „Ungenügend“. Die 13-Megapixel-Fotos kassieren dank des optischen Stabilisators ein „Sehr gut“, allerdings nur knapp, weil die Aufnahmen unter schwachen Lichtbedingungen ein wenig hinter den Erwartungen an ein System mit optischem Stabilisierer zurückbleiben. Auch der Klang des Musikplayers erreicht nur mit Ach und Krach die Prädikatsnote.

Daher fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis des HTC One A9 mäßig aus: 31 Prozent unterdurchschnittlich. Da müsste der Preis schon auf 370 Euro fallen, um das Modell attraktiv zu machen. Deshalb sollten sich Interessenten überlegen, ob sie stattdessen nicht lieber zum HTC One M9 greifen, denn das Flaggschiff ist dem A9 in jeder Hinsicht überlegen und inzwischen ab etwa 470 Euro zu haben.

Ausstattung                 171 von 175    sehr gut

Foto                             22 von 25        sehr gut

Video                           10 von 25        ungenügend

Musik                          22 von 22        sehr gut

Handhabung               211 von 250    gut

gesamt                        436 von 500    sehr gut



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