Bauarbeiten an North Stream-Anbindung OPAL gehen voran
Lubmin/Kassel - Unter dem Hafenbecken von Lubmin ist es kalt und feucht. Ingenieur Manfred Kehrer läuft durch einen Tunnel, 2,40 Meter breit und insgesamt 188 Meter lang, über ihm das Wasser der Ostsee, sieben Meter hoch. "Ideale Luft für Asthmatiker. Noch.", sagt der Techniker. Dieser Gang durch den Tunnel ist eine der letzten Gelegenheiten. Bald wird sich der Anfang der OPAL-Erdgasleitung durch die Betonröhre schieben, um dann in einer breiten Linkskurve nach Süden in Richtung Brandenburg und Sachsen abzubiegen.
Lubmin bei Greifswald wird quasi eine Grenzstation für russisches Erdgas. Hier, wo bis 1990 Atomstrom erzeugt wurde, wird die 1200 Kilometer lange Ostseepipeline Nord Stream anlanden. Zwei bis drei Tage war das Gas dann vom russischen Wyborg unterwegs. In einer Übernahmestation, die derzeit vom Energiekonzern Wingas gebaut wird, wird das Gas vorgewärmt und dann in zwei Leitungen nach Süden (OPAL) und Westen (NEL) weitergeleitet, wie Bernd Vogel, Geschäftsführer der zuständigen Wingas-Tochter, berichtet.
Russlands Erdgasanteil wächst
Schon jetzt ist Russland mit 37 Prozent der größte Erdgaslieferant für Deutschland. Fakt ist: Das NordStream-Projekt mit den beiden Anschlussleitungen wird die Abhängigkeit von russischem Erdgas weiter erhöhen, auch wenn nicht alles Gas in Deutschland bleibt. Die Transportkapazität der OPAL-Trasse mit 36 Milliarden Kubikmeter pro Jahr entspricht rund einem Drittel des deutschen Erdgasverbrauchs. Bezogen auf die Kapazität sei sie Europas größte Erdgaspipeline, sagt Vogel.
Die längste Baustelle Deutschlands
Mit 470 Kilometern ist die OPAL zugleich Deutschlands längste Baustelle. Rund 2500 Arbeiter sind zwischen Ostseeküste und Erzgebirge beschäftigt. Doch das kleine Jobwunder, das in Prenzlau oder Angermünde zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen geführt hat, ist zeitlich befristet. Im Oktober 2011 soll die eine Milliarde Euro teure Pipeline fertig sein. Nur zehn Arbeitskräfte sind dann noch zwischen Lubmin und Olbernhau für Wartung und Betrieb erforderlich.
Rund 280 Kilometer Leitung wurden bereits verschweißt, 180 Kilometer im Boden verlegt. Die Trasse kreuzt Privatgrundstücke, 172 Straßen, 27 Bahngleise, 39 größere Gewässer und auch Naturschutzgebiete. Einige Gemeinden und Bauern klagten vor den Verwaltungsgerichten - bisher ohne Erfolg. Mit 1,40 Meter Durchmesser ist OPAL Deutschlands dickste Pipeline - und die Biegung der der Röhren entsprechend aufwändig. "Das ist wie beim Tapezieren", sagt Bernd Vogel. "Die geraden Strecken gehen schnell, aber an den Fenstern und Heizungen dauert es lange."
Schatzkammer für Archäologen und Geologen
Im Schlepptau folgen den Bautrupps Archäologen und Geologen. In Mecklenburg-Vorpommern stießen sie unter anderem auf ein 2000 Jahre altes Gräberfeld. In Sachsen wurden die unterschiedlichsten Entdeckungen gemacht, von Steinzeit-Keramik bis zu Brunnenresten aus dem zehnten Jahrhundert. Die Grabungen hätten zum Teil völlig neue Erkenntnisse über die Siedlungsgeschichte gebracht, sagt Landesarchäologin Regina Smolnik. Außerdem könnten dank des durchgängigen Grabens über mehrere hundert Kilometer jetzt die Verzahnung, Lagerung und das Alter geologischer Schichten exakt bestimmt werden, erklärt der Greifswalder Geograf Reinhard Lampe.
Weitere Nachrichten vom 27.07.2010
- BUND übt Kritik an Stilllegungsplan für Morsleben
- Viele offene Fragen über Deutschlands neues Energiekonzept
- "Cyberbullying" per Handy und Internet nimmt zu
- Solar-Boom sorgt für einen Teil der Strom-Preissteigerungen
- Bundesnetzagentur erwartet massive Zunahme an Solaranlagen
- Strompreise sind gestiegen, Gaspreise noch stabil
- Telekom droht Prepaid-Kunden: Aufladen oder Kündigung
- BP will bald neueTiefseebohrungen im Mittelmeer durchführen
- Besitzer des iPhone dürfen in den USA ihr Handy legal knacken
- Gorleben-Streit geht in die nächste Runde
- E-Plus erreicht Trendwende - Base und Simyo steigern Umsatz
- Facebook bietet neue Datenschutz-Website mit Tipps und Infos
- Ölpreise weiter leicht im Plus

