Netzagentur senkt Renditen für Strom- und Gasnetze

Bonn - Die Bundesnetzagentur senkt in den kommenden Jahren die staatlich garantierten Renditen für Strom- und Gasleitungen deutlich. Die Entlastung der Verbraucher beläuft sich nach Expertenmeinung auf insgesamt 650 Millionen Euro pro Jahr.

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Bild: Stromleitung Bild: ©Siegfried Schnepf/fotolia.com / Text: dpa-AFX

Der Schritt erfolge im Interesse der Verbraucher und spiegele die seit längerem niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten wider, betonte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Jochen Homann, am Mittwoch. Für einen Durchschnittshaushalt dürfte die Entlastung allerdings weniger als 10 Euro im Jahr ausmachen.

Und selbst ob davon am Ende etwas übrig bleibt, darf bezweifelt werden, denn an anderer Stelle sorgt die Energiewende nach wie vor für steigende Stromkosten. So wird die sogenannte EEG-Umlage zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne im nächsten Jahr von derzeit 6,36 Cent auf wohl 6,88 Cent steigen, wie am Dienstag aus der Strombranche verlautete.

Der Hintergrund der Neuregelung bei den Netzrenditen: Wenn Energiekonzerne oder Stadtwerke neue Strom- und Gasleitungen bauen, bekommen sie dafür staatlich garantierte Renditen. Bislang betrug der von der Bundesnetzagentur festgelegte Eigenkapitalzinssatz dabei 9,05 Prozent bei neuen Anlagen und 7,14 Prozent bei bestehenden. Künftig sinkt er um rund ein Viertel auf 6,91 beziehungsweise 5,12 Prozent. Die neuen Zinssätze gelten für Gasnetzbetreiber ab 2018, für Stromnetzbetreiber ab 2019.

Auf Bedenken stieß der Schritt der Aufsichtsbehörde beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der nun von der Bundesnetzagentur festgelegte Zinssatz liege "auf einem der letzten Plätze in Europa", kritisierte der BDEW-Vorsitzende Stefan Kapferer. "Es bleibt abzuwarten, ob Investoren auf dieser Basis bereit sind, die erforderlichen Finanzmittel in Milliardenhöhe zügig bereitzustellen." Verzögerungen beim Netzausbau könne sich Deutschland nicht leisten.

Auch der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) klagte, mit der Absenkung der Rendite werde "der Verteilnetzausbau nunmehr deutlich erschwert". Die Linken im Bundestag und der Ökostrom-Marktführer Lichtblick kritisierten dagegen die Absenkung als nicht ausreichend. Den Netzbetreibern werde weiterhin "eine Traumrendite" garantiert, rügte die energiepolitische Sprecherin der Linken, Eva Bulling-Schröter.

Netzagentur-Präsident Homann sagte dagegen, die Neuregelung entspreche dem internationalen Niveau und gewährleiste, dass Investitionen in die Netze weiterhin attraktiv blieben und die Netzbetreiber die großen Herausforderungen der Energiewende stemmen könnten.

Für Bau und Betrieb der Strom- und Gasnetze fallen nach Branchenschätzungen derzeit pro Jahr in Deutschland etwa 18 Milliarden Euro beim Strom und rund 5,5 Milliarden Euro beim Gas an. Die jährliche, vom Staat garantierte Rendite auf das eingesetzte Kapital liegt den Schätzungen zufolge bei etwa 2,5 Milliarden Euro branchenweit für Gas und Strom zusammen.

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